Antidemokratisches Verhalten der Türkei

Marcus Mäckler: In Erdogans Falle; Kommentar, Schrille Gegenattacken sind kein probates Mittel; Leserbriefe 13. März

Während in Deutschland die Auswüchse des Tyrannen vom Bosporus wieder mal nur mit Halbsätzen und vorsichtiger Empörung kommentiert werden, zeigt uns ein Nachbarland, dass es auch anders geht. Hut ab, vor der Entscheidung der niederländischen Regierung! Auch wenn der Autor des Kommentars dies als „ein in die Falle rauschen“ bezeichnet und meint, nun habe Erdogan ein Feindbild nach außen. Ankara hat unter der Führung des derzeitigen Machthabers schon immer ein Feindbild. Dies richtet sich vor allem gegen Staaten, die den rein türkischen Interessen im Wege stehen. Seitdem der EU-Beitritt der Türkei in weite Ferne gerückt war, verschärfte Ankara den Ton. Ständige Provokationen, respektlose Beleidigungen und Drohungen bis hin zu Nazi-Vergleichen folgten. Den Säuberungen und krassen Reformen im eigenen Land sollen nun also Wahlkampfauftritte linientreuer türkischer Politiker im europäischen Ausland folgen? Ausgerechnet hier, wo nicht nur jeder Türke die Freiheit der Person, Presse-, Glaubens- und Meinungsfreiheit in Anspruch nimmt und diese auch genießt? Ausgerechnet hier soll für eine mehr als umstrittene Verfassungsreform, die all das einschränkt, geworben werden? Dies kann und darf nicht sein! Wir können nicht immer nach Diplomatie rufen, während sie woanders mit Füßen getreten wird. Die Entscheidung der Niederlande verdient Hochachtung und Respekt und wird wegweisend für andere Staaten sein. Hoffentlich auch für Deutschland, denn mit Entscheidungen tun wir uns bekanntlich sehr schwer. 

Frank Alesch Hohenfurch

Ich glaube nicht, dass das eine Falle von Erdogan war. Der zukünftige Despot und Sultan vom Bosporus hat jedes Maß und Ziel verloren und läuft Amok. Was ich nicht verstehe sind die Türken bei uns, sind sie so einfach gestrickt, dass sie dieses Spiel nicht durchschauen. Das beste Beispiel ist doch Hitler, der nach dem Ermächtigungsgesetz völlig den Boden verloren hat, da ist Erdogan ihm schon einen Schritt voraus. Gott sei Dank wurden die Zahlungen eingestellt, denn das ist Perlen vor die Säue geworfen. 

Wolfgang Harbauer Türkenfeld

Ein besonnenes Verhalten zum antidemokratischen Verhalten der Türkei, beziehungsweise von Erdogan und seinen Gefolgsleuten, ist durchaus angebracht. Die Vorfälle unserer niederländischen Nachbarn zeigen dieses. Herr Mäckler hat Recht, die Niederlande gaben Wasser auf die Mühlen dieses zu missbilligenden Verhaltens der zurzeit politischen Verantwortlichen in der Türkei. Was wir in diesem Zusammenhang deshalb nicht vergessen dürfen, sind die rund 50 % der in der Türkei als auch in Deutschland lebenden Türken die gegen dieses Präsidialsystem Erdogans sind. Ja, es ist eine schweigende „Mehrheit“ die aber auch wir Deutschen hin und wieder in uns selbst erkennen. Diese Menschen sind die Zukunft der Türkei und deshalb auch für uns in einem friedlichen und demokratischen Miteinander so wichtig. Wir dürfen sie nicht mit ungehaltenen Verhalten vor dem Kopf stoßen und uns damit zum Handlanger Erdogans machen. 

Jörg Sczesny Maisach

Das ruhige und abgeklärte Verhalten der Kanzlerin, das so mancher Leserbriefschreiber lobt, ist nichts anderes als Ratlosigkeit und die schlichte Angst, dass Erdogan die Schleusen öffnet und A. Merkel vor der Wahl im September Millionen von Flüchtlingen nach Deutschland schickt. Deutschland wäre nicht in der Lage, dies abzuwehren und müsste sich dem Schicksal ergeben. So oder so, wie heute bekannt wurde, sind bei den Verhandlungen mit der Türkei Absprachen getroffen worden, dass Europa jährlich 150 000 bis 200 000 Flüchtlinge aufnimmt, die auf Europa verteilt werden sollen (Robin Alexander „Die Getriebenen“). Wo die in erster Linie hinkommen werden, sollte wohl jeden klar sein.

 Michael Oppenrieder Eberfing

Jetzt erwarte ich von der Bundesregierung kein Rumgerede mehr, sondern klare Worte und ein bedingungsloser Schulterschluss mit unserem verlässlichen Nachbarn Niederlande. Eine Nation wie die Türkei, die selbst eine sehr fragwürdige Vergangenheit hat (Armenien), beschimpft die Niederlande als Nazi – das ist eine bodenlose Frechheit. Ich würde einigen türkischen Minister, allen voran ihren Staatspräsidenten ein Geschichtsbuch zur Hand zu nehmen, und sie werden lesen, dass auch die Niederlande sehr unter dem Naziregime gelitten hat. Ein Rat von mir: Erst sich bilden, überlegen und dann reden, und schon gibt es keine Krisen mehr. 

Kurt Göldner München

Wenn auch jetzt die Aktionsgemeinschaft Politik/Presse den Versuch unternimmt, die entschlossene und nachvollziehbaren Aktionen der niederländischen Politik gegen Erdogans Innenpolitik im Ausland als diplomatischen Fehler zu bezeichnen, dann beweist das nur, dass es in Europa Staaten mit und ohne Rückgrat gibt. Entschlossen gegen Typen wie Erdogan und seine wüsten Nazi- und Faschismusvorwürfe und seine Rachedrohungen gegen ganz Europa vorgehen können allerdings nur Länder, die frei und ohne Erpressungsängste handeln können. Deutschland ist in einer selbst verschuldeten Abhängigkeit und muss, wohl oder übel, weiter gute Miene zum bösen Spiel aus der Türkei machen.

 Johann Neumeier Unterammergau 

Peinlicher als die Provokationen der türkischen Politiker sind die windelwachsweichen Reaktionen unserer Politiker hierzu. Man könnte nach dem altbekannten Sprichwort „auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“ vorgehen. Gravierender müsste aber die Erkenntnis sein, dass die türkischen Mitbewohner hierzulande, insbesondere die Erdogananhänger, mit der von uns gewünschten Integration in diesem Land nichts zu tun haben und ihr eigenes Leben sozusagen als Staat im Staate leben wollen. Dies ist ein bleibendes Problem, das angegangen und gelöst werden muss, das derzeitige Wahlkampfgeplänkel wird vorübergehen. 

Franz-Xaver Thielmann Feldkirchen-Westerham

Profitieren von diesem diplomatischen Desaster, werden als einziger der Türkische Präsident Erdogan und Herr Geert Wilders. Wenn Herr Rutte meint, fünf Tage vor der Wahl den starken Mann zu mimen und damit jahrzehntelange falsche Politik zu kaschieren, hat nichts anderes verdient als aus dem Amt gejagt zu werden. In Holland hat jeder 5. Bürger einen Migrationshintergrund (20 %). Ich kenne Herrn Wilders’ Programm zwar nicht, bin mir aber sicher, dass er mehr auf eine gute Familienpolitik setzt als auf Zuwanderung. 

Georg Niedermeier Haimhausen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump trampelt
Marcus Mäckler: Der Brandstifter; Kommentar 7. Dezember
Trump trampelt

Kommentare