Wohin geht Italiens Reise?

Wohin geht Italiens Reise?

Ingo-Michael Feth:Italiens Schuldenpolitik:So zerstört man Europa;Kommentar 13./14. Oktober

Sehr geehrter Herr Feth, Sie unterstellen also den Italienern, dass sie Europa bewusst in den Abgrund reißen wollen. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Was diese Politiker allerdings wollen: Sie wollen mit weiteren Schulden ihr Land vor dem Abgrund retten, was natürlich letztendlich ein vergebliches Unterfangen sein wird!

Jedes Land auf diesem Erdball, was sich dem kapitalistischen Geldsystem – der Zinswirtschaft – unterworfen hat und einmal mit dem Schuldenmachen anfängt, kommt nie mehr davon los. Ganz im Gegenteil, die Schulden werden immer größer und zwar so lange, bis der Staat unter dieser Schuldenlast zusammenbricht. Dies war schon immer so, wenn Sie die Geschichte unter diesem Aspekt verfolgen. Und wie kam man aus dieser Falle in der Vergangenheit heraus? Indem man beispielsweise eine Hyperinflation einleitete und wenn auch das nicht mehr half, überfiel man andere Länder, um sich deren Vermögen anzueignen! Wir können deshalb nur hoffen, dass die Verantwortlichen erstmals in der Geschichte nicht das Überschuldungsproblem nach dem Muster der Vergangenheit lösen wollen und nach dem Länderraub mittels Waffengewalt trachten, denn das wäre in der heutigen Zeit der Hochrüstung fatal! Es wird meines Erachtens aber nicht mehr lange dauern, denn dann werden wir zu spüren bekommen, wohin die Reise mit uns geht!

Dipl. Btw. Axel C. Baumgart
Rottach-Egern


Ingo-Michael Feth beschreibt ebenso anschaulich wie drastisch, dass die italienische Regierung wieder den Weg des exzessiven Schuldenmachens beschreitet, sie nicht sparen will und sie sich um die europäischen Verträge nichts schert. Dabei ist die europäische Währungsunion als Stabilitätsunion definiert und kann nur funktionieren, wenn sich alle Teilnehmer an die Verpflichtung zu einer soliden Haushaltsführung halten.

Die italienische Regierung weiß selbst ganz genau, dass die Staatsschulden viel zu hoch sind. Deshalb kam im Frühjahr die kuriose Idee auf, die Europäische Zentralbank (EZB), die viele italienische Staatsanleihen hält, zu bitten, Italien mal eben 250 Milliarden Euro Staatsschulden zu erlassen. Diese Idee erntete in den Finanz- und Regierungskreisen Europas nur Kopfschütteln. Die EZB machte klar, dass sie nicht bereit ist, dem vertragsbrüchigen Land aus der Klemme zu helfen. So wird es ein böses Erwachen für Italien geben.

Vor allem weil sich am Horizont schon die Gewitterwolken der nächsten großen Finanzkrise zusammenziehen. Sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die höchst renommierte „Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die von Experten als der „Vatikan der Hochfinanz“ bezeichnet wird, warnen eindringlich vor dem nächsten Finanzcrash. Nach Auffassung führender Experten ist die Frage nicht ob, sondern nur noch wann der nächste Finanzkollaps eintritt und welche Faktoren ihn auslösen.

Ursache hierfür ist die Tatsache, dass seit der Finanzkrise von 2008 die weltweite Verschuldung von damals 170 Billionen US-Dollar auf nunmehr 247 Billionen US-Dollar angestiegen ist. Es wurden also Schulden mit noch höheren Schulden bekämpft. Wie jedermann weiß, muss eine solche Politik in die Pleite führen. Es kann durchaus sein, dass die Schuldenpolitik Italiens mit zur Auslösung dieser Krise beiträgt, worunter dann dieses schöne Land am meisten zu leiden hätte.

Ludwig Mailinger
Miesbach


Dieser Höllenritt existiert schon Jahrzehnte – und fast alle haben weggeschaut. Denn in Italien zahlt nur der Norden ca. 70 Prozent seiner Steuern (der Rest ist Schwarzgeld ) und muss damit den Süden, der höchstens ein Drittel seiner Steuern bezahlt, über Wasser halten.

Das größte Problem aber ist die Politik, die sich rücksichtslos am Steuertopf bedient. 2013 im Oktober kurz nach der Landtagswahl in Südtirol wurde bekannt, dass sich die dortigen Landesmandatare ca. 90 Millionen Euro Vorschüsse auf ihre Rentenansprüche auszahlen ließen. Das hat zunächst einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, es kam zu zwei Protestkundgebungen vor dem Landtag in Bozen, an denen ich auch teilnahm. Danach versandete alles still und heimlich. Prozesse ziehen sich bis heute zäh dahin, heraus kommen nur Kosten für den Steuerzahler.

Weiter gibt es italienweit außer in Südtirol keine duale Lehrlingsausbildung wie in Deutschland und anderen Ländern. Vor ca. fünf Jahren war Premier Renzi zu Besuch in Südtirol und hat unsere sehr gute Berufsschule in Meran besucht, war hellauf begeistert – „das machen wir im Rest des Landes auch“ – passiert ist bis heute nichts. Das ist der Hauptgrund der massiven Arbeitslosigkeit bei der Jugend.

Italien bräuchte einen ausländischen Verwalter mit allen Vollmachten, sonst ist da Hopfen und Malz verloren. Da keine Besserung in Sicht ist, wandern immer mehr aus...

Hermann Taber
Oberammergau

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