Politische Brandbeschleunigung

Mike Schier: Trump zündelt mit, Straßenkämpfe in Charlottesville; Politik 14./15. August

Der tödliche Raser von Charlottesville begibt sich auf ein Niveau mit islamistischen Terroristen und verdient folglich Verachtung. Sonst darf man aber schon die Frage stellen, ob die von den Medien bediente Rollenverteilung zwischen „bösen“ rechten, rassistischen Demonstranten und „guten“ linken, antirassistischen Gegendemonstranten den Tatsachen entspricht. Dies scheint der amerikanische Präsident jedenfalls genau so zu sehen, weshalb er die Gewaltexzesse ganz allgemein verurteilt hat. Interessanterweise wird jedoch allenfalls am Rande darauf eingegangen, dass der Stadtratsbeschluss, die Statue des Konföderiertengenerals Robert E. Lee zu entfernen, ursächlich für die Auseinandersetzungen in Charlottesville war. Anstatt diese Form der Geschichtsklitterung als politische Brandbeschleunigung zu verurteilen, findet sie aber offensichtlich auch den Beifall Ihres Kommentators, der von „Denkmälern vermeintlicher Helden des Bürgerkrieges, allesamt Anhänger der Sklaverei“ spricht und damit - ungewollt? - das Klischee von den „guten“ Nordstaaten und den „bösen“, rassistischen Südstaaten bedient. Auf die Rolle der Sklaverei in Zusammenhang mit der Geschichte der USA einzugehen, ist hier nicht möglich, mit Bilderstürmerei wird man diesem komplexen Thema jedoch nicht gerecht werden können. Dass Rassismus nicht ausschließlich weiß ist, mögen zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit in Zusammenhang mit Denkmälern verdeutlichen: Dem britischen Kolonialpolitiker und Premierminister der Kapkolonie Cecil Rhodes wurde in den 1930er Jahren auf dem Gelände der Universität Kapstadt ein Denkmal errichtet, weil er sich durch die Schenkung von Grundstücken um die Universität verdient gemacht hatte. Es wurde vor zwei Jahren auf Druck vermeintlich antirassistischer Gruppen, die nicht der weißen Bevölkerung Südafrikas zuzurechnen sind, von seinem Standort entfernt - nachdem man es mit Fäkalien beschmiert hatte. Und das unter dem Namen „Reiter von Windhuk“ bekannteste Denkmal Namibias wurde vor wenigen Jahren in den Hinterhof eines Museums verbannt und im Rahmen der Umsetzung auch noch beschädigt. Internationale Kritik gab es in beiden Fällen nicht. Man stelle sich aber umgekehrt vor, man würde ein Denkmal für Martin Luther King oder Nelson Mandela entfernen - der Teufel wäre los. Wie gut, dass es in Charlottesville nur um das Denkmal eines „bösen“ Südstaatengererals geht!

 Markus Frauenreuther München

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