Kritik an Ursula von der Leyen

Georg Anastasiadis: Bildersturm; Kommentar, Zwischen Tradition und Hexenjagd; Politik 17. Mai, Hans-Peter Uhl: Von der Leyens Unwerturteil; Gastbeitrag Politik 16. Mai

Da saust die Verteidigungsministerin wie eine Furie durch die Kasernen und lässt alles, was nach NS-Vergangenheit aussieht, verschwinden. Selbst Namen von hohen Stabsoffizieren, die durch ihre menschliche und dienstliche Einstellung zum Selbstmord getrieben wurden, sollen verschwinden. Wie wäre es denn: Jeder Angehörige der Bundeswehr, ob Soldat oder Offizier, hat einen Vorgesetzten, vielleicht sollte man da schon mal anfangen. Wie heißt es so schön: Man muss das Übel an der Wurzel fassen. Man sollte die Pauschalverurteilung der Soldaten, nur weil einige Stinker dabei sind, nicht zulassen.
Werner Kolb Eichenau

Es wäre für die Ausübung des Verteidigungsministeramtes eine Grundvoraussetzung, den Wehrdienst abgeleistet zu haben. Wenn ich mir nicht von der Pike auf Wissen angeeignet habe, kann ich nicht mitreden, geschweige denn, Anordnungen treffen. Warum ist es für den Arztberuf Pflicht, ein Krankenpflegepraktikum absolviert zu haben? Was für’s gemeine Volk gilt, gilt für hohe Politiker nicht. Da liest man sich vor Amtsantritt etwas in den Stoff ein, man hat seinen Beraterstab, und das muss reichen. Für mich war die Aktion in puncto Wehrmacht eine große Fehlentscheidung von Frau von der Leyen. 

Dr. Aglaia Gietl Karlsfeld

Als traditionelle liberale Wählerin fühle ich mich in der von der Leyen/Wehrmacht/Bundeswehr-Debatte inhaltlich auch von einem CSU-Bundestagsabgeordneten namens Hans-Peter Uhl gut vertreten. Es war nämlich der erste Bundespräsident der Bundesrepublik, Professor Theodor Heuss (FDP), der in den Fünfzigerjahren den damaligen FDP-Politiker Erich Mende aufforderte, auf einem Staatsempfang das im Zweiten Weltkrieg erworbene Ritterkreuz anzulegen. An eine damalige Spiegel-Titelgeschichte kann ich mich gut erinnern und vor Kurzem wurde ich beim Lesen der Heuss-Biografie von Peter Merseburg daran erinnert. Danach begründete Heuss seine Bitte mit dem Satz: „Soldatische Tapferkeit wird nicht durch das politische System geschmälert, unter dem sie erbracht wurde.“ Den zweiten liberalen Bezug in dem Gastbeitrag Uhls sehe ich in der Verteidigung von Persönlichkeitsrechten. Sowohl aus moralischer als auch rechtlicher Sicht gibt es auch Persönlichkeitsrechte Toter. Das totale Unwerturteil der Verteidigungsministerin über die toten deutschen Soldaten des Zweiten Weltkrieges überzieht diese mit dem Stigma der Erinnerungsunwürdigkeit und ist in dieser pauschalen Bewertung eine schwere, unentschuldbare Persönlichkeitsverletzung. Gerade Liberale muss dies entsetzen. 

Johanna Brunner München

Nicht alle Soldaten der Wehrmacht waren Verbrecher. Nein, sehr viele von ihnen sind gütige Menschen gewesen, die die zweite Emigration aus Russland im Winter 1943 gerettet haben! Diese Tatsache ist „im Westen“ kaum bekannt! Auch die „Erste Emigration“, die Flucht aus Russland nach der Sieg der Bolschewiken ,ist „im Westen“ kaum bekannt. „Die Dritte und Vierte Emigration“: Nämlich die Deutschen und die Juden durften aus Russland nach Deutschland umziehen. Gewiss, ein Grund für das Fehlen von Information über der mithilfe der Wehrmachtssoldaten geflohenen Russen, liegt darin, dass viele nach dem Ende des Krieges ausgewandert sind. Die aber hiergebliebenen russischen Flüchtlinge befürchteten als „faschistische Mitläufer“ abgestempelt zu werden, (z. B. wurde gegen meinen Vater, einen Archäologen, längst nach seinem Tode eine wütende Pressekampagne in der Heimat geführt, die ich aber durch Richtigstellung besiegen konnte.) Doch zurück zur Wehrmacht: In der Nacht zum am 29. Januar 1943 wurden auf einem Parkplatz in Rostow am Don Wehrmachtslastwagen zu einer Kolonne aufgestellt. Um sie herum tobten verzweifelte Menschen, die versuchten, in die Lastwagen zu klettern. Soldaten riefen: „Zurück, wir nehmen alle mit!“, aber das Gedränge war schlimm. Meine Großmutter und mich drückten die Soldaten in einen bereits überfüllten Lastwagen, meine Eltern fanden nur noch auf einem offenen Anhänger Platz. So fuhren wir „nach Westen“ Richtung Dnjepropetrowsk. Unsere Flucht hat zwei Jahre gedauert, bis sie in Göttingen endete, wo später 10 km weiter die Grenze zur Ostzone verlief. 

Oxana Antic München

In der Todesanzeige meines Vaters stand - neben seinem zivilen Beruf - „Teilnehmer beider Weltkriege, Inhaber des EK 1 und 2“. Das war im Jahre 1973. Damals konnte man so etwas noch sagen und schreiben. Das war eine Ehrbezeugung dem Verstorbenen gegenüber, eine Verneigung vor dem Schwerkriegsbeschädigten. Mein Bruder, als 15-Jähriger im Osten zur Heimatflak eingezogen, wurde im Jahr darauf gegen die vorwärtsdrängende Sowjetarmee eingesetzt. Beide haben, mein Bruder noch Kind, an der Front, wohin sie das Vaterland rief - sie haben sich nicht danach gedrängt - wie im zivilen Leben ihren Mann gestanden, aufrecht, ehrlich, untadelig. Heute werden sie zusammen mit Millionen ehemaliger Leidensgenossen als Kriegsverbrecher gebrandmarkt, selbst Altkanzler Helmut Schmidt bleibt vom Säuberungswahn einer eklatant überforderten Ministerin nicht verschont. Die gesamte Bundeswehr ist auf ihr Geheiß hin gefordert, jeden Winkel in den Kasernen zu durchforsten, in Schubladen, Schränken, Nischen, auf Bildern an den Wänden, auf Dachböden nach versteckten Requisiten zu fahnden, die Hinweis auf die ehemalige Wehrmacht geben könnten, diese Verbrecherorganisation, die mit Stumpf und Stiel aus dem Bewusstsein der Deutschen getilgt werden muss. Kasernen mit Namen ehemaliger Wehrmachtsoffiziere sind umzubenennen. Hat die hysterisch anmutende Oberkommandierende wohl nicht bedacht, dass die Anfänge der Bundeswehr auf den Einsatz ehemaliger Wehrmachtsangehöriger zurückgehen? Auf Offiziere wie die Generäle Heusinger, Gehlen? Sie haben den Weg gewiesen, den die frisch gegründete Bundeswehr zu gehen hatte, haben die künftige Ausrichtung markiert. Jeder Mensch, jedes Volk fußt auf seiner Vergangenheit. Man kann sie nicht einfach mit einem Ministererlass wegwischen. 

Michael Gerke Farchant

Im besagten Artikel - Debatte um Wehrmacht und Bundeswehr - die auszuufern im Begriff scheint, kommen zwei bewährte Bundestagsabgeordnete benannt vor - die bedauerlich, ob ihres vorgerückten Alters nicht mehr in die Arena steigen - die Herrn Singhammer und Hans-Peter Uhl - vormaliger Kreisverwaltungsreferent in München – die in die Von der Leyn-Debatte Sonderausschüsse et. Stellung nahmen. Beiden aus München stammenden Bundesabgeordneten darf hier einmal gedankt werden. Herr Uhr geht uns in München schon lange ab! Eine mir zu gestattende Frage sei erlaubt. Was wohl täte Helmut Schmidt zu der Abhängeaktion seines Bildes sagen. Ich meine er würde sagen: „Dümmer geht nicht!“ Ich selbst sage - abseits des Geschichtsbewusstseins! Ich musste 1958 in einer renommierten Kunstgießerei, die gibt es nicht mehr, die dort zum Abguss gehabten Gipsmodelle von Hitler- und Göring-Büsten mit dem Vorschlagshammer zerschlagen. Zehn Jahre vorher hatten wir beim Betreten der Klasse in der Volksschule noch das hartklingend „Heil Hitler“ in den Raum geplärrt! Die Geschichte wird mir Verbrennungen, abbrechen usw. nicht rückgängig gemacht - noch ausgelöscht. Was aus ihr Lernen? Das fragte ich mich schon immer - eigentlich nichts - so meine Auffassung. Ich wiederhole: Was um alles in die Welt bewog Ursula von der Leyen, überhaupt in das Verteidigungsministerium zu geben? Wann aber räumt sie selbst den Schießstand? 

Hannes Heindl Freising

Mein Vater Geburtsjahr 1908 aufgewachsen in Niederbayern in ärmlichsten Verhältnissen als ältester Sohn von 10 Kindern. Schulbildung 5 Jahre. Berufsausbildung (Wunschberuf Zimmerer) keine, da sich Eltern das Lehrgeld nicht leisten konnten. Damals musste man noch für eine Berufsausbildung an den Lehrbetrieb ein Entgelt zahlen. Der berufliche Werdegang war damit als Stallknecht u. Holzknecht vorgezeichnet. 1933 heiratete mein Vater meine Mutter! Mit der er insgesamt 8 Kinder in den Jahren 1933 -1943 Kinder hatte. Meine jüngere Schwester und ich sind sogenannte Nachkriegs Generationen. Mein Vater ging damals nicht freiwillig zur Wehrmacht, er musste, ansonsten hätte es Repressalien gegeben. Laufbahn in der Wehrmacht: 1939-1945 Frankreich Feldzug, Polen, Russland Mai 1945 Gefangenschaft in Russland mit anschließender 4 Jahre Gefangenschaft in einem russischen Lager. Was ich damit ausdrücken will, solch einen ähnlichen Lebenslauf meines Vaters gab es zur damaligen Zeit zu Millionen in Deutschland. Mein Vater war aufgrund seiner Bildung mit Sicherheit nicht an der Planung und Durchführung von Angriffs und Vernichtungskrieg Völkermord und Massenmorden an Zivilisten beteiligt. Es waren doch die vielen Offiziere und Generäle (also die sogenannten gebildeten und Studierten) die gemeinsam mit der Schreckensherrschaft (Hitler/NSDAP/SS) an der Planung beteiligt waren. Nicht der einfache Soldat. ( (Landser) Ich stelle damit die damaligen gebildeten und Studierten nicht unter Generalverdacht. Es gab viele, die im Untergrund gegen die Schreckensherrschaft im zivilen Bereich zb. (Weiße Rose) gearbeitet haben Erst später bildete sich bei einigen Offiziere und Generäle vereinzelt der Widerstand gegen die Schreckensherrschaft. Der einfache Soldat (Kanonenfutter) mussten den Kopf für die Schreckensherrschaft hinhalten und damit auch Leid und Elend bei den überfallenen Völkern mit verursachen. Mein Vater erzählte mir, es gab Offiziere die zwangen uns zu den schlimmsten dingen. Und wen wir uns weigerten erschossen sie einfach einzelne Soldaten. Aber wir hatten doch zu Hause unsere Frauen und Kinder, was geschieht mit denen, wir nicht heimkommen! Also kämpften wir. Wir hatten nur eine Wahl entweder vorne im Kampf gegen den Feind oder von den Offizieren oder der SS standrechtlich (ohne richterliche Verhandlung) erschossen werden!! Viele dieser einfachen Soldaten die nach Kriegsende oder die grausamen Kriegsgefangenenlager überstanden haben, und das Glück mit einigermaßen heilen Gliedern (von den seelischen wunden gar nicht zu reden) nach Hause zu kommen, haben übrigens das Nachkriegswunder Deutschland geschaffen. Und nun kommt die sogenannte Deutsche Bildungsschicht teilweise aus der Politik und zieht Pauschal die einfachen Menschen(Soldat) der damaligen Wehrmacht in den Schmutz. Es wäre doch interessant zu wissen, wie es wäre, wen eines Tages, solch ähnliches wieder geschehen würde, (was hoffentlich niemals wieder geschehen wird) wie dann sich diese Menschen verhalten!! Sind sie dann Mitläufer oder Verweigerer! 

Siegfried Schmidbauer Eichenau

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