Leserbriefe

Missstände in der Fleischproduktion

Hagen Strauß; „Wir brauchen eine Tierwohl-Abgabe“, Interview mit Julia Klöckner; Politik 26. Juni

Aufgrund der Missstände in der Fleischproduktion sollen nun laut der höchst sachkundigen Politelite auf Ministerebene die Fleischpreise verteuert werden. Einerseits durch eine Tierwohlabgabe, andererseits durch eine Fleischsteuer. Dabei darf ich annehmen, dass ich als Verbraucher, der seit Jahren – wenn überhaupt – nur teures Biofleisch aus regionaler Herstellung kauft, ebenfalls von einer weiteren Verteuerung betroffen sein werde. Ich wirke, wie immer verlangt, als verantwortungsbewusster Verbraucher einem Missstand seit Jahren entgegen, aber das interessiert da oben natürlich keinen. Und das soll dann die viel beschworene Gerechtigkeit sein? Ich darf annehmen, dass es sich lediglich wieder um ein weiteres Abzockmodell der Merkelregierung beim Bürger handelt – vorrangig bei den kleinen Leuten.

Andreas Heene

Breitbrunn

An der ganzen Misere haben auch Bauern eine Mitschuld, die eine grausame Massentierhaltung mit hunderten von Tieren betreiben und die katastrophalen Missstände bei Tiertransporten und in den Fleischfabriken dadurch erst ermöglichen. Diese Bauern sind der Anfang dieser Nahrungskette und die unsäglichen Supermärkte und Discounter mit ihrer Billigpreispolitik das letzte Glied. Wir Verbraucher könnten durch einen sorgfältigen Einkauf so viel bewegen und die Missstände zumindest abmildern. Aber vielen gedankenlosen Verbrauchern ist das Ganze egal, Hauptsache sie bekommen billige Ware und können sich dadurch Flugreisen, tolle Urlaube usw. leisten und der SUV darf auch nicht fehlen. Wir alle sind in der Verantwortung! Es ist einfach unerträglich.

Manfred Wimmer

München



Wenn die Politik wirklich was an der momentanen Situation ändern möchte, dann kann sie nicht durch eine fadenscheinige „Fleisch-Abgabe“ dies verbessern. Diese füllt nur den Bundeshaushalt. Klarer Fakt ist, dass die heimische Landwirtschaft im Weltmarkt konkurrieren muss. Unsere kleinen Familienbetriebe, müssen mit Landwirten aus China, USA und dem Nahen Osten konkurrieren. Dass dies nicht gut geht, war von Anfang an abzusehen. Dennoch wurde dies in der Vergangenheit von unserer Politik so beschlossen. Abhilfe schaffen nur gezielte Veränderungen, die das Tierwohl auch wirklich nachhaltig verbessern und Billigfleisch den Garaus zu machen. Einer der größten Faktoren für Billigfleisch ist der Import aus dem Ausland. Hier müssten die gleichen Standards vorgeschrieben werden wie für die in Deutschland produzierten Lebensmittel. Des Weiteren müssen für das Importieren von Fleisch die Zollabgaben drastisch erhöht werden, somit würde ein automatischer Preisanstieg auf dem Fleischmarkt hervorgerufen werden. Auch eine Förderung der kleinen Metzgereien/Fleischereien ist in Augenschein zu nehmen. Durch immer strengere Auflagen in der Vergangenheit sind immer mehr Kleinbetriebe von der Eigenschlachtung ausgestiegen und es wurden so Großschlachtereien gefördert, siehe Tönnies. Diese Großbetriebe wie Tönnies (größter Schlachtbetrieb Europas) und Vion (zweit größter Schlachtbetrieb Europas) diktieren die Preise. Stichwort Monopolisten. Dabei sollten gerade die kleinen Metzgereien gefördert werden, denn je mehr kleinere Schlachtbetriebe existieren, wird sich auch der Preis nach oben entwickeln (Nachfrage regelt den Preis), zudem verkürzen sich die Transportstrecken für das Schlachtvieh. Auch eine Lockerung der Vorschriften bei der Selbstvermarktung und der Weideschussthematik für interessierte Landwirte, muss von der Politik vorangetrieben werden. Es darf und kann nicht sein, dass Landwirte die sehr auf das Tierwohl achten wollen, hier ausgebremst werden. Ich selbst bin nicht in der Landwirtschaft tätig, aber ich sehe mit Besorgnis, dass meist die Falschen an den Pranger gestellt und Gesetze rein zur Schröpfung der Bürger verabschiedet werden, anstatt dort anzusetzen, wo die missliche Lage entsteht.

Andreas Zimmer

Inning am Holz



Das Interview mit Frau Julia Glöckner macht deutlich, Sie vertritt, genauso wenig wie ihre Vorgänger im Landwirtschaftsministerium die Landwirtschaft, wie sie unsere Bevölkerung versteht, sondern voll und ganz diese Tier-und Fleischproduktionsindustrie! Die Auswüchse in der Fleischproduktion „gehen nicht vom Stall, sondern von der Theke aus“! Womit sie deutlich macht, „wir“ also auch der Wähler sind die Schuldigen, weil uns oft gar nicht mehr möglich ist anderes als „Billigfleisch“ zu kaufen, es sei denn, der Großstädter verfährt Benzin zum noch vorhandenen Selbstvermarkter auf dem Land. Dieses Billigfleisch ist doch ausschliesslich das Ergebnis einer bewusst gesteuerten Massentierhaltung: wachsen oder weichen!

Wäre es dieser Landwirtschaftsministerin ernst mit ihrem „Tierwohl“ könnte sie die Massentierhaltung mit einem simplen Verbot von Futtermittelzukauf über 10% unterbinden! Damit würde auch die Bestrafung aus Brüssel hinsichtlich Grundwasserverseuchung entfallen. - Die teils gewaltig überzogenen Vorschriften, mit denen zugunsten dieser Tönnies &Co-Fleischfabriken Mittelstand wie Kleinbetriebe zur Aufgabe gezwungen wurden, sind ebenso die Folgen einer insgesamt lobbygesteuerten Landwirtschaftspolitik. Die geforderte Tierwohl-Abgabe ist, wenn sie überhaupt kommt, nichts anderes als Augenwischerei!

Max Wagner

Lenggries

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