Tölpelhafte Mustereuropäer

Eine Insolvenz ist keine Schande, sondern eine Chance. Es stand schon vor drei Jahren in dieser Zeitung, dass eine geordnete Insolvenz für Griechenland und Europa die sauberste, sinnvollste Lösung ist.

Aber kluge Akteure sind rar. Jetzt stellen die Griechen ihre Steuersünder an den Pranger, anstatt die Steuern eingetrieben zu haben. Das also sind die „stolzen Griechen“. Man erinnert sich, dass die tölpelhaften Mustereuropäer in Brüssel und Luxemburg damals, als Griechenland der lukrativen Währungsunion beitreten durfte, „den stolzen Griechen“ nicht in die Bücher schauen wollten. So einfältig versuchten sich jedenfalls die Europatraumtänzer rauszureden. Das Betrugsmanöver der Griechen zusammen mit einer amerikanischen Bank ist bekannt. Theo Waigel wusste, warum er die Griechen nicht dabeihaben wollte. Hätte man nur auf ihn gehört! Vielleicht hätte man die Europa-Zauberlehrlinge in Brüssel noch einfangen können. Wenn die Griechen wirklich so stolz wären, wie die Europaphantasten, die offenbar weder Homer noch das Odysseus-Gen kennen, die zahlende Öffentlichkeit glauben machen wollten, dann hätten sie – das gebietet nun mal echter Stolz – längst ihre Steuern bezahlt und freiwillig mit der Hälfte ihrer großen Vermögen ihren Staat vor Schande bewahrt. Es sieht aber nicht danach aus. Bis die Gene des „Listenreichen“ zu echtem Stolz-sein-Dürfen mutieren, wird es noch ein evolutionäres Weilchen dauern. Da liegt eine geordnete Insolvenz schon näher. Wenn ein politisches Konstrukt laufend neuer „Rettungsschirme“ bedarf, dann ist zuerst der Konstruktionsfehler zu beheben. Auf jeden Fall ist jetzt in Europa statt utopischer „Rettungsschirme“, die nur dreiste Forderungen beflügeln, eine erfahrungsgestützte, zügige Änderung der Beitrittsvoraussetzungen zum Euro, mit Schwerpunkt Eigenverantwortung, dringend erforderlich. Nur so lässt sich das unsägliche Über-die-Verhältnisse- Leben auf anderer Leute Kosten eindämmen.

Dr. Heiner Bauer Bad Tölz

Ihr Kommentar war die perfekte Überleitung zum nächsten Akt der Commedia dell’Arte, die derzeit von unserer Schauspieltruppe gegeben wird. Wie im Laufe des Tages durchsickerte, stellen sich die privaten Gläubiger bockig und lassen die Schafschur (Neusprech „haircut“) nicht stoisch über sich ergehen. Also kleine Änderung im Drehbuch: Die öffentlichen Gläubiger zuvorderst die EZB (also wir Steuerzahler) sollen ebenfalls rasiert werden. Dabei hatte unser Berufsoptimist im Finanzministerium anfänglich noch davon gefaselt, Deutschland würde beim Ankauf der griechischen Anleihen noch ein „Geschäft“ machen! So hat er selbst dafür gesorgt, dass die Hypo Real Estate noch kräftig Griechenland-Papiere kaufte, als die schon kein Banker mehr mit der Beißzange angefasst hätte. Schöne Geschäfte sind das! Aber es zahlen ja die anderen! Die Pensionen und Gehälter unserer Laienspieler sind unantastbar. Wir erleben soeben den letzten Akt der Komödie, die sich zum Trauerspiel entwickelt hat.

Rolf Ertel Moorenweis

Georg Anastasiadis: „Oscarreif“; Kommentar, Tobias Schmidt: „Harter Schuldenschnitt soll Griechen retten“; Wirtschaft 25. Januar

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