Türkische Hetzreden unterbinden

Michael Fischer und Mike Schier: Türkei-Krise: „Deutschland ist verrückt geworden“; Politik 4./5. März, Mike Schier: Türkischer Wahlkampf in Deutschland: Unerträglich; Kommentar 3. März

Was sich momentan an irritierenden und besorgniserregenden Absonderlichkeiten in der Türkei abspielt und was in den Köpfen einiger türkischer Politiker wie auch in Deutschland lebender Türken abläuft, das lässt sich rein rational nicht mehr fassen. Am ehesten kann man dieses Phänomen vor dem Hintergrund einer Aussage begreifen, die eine junge Frau nach dem Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim am 18. Februar in Oberhausen begeistert in das Mikrofon eines Fernsehjournalisten jubelte: „Wir haben Allah, wir haben Mohammed, wir haben Erdogan.“ Damit ist die gesamte Bewegung qualifiziert und erklärt. Sie ist nicht vornehmlich politisch motiviert, sondern religiös! Und gegen diese religiös-ideologische Ausrichtung ist jedes Vernunftargument machtlos. Im Gegenteil: Jede erfühlte Ablehnung wird die Menschen in den Reihen dieser messianischen Bewegung im Innern noch fester zusammenschweißen.

Also sollte die Bundesrepublik Deutschland diese Bewegung mit aufgeklärter Gelassenheit, demokratischer Gesinnung und echter Toleranz gewähren lassen, solange sie nicht kriminell wird. Die Türken müssen selbst die Erfahrung machen dürfen, dass Erdogan kein Messias, kein Erlöser und kein Gott ist, sondern ein irdischer Götze, der zwar den Himmel auf Erden verspricht, aber wie so viele Götzen vor ihm am Ende nur die Hölle schafft. Dann werden auch die Türken in Deutschland erkennen, dass „Einigkeit und Recht und Freiheit“ und GG Art.1 Abs. 1 „Die Würde des Menschen ins unantastbar…“ Inhalte einer mit großem Abstand besseren Alternative sind.

Egon Weiß
Fraunberg

In Gaggenau hat man einem türkischen Minister die Gelegenheit entzogen, Propaganda zu machen. Seitdem ist die Diskussion um die Meinungsfreiheit in Deutschland erst richtig entbrannt. Mike Schier versteigt sich sogar zu dem Satz „Mit dem Inhalt des Vortrags wäre ein Verbot auch schwer zu rechtfertigen.“ Dabei geht es einzig und allein um den Inhalt des Vortrags. Nach den Reden Erdogans und seiner Minister, die sie sich in Deutschland erlaubt haben, kennen Millionen Deutsche den Inhalt des Vortrags ohne ihn gelesen zu haben. Was in Gaggenau geschah, lässt viele aufatmen. Zum ersten Mal dürfen sie erleben, dass die Hetzreden türkischer Politiker gegen unsere abendländische Gesellschaft und demokratische Ordnung unterbunden werden.

Viele haben noch Erdogans Aufwiegelung der bei uns lebenden Türken im Ohr, als er sie als Soldaten, ihre Minarette als Speerspitzen und die Moscheen als Helme bezeichnete im Kampf gegen uns. Mit Meinungsfreiheit hat das nichts zu tun und was in Gaggenau geschah, war umsichtig genug, um zu verhindern, dass bei uns lebende Erdogan-Unterstützer und Erdogan-Gegner aufeinander losgehen.

Jürgen Griessing
Baldham

Die Ironie in der Überschrift „Deutschland ist verrückt geworden“ ist gelungen. Als Deutscher fragt man sich aber nicht nur, was die Wahlkampfreisen türkischer Minister in unserem Land sollen, sondern warum dauerhaft in Deutschland lebende Türken scheinbar weder unseren Staat, noch unsere rechtsstaatlichen und demokratischen Prinzipien, geschweige denn anscheinend die deutsche Regierung als die ihrige ansehen, sondern den selbsternannten Sultan vom Bosporus als ihr Staatsoberhaupt betrachten. Die Geschichte lehrt eines: Führer, Kalifen, Despoten und Tyrannen verschwinden, enden meistens sogar tragisch.

Michael Forster
Gmund am Tegernsee

Immer wenn ich die Hiobsmeldungen über die Türkei und Erdogan lese, stößt dies bei mir auf Unverständnis. Wieso sollen türkische Politiker in Deutschland ihren Wahlkampf austragen? Wenn sich die in Deutschland lebenden Türken an dem Referendum für Erdogans Präsidialsystem beteiligen möchten, sollten sie in die Türkei fliegen und dort ihre Stimme abgeben. Für die Türkei wäre es wirtschaftlich gesehen ein kurzfristiger Aufschwung. Die Fluglinien, Hotels, Restaurants usw. würden dabei verdienen. Man stelle sich vor, ca. 1,4 Mio. Türken fliegen in die Türkei, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Elisabeth Findeisen
Fürstenfeldbruck

Sehr mutige Entscheidung vom parteilosen Bürgermeister von Gaggenau.

Leider ist die Merkel-Regierung wegen des Flüchtlingsabkommens erpressbar und Deutschland lässt sich weiter von Erdogan vorführen. Wir sollten uns ein Beispiel am „kleinen“ Österreich nehmen, die selbstbewusst den Auftritt türkischer Politiker in Sachen Wahlkampf für die AKP verboten haben. Ein Witz ist, dass nun der türkische Außenminister mit „Konsequenzen für Deutschland“ droht. Es wird spannend, wie lange wir diesen Erpressungen stand halten.

Heinz Steinmann
München

Ein Event in Gaggenau wird, anders als angemeldet, kurzfristig zu einer Wahlveranstaltung für den Despoten Erdogan. Sicherheitsbedenken brachten die Stadt Gaggenau unter diesen Umständen zu einer Absage. Dies muss man mutig nennen, obwohl selbstverständlich. Die Veranstalter und Anhänger sind in der Ehre tief getroffen, geben sich reflexartig vielleicht gar als Opfer von Ausländerfeindlichkeit. Dann eine Bombendrohung an das Rathaus von Gaggenau. Schlimm genug, dass Deutschland vielerorts Plattformen für Veranstaltungen und Demonstrationen für solch ausländische Politik gewährt. So scheint es deutlich, dass gewisse Gruppen eine Integration nicht wollen, aber sich hier tummeln und die Vorzüge nutzen. Valium-Merkel taktiert weiterhin aussitzend. Für wen steht sie? Mutiges Gaggenau.

Kai Kanstein
Kassel

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