Von Österreichs Rentensystem lernen

Von Österreichs Rentensystem lernen

Sebastian Horsch:Renten-ParadiesÖsterreich?; Politik

In diesem Bericht wurden einige Fakten – zugunsten Österreichs – nicht erwähnt. Erstens: Das Renteneintrittsalter für Frauen ist wesentlich niedriger als das in Deutschland. Bis zum 31. Dezember 1963 geborene Frauen gehen in Österreich gesetzlich noch mit dem 60. Geburtstag in „Pension“. Danach wird das Alter schrittweise angehoben – allerdings auch nur auf 65 Jahre mit Geburtsjahr 1968. (Deutschland: schrittweise Anhebung auf 67 Jahre mit Geburtsjahr 1964, für Frauen und Männer gleich.) Renteneintrittsalter für Männer in Österreich ist und bleibt unverändert 65 Jahre.

Zweitens: Richtig, es gibt in Österreich keine Pflegeversicherung. Dies ist allerdings kein Nachteil, sondern ein Vorteil für die Österreicher, denn sie bezahlen keine Beiträge, beziehen aber selbstverständlich im Pflegefall die gleichen oder sogar noch bessere Leistungen als ihre deutschen Nachbarn. Es gibt schon seit Jahren sieben Pflegestufen (in Deutschland wurde erst kürzlich auf nur fünf Pflegegrade erweitert), die Leistungen sind in Österreich wesentlich transparenter und die Auszahlungen im Vergleichsfall eindeutig höher. Außerdem gibt es, zumindest in Wien, ab Pflegestufe 3 eine zusätzliche monatliche Unterstützung vom Sozialministerium über € 550 Euro (zusätzlich zum Pflegegeld!), wenn eine angemeldete 24-Stunden-Pflegerin eingestellt wird (dies wurde eingeführt, um die Schwarzarbeit in diesem Bereich einzudämmen).

Und zu guter Letzt: Ende 2016 wurde festgestellt, dass ein Überschuss in den Rentenkassen besteht. Daraufhin wurde beschlossen, dass jeder Rentner und jede Rentnerin eine Einmalzahlung über 100 Euro erhalten soll. Dieser Betrag wurde dann im Januar 2017 zusammen mit der üblichen Rente ausbezahlt.

Auf weitere Einzelheiten wie die Abschaffung des Pflegeregresses in Österreich, die jetzt beschlossen wurde (kein Zugriff des Staats auf Eigentum im Pflegefall), will ich gar nicht erst eingehen. Fakt ist, dass die „Pensionisten“, wie sie in Österreich genannt werden, in ihrem Land eine ganz andere, wesentlich höhere Wertschätzung genießen als ihre deutschen Nachbarn.

Beatrix Otto
Geretsried

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