Syrien: Wann hört das endlich auf?

Friedemann Diederichs: Weltpolizist wider Willen; Kommentar, Trotz US-Schlag: Assad sitzt fest im Sattel; Hintergrund 8./9. April

Diese aktueller denn je zu stellende Frage – ein Grundgedanke der Palmsonntagspredigt. Gleichzeitig erwarten die Zuhörer logisch nachvollziehbare Ursachen sowie Analysen, diese Gräuel zu stoppen. Gilt es nicht, einen Bogen zu spannen vom Anbeginn der Erschaffung des Menschen? Von der Spezies Tier unterscheiden wir uns grundlegend: Durch die Willensfreiheit. Paradebeispiel: Kains Mord an Abel. Wenn man der Bibel glaubt (wie man von Kirchenvertretern annimmt) – die Folge der Vertreibung aus dem Paradies. Weltweit nicht zu ignorieren . Wann das endlich aufhört? Nämlich genau dann, wenn sie (wir) bereit sind, Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden. Und Speere zu Winzermessern. Das Gegenteil von Hass und Zerstörungswut. Es gibt im Krieg nur Verlierer. Wieso glaubte man, Waffen segnen zu müssen? Hier bei uns (auf noch einigermaßen sicherem Gelände) kann man leicht sagen: Es reicht! Immerhin, ein Grund zur Hoffnung. 

Annemarie Reif Markt Indersdorf

Weltpolizist USA, doch nur in dem Sinne ihrer eigenen Polizei, die da schon mal unterschiedliches Recht zwischen weißen und schwarzen Amerikanern ausübt. Nein, dieser „halbverückte Trump“ (Sahra Wagenknecht) übt hier knallhart das Recht des Stärkeren aus. Dass Deutschland diesen völkerrechtswidrigen Angriff ohne Untersuchung und ohne UN-Mandat auch noch rechtfertigt, ist nicht verwunderlich, regiert hierzulande doch auch die „Herrschaft des Unrechts“ (Seehofer). Wenn dieser Angriff irgendwem genutzt hat, dann dem Terrornetzwerk IS. 

Georg Niedermeier Haimhausen 

Mit der einseitigen Unterstützung der deutschen Regierung für den amerikanischen Luftschlag in Syrien zeigt die Bundesregierung auf, dass es ihr in Syrien nicht um die Bekämpfung des islamischen Terrors geht, sondern um die Eindämmung der russischen Interessensphäre. In Syrien kann keine Kriegspartei den Anspruch erheben, moralisch und ethisch unterstützt zu werden. Die vom Westen unterstützten sogenannten gemäßigten islamischen Aufständigen sind letztlich den IS-Schergen gleichzusetzen und haben offensichtlich kein Interesse, da untereinander auch zerstritten, an einem gediegenen Staat Syrien mit unterschiedlichen Völkern und Religionen. Auch in den befreiten Gebieten durch kurdische Einheiten werden die dort lebenden Christen von den Kurden zwar nicht massakriert, doch aber zum Verlassen ihrer Heimat genötigt. Mit der Unterstützung der kurdischen Einheiten fördert die deutsche Regierung direkt auch noch die Vertreibung christlicher Bevölkerungsteile aus Nordsyrien. Die Türken kochen auch ihre eigene Suppe und sind in erster Linie gegen ein Erstarken der kurdischen Minderheit in Syrien. 

Franz-Xaver Thielmann Feldkirchen-Westerham

Direkt am Abend vor dem US-Raketenangriff auf Syrien stellte der Nahostexperte Michael Lüders vor Millionen Fernsehzuschauern in der abendlichen ZDF-Markus-Lanz-Runde sein neues Buch über den Syrienkrieg vor. Er beschrieb den Syrienkrieg als einen Stellvertreterkrieg, bei dem es weder um Menschenrechte noch um Demokratie ginge. Als die syrische Zivilbevölkerung im August 2013 tödlichen Giftgas-Angriffen ausgesetzt worden war (Massaker von Ghuta), hatte Obama keinerlei Zweifel an der Verantwortlichkeit Assads. Da damit eine rote Linie überschritten sei, hatte er die Bombardierung von Damaskus angekündigt. Lüders berichtete nun, es habe sich letztendlich herausgestellt, dass das Giftgas vonseiten der Rebellen eingesetzt worden war und aus der Türkei stammte (Erdogan zeigte sich jetzt von Trumps illegalem Raketenangriff besonders begeistert). Nun der erneute Giftgasangriff: In seiner jetzigen Position der Stärke, hat Assad kein Motiv, sich durch derartige schreckliche Aktionen internationaler Kritik auszusetzen. Mich wundert, dass die bislang so Trump-kritischen deutschen Medien einschließlich des Münchner Merkur nach einer solchen Vorgeschichte die US-amerikanische Rote-Linien-Darstellung übernehmen, ohne auch nur geringste Zweifel zu äußern. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel, sonst erklärte Trump-Gegnerin, ihm jetzt den Rücken stärkt, verwundert mich weniger. 

Dr. med. Hartmut Michels Garmisch-Partenkirchen

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die jetzige Bundeskanzlerin damals – zu Beginn des US-Angriffskrieges gegen den Irak – als einfache Bundestagsabgeordnete schnell zu George W. Bush geflogen ist, um sich dafür zu entschuldigen, dass unser früherer Bundeskanzler Gerhard Schröder den amerikanischen Kriegseinsatz kritisierte und sich weigerte die angreifenden Amerikaner im Irak zu unterstützen. Heute weiß man, dass die damaligen amerikanischen Beschuldigungen, der Irak wäre im Besitz von Massenvernichtungswaffen, falsch waren und Gerhard Schröder mit Recht, besonnen und selbstbewusst den US-Kriegseinsatz kritisiert hat. Präsident Bush hätte man für diesen Kriegseinsatz eigentlich als Kriegsverbrecher verhaften müssen. Jetzt wird von amerikanischer Seite schon wieder eine lose Verdächtigung in die Welt gesetzt, nämlich dass der syrische Präsident Assad chemische Waffen eingesetzt hätte. Ohne diese Verdächtigung glaubhaft beweisen zu können, wird abermals von amerikanischer Seite vorsorglich ganz schnell drauf los gebombt. Was macht Angela Merkel diesmal als Kanzlerin? Sie stärkt reflexartig und zuverlässig schon wieder einem ballernden, amerikanischen Präsidenten den Rücken. 

Wolfram Brock Weilheim

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