Leserbrief

Wohnraum- Misere in Deutschland

Georg Anastasiadis: Das falsche Spiel von Rot-Rot-Grün; Kommentar, Mietendeckel; Nach BGH-Urteil: Mieter müssen nachzahlen; Wirtschaft, Sascha Karowski und Barbara Wimmer: Keine Fessel für Münchens Vermieter; München 16. April

Es gibt nicht mehr und nicht weniger als exakt einen Grund für die ganze Wohnraum- Misere in Deutschland, und dieser Grund heißt Bodenspekulation. Jedes Programm, das darauf abzielt, die überteuerten Mieten bezahlbar zu machen oder zu deckeln, die Bodenspekulation aber nicht dauerhaft unmöglich macht, treibt die Mieten langfristig nur noch höher. Denn ohne „echten“ Gewinn will keiner mehr in Wohnraum investieren. Außer auf die erbärmliche Wohnraumsituation hat die Bodenspekulation auch Auswirkungen auf so ziemlich alle anderen politischen Themen: Das Geld, das die Bodenspekulation ohne irgendwelche Gegenleistung verschlingt (und das ist ein zweistelliger Prozentsatz unseres gesamten erarbeiteten Geldes!), fehlt überall, wo es um die Bezahlung echter, zum Teil wichtiger, Leistung geht. Da diese Tatsache ja auch unseren Herrschaften in Regierung und Opposition klar ist, müsste doch eigentlich der Kampf gegen Bodenspekulation von allen Parteien zum Wahlkampfthema Nummer eins gemacht werden. Genauer gesagt, hätte er das schon 2017, 2013 ... sein müssen. Aber nichts dergleichen! Jeder Politiker weicht sofort aus, wenn man ihn auf Bodenspekulation anspricht. Warum wohl? Mir drängt sich der Verdacht auf, dass die Wohnraum-Misere kein politisches Versagen ist, sondern gezielt und bewusst genau so und nicht anders herbeigeführt wurde, und dass auch in Zukunft eine ernsthafte Lösung des Problems von allen Parteien gezielt vermieden wird. Nur so ist gewährleistet, dass „unten“ immer mehr Geld verdient wird, das sofort „nach oben“ durchgereicht werden kann. Vielleicht käme man einer Lösung des Problems näher, wenn man Schmiergeldzahlungen so nennen würde und nicht mit (juristisch selbstverständlich unantastbaren) Tarnbegriffen wie „Parteispende“ oder „Berater- Honorar“ euphemistisch umschreiben würde.

Stefan Hartmann

München

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