Lehrer wichtiger als technischer Schnickschnack

Sebastian Dorn: Es hakt an vielen Stellen; Kommentar 3. April

Kinder brauchen heute vor allem ein Tablet, ihre Sportsachen und das Schulbrot, so begründet Staatsministerin Bär ihre Digital-Offensive für Kinder. Damit wird wohl auch gleich der Lehrermangel und das Problem veralteter Schulbücher gelöst. Zum Glück darf das Schulheft bleiben. Sie scheut nicht davor zurück, Eltern mit Kleinkindern sogar den Rat zu geben: Es gibt für Kinder tolle Lern-Apps mit schönen Illustrationen oder Tierstimmen. Wenn ein zweijähriges Kind sich so etwas fünf Minuten anschaut, so ist das kein Problem. Dass es bei den fünf Minuten nicht bleibt, weil die Kleinen den Eltern dann ständig in den Ohren liegen, ist bei dieser Empfehlung womöglich einkalkuliert. Ohne Rücksicht wird Digitalisierung, samt deren funkenden Geräten auch schon für kleinste Kinder angepriesen und das bei höchst zweifelhaften Folgen für deren Entwicklung und Gesundheit. Der Rat des einstmaligen Präsidenten des Bundesamts für Strahlenschutz: Eltern sollten ihre Kinder möglichst von dieser Technik fernhalten, wird nicht einmal mehr im Ansatz befolgt. Im Gegenteil! Äußerst erfolgreich werden mögliche gesundheitliche Auswirkungen gepulster elektromagnetischer Strahlung totgeschwiegen, ja finden nicht einmal mehr irgendwo Erwähnung. 

Eva Weber München 

Die Offensive der neuen Staatsministerin Bär zeigt, wie man im politischen Betrieb ohne Rücksicht auf die langfristigen Folgen Handlungsfähigkeit demonstrieren will. Ihre Forderung, die Kinder nur mit Laptop, Pausenbrot und Sportutensilien in die Schule zu schicken, klingt modern, ist es aber nicht. Alle mir bekannten Studien beweisen klar die Vorzüge des Schreibens in Schreibschrift in Hefte und das Lesen aus Büchern. Die Konzentration ist höher, es sind mehr Gehirnareale beteiligt und das fotografische Gedächtnis lässt sich ausnutzen. Das Denken in Zusammenhängen wird geschult. Sebastian Dorn beklagt in seinem Kommentar die Arbeit mit den schweren Atlanten. Nur, mit Google Maps lernt man eben kein räumliches Vorstellungsvermögen, sondern die Abhängigkeit von einem Navi selbst im Nahbereich. Ebenfalls belegt ist, dass für den Unterrichtserfolg der Lehrer am wichtigsten ist, und nicht technischer Schnickschnack, der meist eh nicht funktioniert. Natürlich haben auch Tablets im Unterricht ihre Berechtigung als Abspielgerät für Videos in der Hand des Lehrers und zur Versuchsauswertung, der Durchführung von Planspielen usw. in Schülerhand. Aber eben nicht dauerhaft, denn das Surfen im Internet ist immer mit weniger Anstrengungen verbunden als das Verstehen von schwierigen Leninhalten, also unterbleibt Letzteres. Ein Missverständnis sollte noch ausgeräumt werden: Mit einer Förderung der Studierfähigkeit in den MINT-Fächern hat das alles nichts zu tun. Deren Professoren würden wohl die Reihenfolge aufmachen: Mathematik, Mathematik, Programmierfähigkeiten, überspitzt ausgedrückt also keine Kompetenzen. Schade, dass die CSU keine kompetenteren Frauen für einen Staatssekretärsposten aufzubieten hatte. 

Armin Seemann Freising

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