Zur Wahl in Tschechien

„Ein Linkspopulist wird Präsident“; Politik 28. Januar

Das Duell mit dem Außenminister Karl Johann Nepomuk Josef Norbert Friedrich Anton Wratislaw Mena Fürst zu Schwarzenberg endete am Samstag mit dem zu erwartenden Sieg des Linkspopulisten Milo(s) Zeman. Die vereinigten Linken und der üblicherweise zu Neutralität verpflichtete Staatspräsident Vaclav Klaus mit Familie hatten mit unlauteren Mitteln für Zeman Wahlkampf betrieben. Zeman hatte 2002 in einem Interview nicht nur gesagt, die Sudetendeutschen seien die fünfte Kolonne Hitlers gewesen, sondern auch, sie seien mit der Vertreibung noch gut davongekommen, eigentlich hätte man sie als Landesverräter erschießen müssen! Fürst Schwarzenberg war bis 1991 sieben Jahre lang Chef der Internationalen Helsinki Föderation für Menschenrechte sowie Kanzler und Vertrauter von Vaclav Havel. Im Wappen des böhmischen Adeligen heißt es „Nisi nil rectum“ (immer nur das Rechte), aber das ist nicht populär. Ständig auf die Bene(s)dekrete angesprochen, besaß der Fürst die Tollkühnheit, die Vertreibung der Sudetendeutschen einen „schweren Verstoß gegen die Menschenrechte“ zu nennen. Und er sprach die unerhörte Wahrheit aus, dass nach heutiger Rechtslage Bene(s) und seine Regierung vor den Internationalen Strafgerichtshof nach Den Haag kämen! Das war doch der Hauptgrund für die Niederlage Schwarzenbergs, die mit weniger als 10 % nicht „unerwartet klar“ ausfiel.

Fritz Werner Weilheim

Wenn wir aus dem Sudetenland bzw. aus dem Egerland Vertriebenen in der CR den Präsidenten hätten wählen dürfen, hätten wir auf gar keinen Fall Milo(s) Zeman unsere Stimme gegeben, der uns als Hitlers 5. Kolonne bezeichnet hat und der den Israelis geraten hat, mit den Palästinensern genauso zu verfahren, wie die Tschechen mit den Sudetendeutschen. Wir hätten Karel Schwarzenberg gewählt. Dies umso eher, als der Außenminister die Bene(s)-Dekrete im Fernsehduell als das bezeichnet hat, was sie beinhalten, nämlich die schwere Verletzung von Menschenrechten. Der im Jahr 2011 verstorbene Otto von Habsburg äußerte sich im Jahr 2003 in einem Interview u.a.: „In Washington habe ich die unglaubliche Agitation des Herrn Bene(s) miterlebt. Er hatte ungeheure Geldmassen zur Verfügung. Anfänglich hatten die Alliierten ja gar nicht geplant, die Deutschen zu vertreiben, auch Stalin nicht.“ Weiter führte er aus: „Wenn wir Staaten aufnehmen“ (in die EU), „die noch die Gesetze der Vertreibung aufrechterhalten, dann machen wir uns unglaubwürdig, rechtlich und moralisch. Die Bene(s)-Dekrete stehen eindeutig im Widerspruch zu allen Menschenrechtserklä- rungen, die die EU jemals unterschrieben und abgegeben hat.“ Edvard Bene(s) war nicht nur ein eklatanter Verletzer unserer Menschenrechte, er war auch ein Lügner: Bei den Friedens-Verhandlungen 1919 in Paris St.-Germain wollte Edvard Bene(s) den neuen Staat zu einer osteuropäischen Schweiz machen. Weit gefehlt. Seine Dekrete 27 Jahre später sind der Ausfluss einer Haltung, die nur verbrecherische Individuen an den Tag legen können. So stachelte er seine Landsleute dazu auf, mit den Deutschen kein Erbarmen zu haben. Dadurch kam es ja zu den gewaltsamen Übergriffen, die nicht selten in Morden, Totschlagdelikten und Vergewaltigungen endeten. Es galten weder Recht, Gerechtigkeit noch Gesetze in unserer ehemaligen Heimat. Und was sind Staaten anderes als große Räuberbanden, wenn es in ihnen keine Gerechtigkeit mehr gibt, sagte der hl. Augustinus schon im Jahre 400 nach Christus. Edvard Bene(s), der seine Heimat dem sowjetischen Kommunismus ausgeliefert und Teile seines Staates, die Karpaten-Ukraine, am 29. Juni 1945 an die Sowjetunion abgetreten hat, wurde vor dem Prager Außenministerium ein Denkmal errichtet. Im gleichen Jahr verkündete er „Neue Menschlichkeit“, daraus wurde unsere Vertreibung. Nicht zu vergessen ist, dass diese Dekrete weiterhin Teile der tschechischen Rechtsordnung sind.

Dr. Egon Ziegler Planegg

Während wir mit den Franzosen in diesen Tagen nach Jahrhunderten der Erzfeindschaft 50 Jahre Freundschaft feiern, werden in Tschechien im Zusammenhang mit der Präsidenten-Stichwahl wieder einmal antideutsche Töne angeschlagen. Der Präsidentschaftskandidat und frühere Ministerpräsident der Linken, Milo(s) Zeman, wirft seinem Kontrahenten, dem derzeitigen Außenminister Karel Schwarzenberg vor, dem längst verstorbenen Präsidenten Vaclav Havel geraten zu haben, sich bei den Sudetendeutschen zu entschuldigen. Offensichtlich seiner Auffassung nach auch heute noch ein absurder Ratschlag, sich als Staatsoberhaupt von millionenfacher Vertreibung sowie vieltausendfachem Foltern und Morden zu distanzieren. Das waren – bereits nach Kriegsende geschehen – politisch motivierte Gräueltaten, die der damalige Präsident Edvard Benesch mit seiner Regierung für straffrei erklärt und somit legitimiert hat. Der Außenminister stellt in seiner Erwiderung klar, dass aus heutiger Sicht die Vertreibung der Sudetendeutschen als grobe Verletzung der Menschenrechte anzusehen sei und die damalige Regierung mit ihrem Präsidenten Edvard Benesch sich in Den Haag verantworten müsste. Mutige Worte eines Mannes, der die Wahrheit über seine Karriere stellt! Zeman ist auch der Mann, der bereits als Ministerpräsident im Jahre 2002 die Sudetendeutschen mit der Aussage verunglimpfte, sie wären die fünfte Kolonne Hitlers gewesen und sollten froh sein, dass sie „Heim ins Reich“ durften, statt an die Wand gestellt zu werden. Dieser Politiker wird vom ausscheidenden Präsidenten Vaclav Klaus, dessen antideutsche und antieuropäische Einstellung ja hinreichend bekannt ist, von seiner Ehefrau und deren ältestem Sohn massiv unterstützt. Schwarzenberg sei „kein authentischer Tscheche“ und der künftige Präsident sollte ein Mensch sein, „der sein Leben hier verbracht hat“. Damit spielen die Kritiker auf seinen deutschen Namen, die etwas eingefärbte Aussprache und das aufgezwungene Exil in Österreich an, als die Kommunisten 1948 in der damaligen Tschechoslowakei an die Macht kamen. Der Sohn des noch amtierenden Präsidenten, Klaus, dessen Name auch nicht gerade authentisch tschechisch klingt, griff noch tiefer in die Munitionskiste und behauptet, der Vater Schwarzenbergs habe mit den Deutschen kollaboriert, was längst widerlegt ist. Das beweist allein die Tatsache, dass der Familie Schwarzenberg nach der Rückkehr aus dem Exil die von den Nazis konfiszierten Besitztümer weitgehend zurückgegeben worden sind. Der „Fürst“, wie Karel Schwarzenberg von seinen Anhängern liebevoll genannt wird, war offensichtlich von seinem Wahlerfolg in der ersten Runde überrascht. Er kündigte seinen Landsleuten lediglich an, im Falle der Wahl zum Staatspräsidenten aus Tschechien wieder ein ordentliches, erfolgreiches Land im Herzen Europas zu machen. Ob den Tschechen das genügt und sie ihm dabei folgen werden? Falls nicht, werden wir wohl noch lange mit den westlichen Nachbarn allein Freundschaft feiern müssen.

Hubert Müller Ohlstadt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Neger“ ist kein Schimpfwort
„Neger“ ist kein Schimpfwort
Jesus hat nur eine Kirche gegründet und gewollt
Jesus hat nur eine Kirche gegründet und gewollt

Kommentare