Merkel lässt Erdogan ins Leere laufen

Maximilian Heim: Der nächste Nazi-Vergleich; Politik 8. März, Türkische Hetzreden unterbinden; Leserbriefe 6. März Zum deutsch-türkischen Verhältnis; Leserbriefe 8. März, Georg Anastasiadis: Schlau in Berlin; Kommentar 7. März

Einem Auftrittsverbot von Herrn Erdogan kann sich unsere Kanzlerin nicht anschließen und hat Recht damit, und es wäre die dümmste Reaktion auf den Nazi-Vergleich des Herrn Erdogan. Herr Erdogan ist ein Despot und wie alle Despoten der Welt, unberechenbar und gefährlich, wie also reagieren? Gott sei Dank reagiert unsere Kanzlerin ganz Staatsfrau und damit laufen solche Charaktere ins Leere. Despoten inszenieren ihre Unwahrheiten, Machtgier immer durch beständige Provokationen und irgendwann verlieren sie an Glaubwürdigkeit. Unsere rot-grüne Fraktion, allen voran unser EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen, der die Entwicklung in der Türkei Europa anlasten möchte, darf mal in sich kehren und nachdenken. Wichtig ist für mich, dass Europa mit aller Kraft die eigenen Werte der Rechtsstaatlichkeit, und dazu gehören die Meinungsfreiheit, Trennung von Staat und Religion, hochhält. Diese Haltung hat Europa zu einer humanen Gesellschaft verholfen. Ich erkenne diese Haltung in der Türkei nicht, und damit kann dieses Land nicht Mitglied dieser Wertegemeinschaft werden. Die Türkei ist auf dem Weg, eine national-religiöse Diktatur zu installieren, und dann ist es auch Sache der türkischen Bevölkerung dem zuzustimmen oder nicht.

 Inge Glas Seeshaupt

Erdogans Haltung ist für einen Staatspräsidenten unwürdig. Er ist ungerecht und machtbesessen wie einst Hitler, und dieser hat uns unweigerlich in den Abgrund geführt. Es wäre schade für das türkische Volk. Wollt Ihr das? 

Edeltraud Echter Böbing

Es ist der pure Wahnsinn, was sich „diese Türken“ erlauben. Ich habe noch von keinem Staat gehört, der in einem fremden Land Wahlkampf betreibt. Und unsere freie Demokratie als Naziregime zu bezeichnen ist der Gipfel der Unverschämtheit schlechthin. Die Türken mit doppelter Staatsangehörigkeit müssen eine davon abgeben. Und ehe sich die Regierenden aus der Türkei nicht öffentlich bei uns Deutschen entschuldigen, sollte ohnehin jede Gesprächsbereitschaft auf Eis gelegt werden. Staatsführende Despoten, Egomanen, Erpresser und Diktatoren hat die Welt schon viel zu viele. 

Margot Riedel Penzberg

Jetzt haben wir, was wir nie wollten: eine türkische Parallelgesellschaft in Deutschland. Deutschtürken – mit Doppelpass, teils seit Jahrzehnten im Land und wohl situiert – betonen, dass ihre Heimat nach wie vor nur die Türkei sei, und sie sich nur in Deutschland aufhalten müssen. Türkische Regierungsmitglieder machen türkischen Wahlkampf bei uns und wenden sich dabei offen gegen Werte, die uns und unseren türkischen Freunden im Land durch unsere Verfassung garantiert werden. Dabei sind sie begleitet von Hasstiraden gegen Deutschland aus allerhöchster Ebene. Wenn ich mich öffentlich über den türkischen Staat und seine Vertreter ebenso äußern würde, müsste ich fürchten, bei einer Einreise in die Türkei als Staatsfeind verhaftet zu werden. 

Franz Lergenmüller Tutzing

Völlig zu Recht hat Herr Egon Weiß in seinem Leserbrief den religiös-ideologischen Charakter der Probleme und Auseinandersetzungen herausgestellt, die derzeit unser Land und weite Teile Europas erschüttern. Dass dies in den Medien und sonstiger Öffentlichkeit so überraschend selten geschickt, liegt wohl daran, dass diese Erkenntnis schon durch Begriffe wie Gotteskrieger, Islamischer Staat u.v.a.m., die allgegenwärtig sind, uns allen bereits so sehr zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dass sie keiner Erwähnung mehr bedarf. Erfahrungsgemäß waren in der Geschichte der Menschheit (Bürger-)Kriege auf religiöser oder konfessioneller Grundlage von besonderer Hartnäckigkeit und Grausamkeit geprägt, erstrebten die Teilnehmer mit jenseitiger Belohnung doch ein zusätzliches und für sie weit wertvolleres Kampfziel als die irdischen politischen oder wirtschaftlichen Siegesfolgen wie Machtgewinn, Landerwerb, Reichtum und dergleichen. Eine Gesellschaft, die keinen Glauben hat oder Religiosität nur lau, oberflächlich oder aus Traditionsgründen lebt, kann naturgemäß keinen Glaubenskampf führen, geschweige denn, einen solchen bestehen und überdauern. 

Jürgen Bayer Weilheim

Meinem Brief voranstellen möchte ich, dass ich weder zu den Sympathisanten Erdogans gehöre und als Staatsbürger mit deutscher Nationalität mir weniger Sorgen um die Türkei im speziellen mache, sondern eher erschrocken bin über eine Erosion unseres Rechtsstaates hier in der Bundesrepublik. Die momentane mediale Auseinandersetzung mit der politischen Führung in der Türkei ist daher eher Symptom unserer eigenen Schwächen. Wie so oft, wenn man mit einem Finger auf andere zeigt, weisen drei Finger auf einen selbst zurück. In einem Rechtsstaat sollte es keinerlei Diskussion geben, wenn Leute gleich ob deutscher Nationalität oder nicht eine Halle, ein Hotel oder sonst einen Raum anmieten, um dort eine Veranstaltung abzuhalten. Dass es sich dabei um türkische Parlamentarier oder Minister handelt, spielt keinerlei Rolle. Erstaunlicherweise glauben jedoch einige hiesige Politiker sowie Bürgermeister, Medienvertreter etc. aus der eigenen Frontstellung zum politischen System in einem anderen Staat heraus Verbote oder Stellungnahmen aussprechen zu müssen, die weder rechtlich haltbar sind noch im Ton vertretbar. Auch eine völlig überzogene Reaktion des türkischen Präsidenten ist nicht als Rechtfertigung zu sehen. 

Josef Steer München 

Einige Leserbriefschreiber wie Otto Böhm oder Dr. Wolfram Selig haben es treffend beschrieben. Man könnte fast meinen, alles wiederholt sich, nur in einem anderen Land. Ich frage mich, welchen Beitrag kann jeder Einzelne von uns leisten, um das angestrebte Präsidialsystem, bzw. den Machtausbau des Herrn Erdogan nicht noch weiter zu unterstützen. Wir könnten zumindest die Türkei konsequent aus unseren Urlaubsplänen streichen. Vielleicht würde dann ein Herr Erdogan die „Nazis“ früher oder später ein wenig vermissen. Das Gespräch auf politischer Ebene weiter zu suchen, ist trotz aller unterschiedlicher Vorstellung von Demokratie wohl unvermeidbar, um nicht weiter, wie Georg Anastasiadis es formuliert, Öl ins Feuer zu gießen. 

Elisabeth Brandlmeier Ebersberg

Viele Leserbriefe zeigen deutlich auf, worum es dem Diktator vom Bosporus geht und wie dieser Aufstieg dem Adolf Hitlers ähnelt und wohl in die Katastrophe führen wird. Andererseits schreibt Bernd Hunck, dass „Deutschland aber stark genug ist, die Auftritte türkischer Politiker auszuhalten“ – eine Meinung, die auch andere Personen teilen. Weshalb ist dieses starke Deutschland dann nicht in der Lage, die Meinung der Menschen, die die AfD wählen, auszuhalten? Gegen diese Partei wird vielerorts demonstriert und das findet man in Ordnung, obwohl die AfD eine Partei ist, die rechtmäßig von deutschen Staatsbürgern gewählt wird. Sollte nicht endlich auch hier die Meinungsfreiheit hochgehalten werden, auch wenn die Meinung uns nicht gefällt? Ich bin übrigens kein AfD-Mitglied, aber für eine tatsächliche und gelebte freie Meinungsäußerung in Deutschland. Der türkische Diktator hingegen soll von Türken gewählt werden, die hier in unserem Lande die Freiheit genießen, die in der Türkei nun gänzlich abgeschafft werden soll. 

Andrea von Beaulieu Marconnay Petershausen

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