Trump eine Marionette Putins?

Der Fall Skripal und ein Hauch Kalter Krieg; Politik 27. März

Der mächtigste Mann der Welt – dieser Titel gebührt in normalen Zeiten dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wenn es aber stimmt, dass Putin bestimmt, wer die USA regiert, dann ist Putin mächtiger als Trump. Und wenn es stimmt, dass Putin darüber hinaus via Erpressung bestimmt, wie Trump regiert, dann ist Putin nicht nur der mächtigste Mann der Welt, sondern der mächtigste Mann der Geschichte. Beides untersucht gegenwärtig der US-Sonderermittler Richard Mueller. Erweisen sich seine Untersuchungen als begründet, regiert Putin nicht nur das oligarchische Russland, sondern auch die wieder in den Steinzeitkapitalismus zurückgefallenen USA. Hiervon konnte Stalin nur träumen. Dabei ist Russland, gemessen an seiner Wirtschaftskraft, ein verhältnismäßig kleines Land. Es erwirtschaftet gerade einmal 30 % des Bruttoinlandsprodukts des geografisch vergleichsweise winzigen Deutschland und 5 % von dem der Nato-Staaten. Pro Kopf erwirtschaftet ein Deutscher das 4-Fache eines Russen. Und hierbei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass circa 50 % der Staatseinnahmen von den Russen gar nicht erwirtschaftet werden, sondern ihnen quasi in den Schoß fallen wie reife Früchte – nämlich die horrenden Einnahmen aus Öl- und Gasvorkommen, die Väterchen Russland vom Schöpfer in überreichem Masse in die Wiege gelegt bekam. Eingedenk dessen müsste das Regierungsflugzeug Putins um mindestens 75 % kleiner sein als das von Merkel. Stattdessen ist sein Dienstflugzeug gut doppelt so groß. Und unser Kanzleramt nimmt sich gegenüber dem Kreml aus wie eine Schrebergartenhütte. Dies ist allerdings bei Weitem nicht die einzige Unverhältnismäßigkeit, die dem heutigen Putin-Russland anhaftet. Die Macht des russischen Präsidenten steht in reziprokem Verhältnis zur wirtschaftlichen Leistungskraft seines Landes. Denn von seinen Bodenschätzen hat sich die Sowjetunion zulasten seiner duldsam darbenden Bevölkerung ein Atomwaffenarsenal aufgebaut, das seinesgleichen sucht. Und das auch eingesetzt wird, ohne dass man auf den Atomknopf drückt. Kaum wagt man, den Ursprung eines bestimmten Giftgases in Russland zu wähnen, schallt einem schon entgegen, es sei eine höchst gefährliche Majestätsbeleidigung, einen solchen Verdacht gegenüber einer so bedeutenden Atommacht wie Russland zu äußern. Hiermit nicht genug: Während die militärischen Abwehrdienste der westlichen Demokratien im Dornröschenschlaf vor sich hinschnarchen, hat Putin eine weitere Waffe entwickelt, die kaum weniger Sprengkraft als Plutonium aufweist: ein Cyberwar-Instrumentarium vom Allerfeinsten. Effektiver als Giftgas. Nämlich die Wahlbeeinflussungs- und Desinformations-Hackerarmee des Kreml, die als Zünglein an der Waage entscheidet, wer in den westlichen Ländern eine Wahl gewinnt oder verliert. Ob dieser neuesten Kremlwaffe bei der letzten US-Wahl ihr Meisterstück gelungen ist, wird die Untersuchung von Richard Mueller ergeben. Fest steht bereits, dass sich Trumps Wahlkampf-Helfer mit russischen Wahlkampfhelfern getroffen haben, um die eigenen Siegchancen zu verbessern. Schon das ist eine Ungeheuerlichkeit. Zum Dank gratuliert Trump dem russischen Diktator zu seiner Pseudowahl und setzt sich hierbei über den Rat seines Stabes hinweg. Denn Trump bewundert Putin aufrichtig, nicht nur wegen dessen uneingeschränkter Machtfülle, sondern auch wegen dessen sagenumwobenen Reichtums. Wie dieser zustande kam, interessiert Trump nicht. Aber die Unermesslichkeit dieses Niebelungenschatzes flößt ihm ehrwürdiges Schaudern ein. Und nur allzugern würde er in Amerika nach Putinschem Beispiel wählen lassen und regieren. Dass er auch die lebenslange Amtszeit des chinesischen Präsidenten für vernünftig hält und am liebsten nach Amerika importieren würde, tat er unmittelbar nach der entsprechenden Gesetzesänderung des Chinesischen Volkskongresses bereits kund. Wie Russland mit Verrätern umgeht, wissen wir, seit Trotzki 1940 von einem KGB-Agenten in Mexiko ermordet wurde. Dass Russland jegliche Schandtaten, die von ihm begangen werden, notorisch leugnet, ist nichts Neues. Die Lüge des Kreml ist ein systemimmanentes Instrument der kalten Kriegsführung, dessen er sich immer schamlos bedient hat und bedienen wird. Denn diese Taktik hat sich aus seiner Sicht bewährt.

All dies macht den an geostrategischem Denken allen westlichen Politikern weit überlegenen Putin zum mächtigsten Mann auf diesem Globus. Er entscheidet nicht nur über Leben und Tod seiner Agenten. Er entscheidet über Krieg und Frieden in Syrien, der Ukraine und der Krim. Ob er Waffen nach Nordkorea schickt oder nicht. Dort Atomentwicklungshilfe leistet oder nicht. Ob von der Uno eine Giftgasresolution gegen Syrien verabschiedet wird oder nicht. Und am liebsten auch, wer in die Nato darf oder nicht. Und der die Nato aussehen lässt wie einen Papiertiger. 

Dr. Wolfgang Seybold München

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