Die wirkliche Gegenwart Gottes

Claudia Möllers: Gemeinsam zur Einheit; Kommentar 13. März

Da lagen sich in Hildesheim nicht etwa zwei Bischöfe in den Armen. Denn nach Lesart der katholischen Kirche stehen die evangelischen Theologen nicht in ununterbrochener Nachfolge der Apostel. Sie sind also keine Priester/innen. Und sie können auch die Wandlung von Brot und Wein nicht gültig vollziehen (wobei jedoch die Frage zu stellen ist, ob bei Seinem letzten Abendmahl die Aufforderung, es zu Seinem Andenken zu tun, „nur“ an die Anwesenden gerichtet war). Luther schloss dies aus und sah alle Christen angesprochen. Wie er auch alle Gläubigen begnadet sah, ihrer Berufen- und Auserwähltheit entsprechend, dieses Gedenken zu vollführen. Nach einem halben Jahrtausend scheint die katholische Kirche auf die evangelischen Christen (denen man allerdings das Kirchesein nicht unbedingt zubilligt) zugehen zu wollen. Dabei steht auch die Gemeinsamkeit von Eucharistie und Abendmahl im Mittelpunkt. Allerdings müsste die katholische Kirche ihr tridentinisches Dogma von 1565 überdenken. Dieses besagt (bei buchstabengetreuer Auslegung), dass der Wandlungsprozess des Brotes und Weines in Jesu Leib und Blut mit der Handlung des Priesters in der Messe (abschließend) vollzogen wird. Luther aber betrachtete diese Transsubstantiation als nicht unmittelbar vollziehbar, sondern lehrte, dass Jesus immer wirklich anwesend sei (wobei er sich allerdings von seinem Zeitgenossen Zwingli distanzierte, der im Abendmahl einen bloßen Erinnerungsakt erblickte). Im Grunde sind die beiden Theologien hierin aber gar nicht so weit voneinander entfernt. Beide vertreten die wirkliche Gegenwart Gottes. Weitete sich nun die katholische Sicht in Richtung Glaubenswirklichkeit der Christen, könnte darauf erkannt werden, dass der Wandlungsprozess mit der Handlung des Priesters beginnt und sich im Glauben des (würdig) Kommunizierenden vollendet. Denn mystische Prozesse vollziehen sich ausschließlich in jemandes festem Glauben daran. Die Wandlung ist ein weder naturwissenschaftlich noch philosophisch zu erklärender Begriff. Die Transsubstantiation ist ein Mysterium, das nur dem geschenkt wird, der zutiefst daran glaubt. 

Dietrich Kothe Hohenfurch

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