Wer wird Bundeskanzler?

Mike Schier: Dobrindt verteidigt Söder; Titelseite 16. April, Christian Deutschländer und Mike Schier: Das Duell der schwarzen Häuptlinge; Im Blickpunkt 13. April

Alle Bundestagsabgeordneten sind die Stimme des Volkes, das sie gewählt hat. Dass diese auch gehört werden müssen, wenn es um eine so eminent wichtige Frage geht, wer als Kanzler Deutschland in den nächsten Jahren führt, müsste in einer Demokratie selbstverständlich sein. Nichts anderes wurde gemacht. Dass sich Markus Söder nicht damit zufriedengibt, dass ein Gremium von 20 Spitzenvertretern der CDU alleine bestimmt - obwohl auch ihnen bekannt ist, wie wenig Rückhalt Armin Laschet in der Bevölkerung hat - ist absolut folgerichtig und nachvollziehbar. Die Volksvertreter nur noch zu Abnickern zu degradieren, ist auch für den Normalbürger nicht hinnehmbar. Dass Kanzlerkandidaten nur Alphamenschen werden, ist auch klar. Die ganze Welt ist im Umbruch, da braucht Deutschland einen starken Kanzler, der stark und durchsetzungsfähig ist. Armin Laschet ist ein guter Ministerpräsident, aber für das Kanzleramt sind die Schuhe doch zu groß für ihn. Ich möchte ihn mir nicht als Kanzler neben Erdogan, Putin oder auch Macron vorstellen. Ich würde fürchten, dass er dann wieder die Bergmannsmünze seines Vaters in die Kamera hält und damit bei diesen Herrschaften um Vertrauen bittet, wie er es bei der Kür zum Parteivorsitzenden der CDU gegen Friedrich Merz machte. Eventuell ist Armin Laschet etwas angeschlagen, wenn Markus Söder Kandidat werden sollte, aber es gibt für Deutschland sicher ein schlimmeres Szenario.

Hannelore Hartmann

Starnberg

„Es geht nicht um ... Vertrauen und Charaktereigenschaften“; es geht einzig um Umfragewerte. Das vertritt der Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes (Reiner Haseloff, Sachsen-Anhalt) zur Frage, wer denn Kanzlerkandidat der Union werden soll. Sind wir tatsächlich so weit gekommen in Deutschland, und wie erhält jemand politische Führungsverantwortung, der solche Ansichten vertritt, wie steht es mit dem eigenen Charakter? Ein Blick in die USA zeigt, wo das endet.

Von den Teilnehmern an Umfragen zur Beliebtheit von Politikern und auch von zahlreichen Abgeordneten der Union im Bundestag würde ich gerne wissen, wie sie sich selber fühlen, wenn sie bei passender Gelegenheit auf ebenso subtile wie brachiale Weise auf die Seite geräumt werden, wie es denen ergangen ist, die ihrem Idol im Wege standen. Und was sie daran begeistert, dass jemand seine Leistungen als vorbildlich und beispielhaft verkauft, in dessen Verantwortungsgebiet fast immer drei der fünf meistbelasteten deutschen Corona-Landkreise liegen, der einer Partei vorsteht, die einen besonders guten Nährboden für Selbstbedienung und Spezlwirtschaft zu bieten scheint, der künftig für „Führung von oben“ stehen will, aber „in die Partei hineinhorchen“ und deren Führung delegitimieren, sobald ihm das persönlich nützen könnte. Oder ob sie einmal darüber nachgedacht haben, dass alle Vorurteile über Deutschland und die Deutschen bestätigt werden, die es in Europa gibt, wenn ein deutscher Bundeskanzler so mit den anderen Staats- und Regierungschefs umgeht, wie es der bayerische Ministerpräsident mit seinen deutschen Kolleginnen und Kollegen tut. Dafür sind Charaktereigenschaften nötig, die man nicht an der Garderobe des Bundeskanzleramtes abgeben kann.

Ob Herrn Haseloff der Subtext seiner Aussage bewusst ist, dass er den Umfragenkönig aus Gründen des Machterhalts für unumgänglich, aber für charakterlich ungeeignet hält? Ich wünsche mir Politiker, die es entgegen der Auffassung von Herrn Haseloff aushalten „mit erhobenem Haupt und wehender Fahne für eine gute und richtige Position (zu) sein, aber trotzdem in der Opposition (zu) landen“, und keine, die ihr Meinungsfähnchen in den Wind der Meinungsumfragen hängen.

Dr. Ulrich Bracker

Weilheim

Getrennt marschieren – zusammen siegen? Zur Zeit überschlagen sich die Medien hinsichtlich der Kanzlerkandidaturen von den Ministerpräsidenten Armin Laschet, CDU und Markus Söder, CSU. Es wird über viele Möglichkeiten spekuliert, wie die CDU/CSU zu einem gemeinsamen Kandidaten kommen kann, und zwar am besten harmonisch, ohne Streit. Eine Wahl innerhalb der Unionsfraktion, also aller Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU stellt sich immer mehr als reale Möglichkeit dar, zumal die Bundestagsfraktion das einzige Organisationselement ist, indem beide Parteien vertreten sind. Da hat der CSU-Fraktionsvorsitzende, MdB Alexander Dobrindt absolut Recht.

Möglich wäre auch eine Mitgliederbefragung, die natürlich wiederum viel Zeit in Anspruch nehmen würde und deshalb in Anbetracht der Situation ausgeschlossen werden sollte.

Einige CDU-Oberen bewerten die allgemeinen Umfrageergebnisse als Momentaufnahmen, die sich jederzeit ändern können, lassen aber vollkommen unerwähnt, dass Markus Söder schon länger als ein Jahr mit riesigem Vorsprung bei der deutschen Bevölkerung führt. Wissenschaftler stellen sogar fest, dass man unendlich viel Zeit brauchen würde, um von einem sehr niedrigen Umfragewert zu den Spitzenwerten zu gelangen. Ebenso kann man im Vergleich relativ schnell von einem hohen Wert auf einen niedrigen sinken.

Wenn es am kommenden Dienstag zu einer geheimen Abstimmung in der CDU/CSU Bundestagsfraktion kommen sollte, muss ein Kandidat zum Wohle der gesamten Partei von seiner Kandidatur zurücktreten, und zwar friedlich.

Es gäbe noch die Möglichkeit getrennt marschieren und gemeinsam siegen. Söder und Laschet, unterstützt von der Mehrheit der Bundestagsfraktion, einigen sich ohne Streit, dass CDU und CSU bei der Bundestagswahl getrennt in ganz Deutschland zur Wahl stehen. Ob am Ende Söder oder Laschet der Sieger sein wird, entscheidet letztendlich der Bürger.

Rainer Lau

Steingaden-Urspring

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