Arm und reich

Nicht nur in London, auch in Deutschland ist schon seit Jahren bekannt, dass die Schere zwischen Arm und Reich, weit auseinandergeht.

Ich bin nur gespannt, wann es auch unsere Politiker begreifen.

Edeltraud Echter Böbing

Es liegt nicht an den sicherlich mehr als ärgerlichen Steuerschlupflöchern der Reichen, dass diese immer reicher und die Armen immer mehr und ärmer werden. Es ist der Effekt von Zins und Zinseszins, der das gesamte Vermögen auf diesem Planeten in nur eine Richtung befördert – nämlich nach oben, zu den paar Großbankiers, welche den weltweiten Finanzmarkt kontrollieren. Fast alles, vom Hausbau über Autokauf, ja sogar Fernseher und Urlaube, wird heutzutage auf Pump besorgt. Das bedeutet: Wenn ich einen Kredit aufnehme, wird mir auf mein Konto virtuelles Geld gutgeschrieben, welches ich aber mit dem reellen, mit meiner Hände Arbeit verdienten Geld auf Heller und Pfennig zurückzahlen muss, einschließlich Zinsen. Dieses Geld arbeitet dann für die Bank und ist dem realen Wirtschaftskreislauf entzogen. Das schlimmste, was den Großbanken passieren könnte, wäre eine umlaufgesicherte Geldwirtschaft und Verbraucher, die nur das Geld ausgeben, das sie auch wirklich auf dem Konto haben.

Georg Berwanger Großpienzenau

Vor zirka 3000 Jahren tanzten die Menschen am Fuße des Berges Sinai angeblich um das Goldene Kalb. Sinnbild, auch noch heute für Reichtum und Macht, aber auch für den ethischen und moralischen Verfall einer Gesellschaft. Und heute? Es hat sich nicht viel geändert, nur die Götzenbilder von heute sind andere, die da heißen: Ein unkontrollierter, entfesselter Kapitalismus, der die Politik in weiten Bereichen abgelöst hat, man nennt solches Versagen auch die Liberalisierung der Märkte. Hinzu kommt die als Allheilmittel angesehene Globalisierung der Wirtschaft, welche dazu geführt hat, dass immer mehr Menschen überflüssig werden, ja nur noch als Kostenfaktor wahrgenommen werden, welche den Profit schmälern und die Gewinnmaximierung stören. Ein solches System ist falsch, ausbeuterisch und menschenverachtend und muss geändert werden. Wenn ich lese, dass 1 % der reichsten Weltbevölkerung über 50 % des weltweiten Vermögens besitzt, dann sind das keine Risse mehr (die könnte man zur Not verspachteln), sondern extreme soziale Verwerfungen, die die Gesellschaften weltweit destabilisieren und spalten werden. Das ist sozialer Sprengstoff der sich da gefährlich anhäuft. Dass die Politik in dieser brenzligen Situation nur ein „Rauchverbot“ verhängen will, in dem sie immer wieder versichert, die Steuerschlupflöcher der Großkonzerne stopfen zu wollen, kommt dem Pfeifen im dunklen Wald gleich. Das Einzige, was anscheinend real gestopft wird, sind die Taschen der sogenannten Reichen und Superreichen. Die Kritik an dieser bedauernswerten Entwicklung als Neiddebatte abzutun, empfinde ich persönlich als abgehoben und lächerlich.

Horst Bergmann Oberhaching

Manuela Dollinger: „Riss in der Gesellschaft“; Kommentar, „Die Explosion der Ungleichheit“; Wirtschaft 20. Januar

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