Böses Russland, gutes Amerika?

„Regierung rügt russische Bomben“; Politik, „Was hat Seehofer in Moskau erreicht?“; Leserbriefe 9. Februar

Wie heißt es immer, man soll nicht mit Steinen werfen, wenn man selbst im Glashaus sitzt. Die Bundesregierung kritisiert die russischen Luftangriffe in Syrien. Da muss ich einfach die Frage stellen, was macht den unsere Bundeswehr in Syrien? Ach so, die Kampf-Jets der Bundeswehr sind ja nur zur Luftaufklärung im syrischen Luftraum unterwegs. Sie melden feindliche Ziele an befreundete Truppen der Nato und deren Kampf-Jets werfen dann ihre Bomben (und keine Hilfspakete) ins Ziel. Hört sich einfach an und Deutschland steht mit weißer Weste da. So einfach ist es aber nicht, „mitgegangen, mitgefangen, mit gehangen „ heißt es schon in einem Sprichwort. Frau Merkel ist entsetzt über das menschliche Leid, das durch Bombenangriffe ausgelöst wird. Zynischer geht es nicht mehr. Frau Merkel, durch die Kriege der USA, sei es in Bosnien, Irak Libyen, Syrien um nur einige Länder zu nennen, wurden durch die USA/Nato, Bomben auf Städte abgeworfen, mit millionenfachem Leid in der Zivilbevölkerung, waren Sie da nicht entsetzt. Vergessen wir auch die deutschen Waffenlieferungen in die Krisengebiete nicht. Russland verletzt auch die staatlichen Hoheitsrechte von Syrien nicht, da sie auf expliziten Wunsch, der syrischen Regierung, dieser zu Hilfe kamen. Aber Russland verfolgt auch eigene Interessen im Kampf gegen die IS-Milizen und greift diese massiv an, so dass diese in einer großen Zahl Richtung Türkei und Irak flüchten und sich dort in die Flüchtlingsströme einreihen. Was das bedeutet, muss nicht weiter erwähnt werden.

Erich Wochnik München

Dem Leserbrief von Herrn Forster kann man im gesamten Inhalt nur uneingeschränkt zustimmen. Sowohl ihm als auch dem Merkur muß man dazu gratulieren, daß hier ein Brief veröffentlicht wurde, der nicht dem von Merkel und Gefolgsleuten vorgegebenen Denk- und Verhaltenscodex folgt. Völlig zu Recht weist Herr Forster auf die Halbwahrheiten oder gezielten Fehlinformationen hin, mit denen das Handeln Putins z.T. kommentiert und diffamiert wird, wogegen die Handlungen Amerikas beschönigt oder gar glorifiziert werden. Die Bombardierung des IS durch Rußland hat schnellere Erfolge gebracht als die amerikanischen Stümpereien. Ist das der Grund, warum nun im von Amerika gesteuerten Westen nur noch von einer russischen Bombardierung der syrischen Zivilbevölkerung berichtet wird? Wäre den Amerikanern dieser Schlag gegen den IS gelungen, das deutsche Staatsfernsehen und die der derzeitigen Regierung zugetanen Printmedien hätten tage- wenn nicht wochenlang den „großartigen Erfolg des starken Verbündeten“ ausgeschlachtet und dabei der Tatsache, daß in solchen Fällen immer die Zivilbevölkerung die Zeche zahlt, garantiert keine besondere Bedeutung beigemessen, sondern das Ganze - wie im Fall eines von den Amerikanern bombardierten afghanischen Krankenhauses - als „Kollateralschaden“ angesehen. Frau Merkel zeigt sich „entsetzt“ über das russische Bombardement der Zivilbevölkerung. Wo, frage ich, war ihr Entsetzen, als Amerika unter dem von ihr offensichtlich höchst geschätzten George Bush den Irak bombardiert hat, nachdem er die Welt nach Strich und Faden belogen hat, um den Flächenbrand im nahen Osten entfachen zu können? Wo, frage ich, war ihr Entsetzen als die Amerikaner im Oktober 2015 mehrfach - und wie man jetzt weiß - gezielt ein von „Ärzte ohne Grenzen“ betriebenes Krankenhaus!!! in Afghanistan bombardiert haben? Die Bombardierung und Tötung von Menschen, die diesen gesamten kriegerischen Irrsinn nicht angezettelt haben, ist auf keiner Seite zu entschuldigen oder schön zu reden. Ebenso ist festzuhalten, daß Amerikas Rolle in der Entstehung von Konflikten oder Kriegen in dieser Welt der Rußlands in nichts nachsteht. Es geht Amerika im Gegenteil auch in der jetzigen Situation darum, in Europa möglichst wenig Ruhe einkehren zu lassen. Warum sonst kümmert sich ausgerechnet das Land, dem wir die nicht zu bewältigenden Flüchtlingsströme durch seine Kriegstreiberei zu verdanken haben, nicht selbst um die Massen an Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen, sondern lehnt es im Gegensatz zu Rußland sogar ab, Flüchtlinge überhaupt aufzunehmen? Ich kann dem bayrischen Ministerpräsidenten nur dazu gratulieren, daß es den Kontakt zu Rußland und das Gespräch mit Wladimir Putin sucht. Er beweist damit wesentlich mehr politische Weitsicht und Größe als die derzeitige Inhaberin des Bundeskanzleramtes und ihre Vasallen.

Dr. Rita Vassiliadis München

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