Wulff-Affäre lenkt von Wichtigerem ab

Sind wir nicht ein glückliches Land, wo die „Wulff-Affäre“ unser größtes Problem ist?

 Wo anders gibt es Krieg, Erdbeben, Hungersnot usw. Ich bin froh, hier geboren zu sein.
Erich Seyfried
Neufahrn

„Es ist tragisch, dass Deutschland in dieser schwierigen Zeit keinen unbefangenen Bundespräsidenten hat, der seine Stimme mit Autorität erheben kann.“ (Anfang 2010) Und: „Wer zur Elite eines Landes gehören will, muss auch Vorbildfunktion und Verantwortung übernehmen – ohne Wenn und Aber.“ (März 2011) Beide Aussagen stammen von Herrn Wulff. In beiden Aussagen, aber nur in diesen, stimme ich mit Herrn Wulff überein. Bitte, Herr Wulff, erinnern Sie sich an ihre Aussagen und ziehen sie die Konsequenzen. Ich meine nicht irgendwelche weinerlichen Entschuldigungen a là „Ich bin doch auch nicht schlimmer als andere Schnäppchenjäger.“
Wolfgang Hofmann
Penzberg

Zurzeit langweilt uns im deutschen Theater ein übles Remake des Grimm’schen Märchens „Der Wulff und die armen Geistlein“. Eines dieser Geistlein versteckte sich in der Mailbox einer auflagereichen Boulevardzeitung, überlebte und brachte den bösen Wulff zu Fall. Wie einfallslos real und wie öde! Gerd Liebchen
München


Es steht mir nicht zu, die Handlungen des Bundespräsidenten zu be- oder verurteilen. Was mich jedoch in höchstem Masse empört, ist der oberflächliche, gedankenlose, um nicht zu sagen, schlampige Umgang mit dem Wort „Entschuldigung“. Wenn ich in irgendeiner Form Schuld auf mich geladen habe, kann ich mich nicht selbst von dieser befreien. Alles, was ich tun kann, ist, den Geschädigten um Vergebung zu bitten. Wenn der Bundespräsident, der Jurist ist und weiß, wie präzise die Sprache sein muss, um jede Missdeutung auszuschließen, diesen so oft missbrauchten Begriff verwendet, um sich schuldfrei zu machen, ist das völlig inakzeptabel. Ein Armutszeugnis. Leopold Schmidtchen
Gmund


Es stimmt, unser Gegenüber ist wichtig, keiner kann sich selbst von Schuld freisprechen. Unser Gegenüber ist Gott. Vor ihm sind wir schuldig. Er ist der einzige, der uns freisprechen kann. Wenn wir so weitermachen, bei den von uns nicht Geliebten mit Akribie nach Fehlern zu suchen, Richter und Ankläger zu spielen, zeigen wir nur, dass wir mit dem Herrn als unserem ersten Gegenüber nicht rechnen. Die zur Zeit Jesu Steine auf eine Sünderin werfen wollten, haben sich damals alle zurückgezogen (Johannes 8, 1-11). Sie waren noch größere Sünder. Heute jedoch machen diese selbsternannten Ankläger weiter. Haben sie sich erst einmal selbst ihre Anmaßung vergeben lassen? Gewiss, der Bundespräsident sollte allen ein Vorbild sein. Aber nur er gewissermaßen ersatzweise für uns? Und wir können uns dann das nächste Opfer aussuchen? Große und Kleine brauchen in unserem Staat Vergebung und einen besseren Umgang mit dem Komplex „Schuld“. Dann wird’s besser!
Helmut Kissel,
Pastor im Ruhestand
Bad Tölz


Warum hat Wulff damals als niedersächsische Ministerpräsident den Privatkredit gegen einen sehr günstigen Kredit bei der Landesbank Baden-Württemberg getauscht? Gibt es im Norden keine Landesbank? Oder hat sich jemand, der ebenfalls ein Konto bei dieser Bank hat, hierdurch womöglich anderweitige Vorteile versprochen? Wir sollten Wulff behalten. Die Wähler sollen täglich sehen, dass für die Vergabe dieses Amtes ausschließlich parteitaktische Überlegungen maßgebend waren.
Peter Wallinger
Wolfratshausen


Wir haben den besten Bundespräsidenten aller Zeiten. Mit seiner „Affäre“ lenkt er von den deprimierenden Themen ab. Die Euro-Krise ist in den Hintergrund geraten. Auch von Fukushima redet keiner mehr. Die Wirtschaftskrise wurde durch die ständigen Horrormeldungen in den Medien verschlimmert. Angeblich kurz bevorstehende Staatsbankrotte, Euroabwertungen bis zum Kursverfall, Wiedereinführung der alten Währung usw. haben die Leute und auch die Wirtschaft verunsichert. Die Sachverständigen und Wirtschaftsforschungsinstitute tragen zur Verunsicherung bei. Doch jetzt kommt unser Bundespräsident und wirft sich in den Ring. Er lässt sich etwas einfallen, damit sich die Stimmung in unserem Lande wieder bessert. Es war ein genialer Schachzug, mit der Bild-Zeitung eine landübergreifende Kampagne zu starten. Man brauchte einen Buhmann, jetzt hat man einen. Die Regierung und auch die Opposition sind nur noch mit dem Thema Wulff beschäftigt. Ich bin gespannt, was als Nächstes kommt...
Bernd Unger
München

Bundespräsident Wulff nimmt bei Ernst Jünger Anleihen auf und spricht von Stahlgewittern, denen er sich stellt und die ihn umtoben. Wir denken eher an Erich Maria Remarque und an „Im Westen nichts Neues“. Die Fragen, die an ihn nach seinem Fernsehinterview auf Neue gestellt werden, sind ihrer Art nach genau dieselben alten, die er im Interview nur zum Teil beantworten mochte. Neu ist jedoch, dass die Ehefrau des Bundespräsidenten, als sie sich mit fremden Kleidern – gemietet oder kostenlos zur Verfügung gestellt – geschmückt hatte, so der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Auf anderen Ebenen gelten strengere Regeln, zum Beispiel – wie wir erfuhren – für die Münchner Müllmänner, denen die Stadt glaubte, verbieten zu müssen, ihre „Neujährchen“, wie sie in Köln so nett heißen, anzunehmen.
Christiane und Dr. K. Peter Rotthaus
München

„Wulffs Anwalt spielt den Ball zur ,Bild‘-Zeitung zurück“; Politik 9. Januar

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