Ablenkungsmanöver

Hans-Peter Uhl: Von der Leyens Unwerturteil; Gastbeitrag Politik 16. Mai, Wehrmacht: Schmidt abgehängt; Politik 13./14. Mai

Wenn ein deutscher Oberleutnant als syrischer Asylbewerber anerkannt wird, kann man vermuten, dass sehr viele Bewerber einfach durchgewunken wurden. Von diesem Skandal soll die aufgebauschte Diskussion über die Bundeswehr ablenken. Dasselbe haben wir immer wieder, wenn es um Waffenbesitz geht. Einzelne Täter mit legalen Waffen werden besonders herausgestellt, um den zahlreichen illegalen Waffenbesitz nicht ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Es ist sicher schwer genug, Illegalität in beiden Fällen zu verhindern. Doch sollte der Staat nicht versuchen, sein Unvermögen zu kaschieren. Einzeltäter sollten nicht der Vorwand für eine pauschale Verurteilung ganzer Gruppen sein. 

Elisabeth Pichler Pähl

Vielen Dank an Hans-Peter Uhl, dass er sich so deutlich zur Bundeswehrdebatte äußert und auch Dank an den Münchner Merkur, der das druckt und dazu schreibt. Dass ein Verteidigungsminister sich so sehr von seinen Leuten distanziert, nur, weil er Angst um sein eigenes Wohl und Wehe hat, ist mir nicht erinnerlich. Das Abhängen eines Fotos von Helmut Schmidt in Soldatenuniform und das Umbenennen von Kasernen, auch, wenn die Generäle im Widerstand waren, zeigt die Absurdität des Vorgehens. Eine ganze Armee über einen Kamm zu scheren, ist unerhört. Dazu nur zwei Beispiele, die sicher viele Leser ergänzen könnten: Mein Schwiegervater ist mit 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen worden – da ist er nicht freiwillig hingegangen – bald in Russland gelandet und hat dort Schreckliches erlebt, das ihn bis zu seinem Tod begleitet hat. Damals gab es keinen psychologischen Beratungsdienst. Insofern bin ich froh, dass er tot ist und die neuerlichen Beschimpfungen von intellektuell insuffizienten Zeitgenossen nicht mehr miterleben muss. Der erste Mann meiner Mutter wurde kurz nach der Hochzeit in den Krieg geschickt, ist auch nach Russland gekommen und dort elendiglich verhungert. Sind das die Soldaten, auf die man herabschaut und mit denen man nichts zu tun haben möchte? Mir graust! 

Ursula Sabathil München

Es ist geradezu eine Schande, dass man unseren Vätern und Großvätern, die Ihren Kopf für Deutschland hingehalten haben, die letzte Ehre nehmen will. Die Soldaten, die man bei der Rente mit dem niedrigsten Satz abgespeist hat, die von gewissen Leuten, die Deutschland noch nie gedient haben, als Mörder bezeichnet werden. Kein Land der Welt zieht seine Soldaten so in den Schmutz wie Deutschland. Pfui Teufel! Dabei dienten in unserer Wehrmacht, die besten und tapfersten Soldaten der Welt. Das Wehrmachtsbild von Altkanzler Schmidt abzuhängen, ich sage nur, trauriges Vaterland. 

Horst Frank Mammendorf

Wer hat eigentlich ernsthaft überprüft, ob die Arbeitshypothesen von Frau Doktor von der Leyen über die Bundeswehr zutreffend und werthaltig sind? Bekanntermaßen war Frau von der Leyen in der Vergangenheit schon mehrfach bei der Festlegung der richtigen Schwerpunkte und der Wortwahl zutreffender Erklärungen gechallenged. Die Sache mit dem kriminellen Oberleutnant muss selbstverständlich untersucht werden, dabei mit fragwürdigen Vorwürfen die Bundeswehr unter Generalverdacht zu stellen, erscheint mir aber nicht sachgerecht und absurd überzogen zu sein. Es ist ja nicht nur die aktuelle Bundeswehr, die durch Frau von der Leyen mit Vorwürfen überzogen wird. Es sind ja auch die vielen Menschen, die in den vergangenen Jahrzehnten ihren Dienst taten und jetzt pauschal ins Unrecht gesetzt werden. Und für meinen verstorbenen Vater und Schwiegervater und meine drei Onkel möchte ich heftigst protestieren, sie waren als wehrpflichtige Soldaten bei der Wehrmacht und haben als solche kämpfen müssen, sie haben die Verunglimpfung durch die noch amtierende Verteidigungsministerin nicht verdient. 

Peter Schröder Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Es gibt auf der ganzen Welt keine saubere Armee im Kriegseinsatz, ergo kann auch die Wehrmacht keine saubere Armee gewesen sein. Während des Krieges von 1939 bis 1945 wurden circa 17,3 Millionen Deutsche zur Wehrmacht eingezogen, dazu kamen über 1 Million, die Mitglieder der Waffen-SS waren. Gefallen sind 5,2 Millionen deutsche Soldaten. Selbstverständlich ist eine Pauschalverurteilung der Soldaten der Wehrmacht nicht angebracht, denn die meisten Soldaten waren an den Verbrechen des II. Weltkrieges, wenn denn überhaupt, nur kraft Befehl beteiligt. Allerdings haben führende Offiziere der Wehrmacht sehr früh nach der Machtergreifung durch Hitler die Streitkräfte für die entsetzliche und menschenverachtende NS-Ideologie geöffnet. Die Soldaten wurden durch ein verbrecherisches Militärsystem, das eine Säule des Nationalsozialismus war und zu dem der überwiegend größte Teil der Wehrmachtsführung gehörte, fremdbestimmt und benutzt. Historisch unbestritten ist, dass die Wehrmacht maßgeblich beteiligt war an der Planung und Durchführung von Angriffs- und Vernichtungskriegen, Massenmorden an Zivilisten, an Ermordungen von Kriegsgefangenen, an Besatzungsverbrechen sowie der direkten und indirekten Teilnahme an Völkermorden, darunter dem Holocaust und dem Porajmos. Und deshalb ist es richtig, dass Soldaten selbst dann, wenn sie sich nichts zuschulden haben kommen lassen, zumindest Mitglieder einer verbrecherischen Armee – nämlich der Wehrmacht – waren. Das darf aber nicht darin hindern, das Andenken an die toten und überlebenden Soldaten in Ehren zu halten. Im Übrigen wurden über zehntausende Soldaten durch die Militärjustiz der Wehrmacht zum Tode verurteilt, weil sie an diesem verbrecherischen Krieg nicht teilnehmen wollten. 

Herbert Hartmann Oberhaching

Wie sieht die Erinnerung der Franzosen an die Soldaten der Grande Armee nach den verlorenen Kriegen aus, mit denen der größenwahnsinnige Napoleon ganz Europa heimgesucht hatte. Sie ehren sie bis heute, wie es gerade wieder im Zusammenhang mit der Amtseinführung des neuen Präsidenten am Arc de Triomphe zu sehen war. Und was machen unsere Politiker? Aus hysterischer Überkorrektheit verwandeln sie unser Land in ein Irrenhaus. Sie stempeln mehr als 70 Jahre nach Kriegsende die seinerzeit überlebenden Wehrmachtsangehörigen als totzuschweigende Verbrecher ab und nehmen denjenigen, die damals in gewollter oder ungewollter Pflichterfüllung ihr Leben verloren haben, nun auch noch zusätzlich ihre Ehre. Und die Führungskräfte unserer Bundeswehr sind keinen Deut besser. Wo bleibt das Rückgrat, sich – bei aller nicht zu leugnenden Problematik – vor die von ihren Feinden hoch anerkannten Soldaten der Wehrmacht und vor ihre gefallenen Kameraden zu stellen? Sie sollten sich an der Erklärung von Helmut Schmidt aus dem Jahr 1998 ein Beispiel nehmen, „dass wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen soldatischen Überlieferung ehrenhaft zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft haben, anerkennen“. Es gibt wie in jedem Land so auch bei uns dunkle Abschnitte in unserer Geschichte, von dem furchtbarsten Abschnitt ganz zu schweigen, für die es sich zu schämen gilt. Heute sind wir dabei, einen weiteren dunklen Abschnitt hinzuzufügen, in dem wir es zulassen, das Andenken an die Soldaten der Wehrmacht und das Andenken an die zahllosen gefallenen Väter und Söhne aus unserer Mitte zu schänden und für immer aus unserem Bewusstsein zu tilgen.

 Germut Bielitz Grainau

Ursula von der Leyen hat keine Ahnung von soldatischem Sein. Aber sie tut so, als ob sie das wüsste. Wer nie diente, schwadroniert Blödsinn. Links, zwo, drei vier, heißt es. Nie: Rechts, zwo, drei, vier. Das sollte sich die völlig überforderte Ministerin hinter die Ohren schreiben. Und Bilder abzuhängen macht wenig Sinn. Oder glaubt sie etwa, dass, wenn man ein Bild abgehängt hat, auch die Gesinnung verschwindet? Soldaten tun ihren Dienst an der Waffe. Das prägt den Menschen. Er muss schießen und wenn nötig auch töten. Um aus Soldaten Lämmer zu machen, sollte sie schleunigst den Rückzug aus den Krisengebieten befehlen, die nur, weil die Amerikaner das wollen, auch zu unseren gemacht wurden. Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt, sondern hier vor Ort. Wir brauchen keine politisch geführten Soldaten, die je nach Laune der Politiker ihre Köpfe in Gegenden zu Markte tragen, mit denen wir gar nichts zu schaffen haben. Solange aber Töten in Afrika und Afghanistan und wo auch immer angeordnet ist, bleibt die Situation so, wie sie ist. Es kann nicht sein, dass von der Leyen einerseits getötete deutsche Soldaten betrauert, ihnen aber andererseits verbietet, selbst für ihren seelischen Rückhalt in der Truppe zu sorgen. Um ein Soldatenleben führen zu können, bedarf es anderer Kräfte als die Einrichtung von Kindergärten und Kitas. 

Richard Birk Freising

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