Ukraine-Konflikt bringt Unheil

Werner Menner: „Gorbatschow warnt vor Krieg in Europa: Verneigung verweigert“; Kommentar 12. Januar

Sehr geehrter Herr Menner, eigentlich sollte auch Ihnen als Journalist nicht entgangen sein, dass die Menschen auf der Krim und in Teilen der Ost-Ukraine sich in den dort durchgeführten Wahlen mit großer Mehrheit für einen Anschluss an Russland entschieden haben. Dies ist auch kein Wunder: Normalerweise haben halt Russen nun einmal – wenn sie nicht durch falsche Versprechungen verführt werden! – das Bedürfnis, zu dem Land, dessen Sprache sie sprechen (also eben Russland), dazuzugehören. Warum wollen wir dies nicht respektieren? Die Menschen in der ehemaligen DDR, die zur Bundesrepublik gehören wollten, haben diesen Wunsch ja auch, nicht zuletzt durch das Stillhalten Russlands beim Fall der Mauer 1989, erfüllt bekommen! Was die vom Westen gegen Russland verhängten Sanktionen betrifft, so erscheint es – sicher nicht nur mir! – sehr fraglich, ob diese ein geeignetes Mittel sind, zu einer Befriedung beizutragen; unter ihnen hat im Übrigen in erster Linie das russische Volk zu leiden (das schon im Zweiten Weltkrieg von uns Deutschen wahrhaftig genug zu erdulden hatte und deshalb jetzt gerade von uns etwas anderes verdient hätte!). Was bildet sich Deutschland bzw. Europa auch eigentlich ein, wenn man glaubt, eine immerhin Noch-Weltmacht wie Russland unbedingt in die Knie zwingen zu müssen? Offensichtlich ist das Überheblichkeitsvirus noch immer am leben! Auch sollte man daran denken, dass bei einem eventuellen Sturz Putins ein wesentlich unangenehmerer Typ an die Macht gelangen könnte. Schließlich und endlich gehört Russland – zumindest bis zum Ural – auch zu Europa und ist – im Gegensatz zu den USA – unser nächster Nachbar, so dass allein schon die Klugheit gebietet, mit ihm ein gutes Verhältnis anzustreben. Eines Tages werden wir vielleicht auch wieder froh sein, zu seinen Bodenschätzen, insbesondere Erdöl und Gas, greifen zu können. Die USA und die Nato haben in den vergangenen Jahren durch ihr unvernünftiges und teils auch rechtswidriges kriegerisches Eingreifen unsäglich viel und unnötiges Leid in den Ländern des Nahen Ostens verursacht; sie sollten sich deshalb wirklich nicht auch noch einseitig in den Ukraine-Konflikt einmischen und so ein neues Unheil heraufbeschwören! Marlies Wittmann Weilheim

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