Leben mit dem Wolf

Dieses Jahr im Jänner vernahm ich eine wolfsverdächtige Spur im Mangfallgebirge und meldete diese dem Umweltministerium. Nun bestätigte sich durch einen Hirschkuhriss im bayerischen Inntal die Anwesenheit eines Wolfes und schon schreien wieder die ersten Almbauern und Landwirte sowie die freien Wähler nach einem Abschuss des Tieres.

Sie sehen ihre Nutztiere in Gefahr und wollen ein No-Go-Area für den Wolf im bayerischen Alpenraum. Wie weltfremd sind diese wenigen Interessensvertreter? Haben sie zu bestimmen, was in den Alpen zu leben hat und welche Tiere dort keine Daseinsberechtigung haben? Immerhin leben im Alpenbogen zirka 13 Millionen Menschen. Laut Umfragen ist die große Mehrheit der Menschen für die Rückkehr dieser großen Beutegreifer. Im Trentino stimmte die Bevölkerung deutlich für ein Auswilderungsprogramm von Braunbären. Die einzelnen Gegner von Wolf, Bär und Luchs können nicht die gesellschaftlichen Ziele für mehr Biodiversität und die gesetzlichen, internationalen Verpflichtungen ignorieren. Klar ist, dass die Rückkehr der Wölfe Geld kostet. Sie erfordert auch Veränderungen in der Almwirtschaft. Die Schafbeweidung darf durch die Besiedlung der Wölfe, Luchse, vielleicht in einigen Jahrzehnten auch Bären, nicht eingestellt werden. Die Almbauern sind Partner des Natur- und Landschaftsschutzes. Bei einer Behirtung mit Herdenschutzhunden, guter Öffentlichkeitsarbeit, der Nachtpferche und anderen Maßnahmen ist eine Schafsbeweidung mit der Existenz von Wolfsrudeln möglich. Das zeigen zahlreiche Regionen in Europa, wie die Karpaten, Abruzzen, die französischen und slowenischen Alpen und selbst die Regionen um den nordspanischen Jacobsweg. Die Menschen leben dort zusammen mit Schafen und Wölfen und ein Pilger wurde dort noch nicht aufgefressen. In den französischen Alpen leben derzeit 22 Rudel Wölfe zusammen mit 800 000 Schafen. Das geht nur, wenn Schutzmaßnahmen für Schafe entwickelt werden. Frankreich gibt zirka 30 000 Euro pro Jahr für jeden Wolf aus. Diese Verwendung öffentlicher Gelder möchte ich gutheißen, wenn ich bedenke, dass zwei Meter Autobahn das gleiche Geld kosten. Der Wolf gehört in unsere Kulturlandschaft. In Niedersachsen, unweit der Millionen-Metropole Hamburg, leben bereits Wolfsrudel mitten in der Lüneburger Heide, einer Landschaft, die durch Schafsbeweidung erhalten bleibt. Es funktioniert. Es kann auch bei uns in Bayern funktionieren, wenn wir auch mit Wolf, Luchs und Bär getreu dem bayerischen Motto verfahren: Leben und leben lassen.

Joachim Kampe Bund Naturschutz, Neuried

Wir brauchen neben bereits vorhandenen Biber, Luchs, Wisent, Elch und Wolf unbedingt noch Bär, Mammut und eventuell noch Saurier. Außerdem wäre es wünschenswert, für jede Tierart eine staatliche Verwaltungseinheit aufzubauen, die sich um das Wohl der Tiere kümmert. Wir haben ja sonst keine Probleme, und Kosten, spielen ja laut Bund Naturschutz keine Rolle. Bisher tragen wir die Kosten für die Luchs- und Biberbewirtschaftung. Beim Biber sind es in Bayern rund 40 Euro pro Einwohner Bayerns. Nicht eingerechnet ist der Schaden, den Geschädigte nicht geltend machen bzw. nicht von staatlicher Seite ersetzt bekommen. Ein Bekannter hat sein Grundstück und Wohnhaus an einem kleinen Bachlauf. Als er von einem Urlaub zurück kam, waren seine Obstbäume gefällt bzw. angenagt. Schon vorher musste er des öfteren Biberdämme entfernen, um eine Überschwemmung seines Grundstückes bzw. seines Kellers zu vermeiden. Man kann sich vorstellen, dass hier der Biber als äußerst nützliches Tier angesehen wird und so ähnlich geht es vielen. Kontakt mit dem Tierchen haben eigentlich nur die Geschädigten, allen anderen wird er ziemlich wurscht sein. Welche Kosten die übrigen Neubürger verursachen, ist mir nicht bekannt, aber auch da dürften erhebliche Summen aus öffentlichen Kassen notwendig sein. Der Bund Naturschutz kann gerne diese Kosten übernehmen und auf seine Kosten die von ihm gewünschten Arten ansiedeln. Früher galt: Wer anschafft, zahlt. Heute gilt anscheinend: Wer anschafft, lässt andere bzw. die Allgemeinheit zahlen.

Waldemar H. Einmeier München

Christian Vordemann: „Kein Grund zur Panik“; Kommentar 1. April

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