Leserbriefe

Zur katholischen Kirche

Francisco Pascual de la Parte: Tiefgreifende Reformation der katholischen Kirche; Leserforum 25./26. September

Eine tiefgreifende Reformation der katholischen Kirche ist nicht so einfach. Die Kirche hat zwei getrennte Erkenntnisquellen: die Bibel und die längs der apostolischen Sukzession offenbarten Glaubensgeheimnisse. Als Nicht-Katholik kann und will ich der Kirche da nicht dreinreden. Aber auf dem „synodalen Weg“ wird diese Tatsache offensichtlich immer wieder verdrängt. Die Heiligsprechung einzelner Menschen durch andere Menschen, der Zölibat und die Unfehlbarkeit des Papstes basieren auf der zweiten Quelle und sind durch Verweis auf die erste Quelle höchstens vorsichtig revidierbar, aber nicht mehr verwerfbar. In der internen synodalen Diskussion muss der Zwiespalt zwischen beiden Quellen entweder anerkannt oder aber ausdrücklich bestritten werden. Alles zwischendrin ist intellektuell unredlich. Eine Reformation, die die Bibel als maßgebliche Quelle festlegt, hatten wir schon. Diese Reformation ist nicht wiederholbar.

Walter Kärcher

Tutzing

Claudia Möllers: Stolpern auf dem Reformweg; Kommentar 24. September

Nicht Kleckern, sondern Klotzen! Vergangene Woche war ich auf dem Freisinger Domberg und habe auch einen Blick in das neurenovierte Marsstall-Gebäude geworfen. Ich war doch erstaunt, was aus dem Gebäude geworden ist, in das ich neun Jahre zur Schule gegangen bin. Ich habe es in neuem Schmuck fast nicht mehr wiedererkannt. 1977 habe ich am Domgymnasium mein Abitur abgelegt, und obwohl es offensichtlich andere Zeiten waren, waren die Bedingungen im alten Domgymnasium mehr als spartanisch. Ab der Herbstzeit ist der Hausmeister mit der Kanne vor dem Unterricht in die Klassenzimmer gekommen, um die Ölöfen aufzufüllen. Und weil unser Klassenzimmer ein paar Schuljahre über dem Torbogen zum Domseiteneingang lag, hat beim Zwölfuhrläuten das Zimmer bei jedem Glockenschlag leicht gebebt. Und jetzt Licht und Luft, helle, wunderschöne Holzböden auf den Fluren und leise schwingende Panzerglastüren. Jenseits jeder Nostalgie, weil es auch Schulängste und Pubertätsnöte genug bei mir gab, war es für mich der Ort, an dem ich zu lernen angefangen habe und auch des Anfangs meiner Liebe zu Literatur und Kunst. Und einer Klassengemeinschaft und Kameradschaft, die heute noch immer da ist, eigentlich die einzige Form von Gemeinschaft, die es damals für mich gab. Es ist nicht die Ausstattung – die ich allen Menschen gönne – das Ausschlaggebende, sondern der Geist und das Miteinander. Und da sehe ich grade bei der katholischen Kirche immer größere Defizite. Ich denke immer mehr, dass die Kirche in unserem Erzbistum jeden Maßstab verliert. In einem Artikel in dieser Zeitung wurden vom Finanzdirektor die fehlenden Einnahmen durch die Coronakrise beklagt. Der Artikel endete damit, dass durch höhere staatliche Zuschüsse die Einbußen fast ausgeglichen werden. Der Familienvater oder die alleinerziehende Mutter in Kurzarbeit haben keine Möglichkeit zur Klage, die müssen mit dem geringeren Einkommen zurande kommen. Die Kirche hat sich vollkommen von der Lebenswelt der normallebenden Menschen entfernt, sie hat sich uns entfremdet und sie tut dies auch noch öffentlich kund, ohne sich zu schämen. Wer so wenig sparen und sich einschränken muss, der muss sich nicht wundern, wenn er dann seine Glaubwürdigkeit verspielt. Auch die Vertreter der Amtskirche werden an ihren Taten und nicht an ihren Worten gemessen.

Valentin Niedermeier

Wörth

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