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Zur Lage der Kirchen in Deutschland

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Kommentare

Claudia Möllers: Alarmierender Weckruf; Kommentar, Die Krise der Kirche ist „existenziell“; Politik 17. Januar

Solange Papst und Bischöfe um den heißen Brei reden und nicht zugeben können, dass ihre Machtstrukturen der Grund des Niedergangs sind, wird sich trotz Vielrederei nichts ändern. Erst wenn die Rahmenbedingungen infrage gestellt werden, Pflicht zum Zölibat aufgehoben wird, gäbe es einen Lichtblick. Dieser Institution aber ist das Schamgefühl abhanden gekommen. Einzige Sorge: „Wir müssen unsere Macht und unseren Einfluss wieder zurück gewinnen!“ Die Kernaussage aber heißt: Christus war nicht nur Gott und Mensch, sondern war und ist auch Mann! Warum sollte Gott aus seinem Sohn ein Neutrum gemacht haben? Da würde es sich wahrhaft nicht lohnen, ihm nachzufolgen. Und wo sind denn die vielen Maria Magdalenas, die sich der Feigheit des Klerus wegen verstecken müssen und nicht wagen, ihre Beziehung offen zuzugeben? Hauptsache aber, die hohen Herren nehmen bei Besuchen in den Pfarreien, mit Wohlwollen die Begeisterung der gutgläubigen Menschen entgegen, ohne rot zu werden. „Die Gerechtigkeit ist ohnmächtig ohne die Macht; die Macht ist tyrannisch ohne die Gerechtigkeit.“ B. Pascal

Ilse Sixt

Oberpframmern

Claudia Möllers: Bedford-Strohm glaubt an Überzeugungskraft der Kirchen; Bayern 12. Januar, Susanne Breit-Keßler: Man muss echt dankbar sein; Kolumne Bayern 15./16. Januar

Herr Bedford-Strohm fragt sich? uns?, wo man denn Bachs Weihnachtsoratorium spielen solle, wenn die Kirchen verfallen? Warum nicht weiterhin in den Kirchen(Gebäuden)! Und was spricht auch in Zukunft gegen Konzertsäle? Es ist ja nicht zu erwarten, dass die Kirchengebäude alle verfallen, wenn es keine Kirchen, gemeint sind hier wohl die Institutionen, mehr gäbe! Schon jetzt werden diese Gebäude nicht unwesentlich von staatlicher Seite erhalten. Und dann haben wir auch noch den Denkmalschutz! Es sind ja teilweise sehr alte vielfach wunderschöne Gebäude, die auch für die wertvoll sind, die der Institution längst nicht mehr die „Deutungshoheit“ zuerkennen. Übrigens, welche Deutungshoheit beansprucht die Institution Kirche? Über „die starken Inhalte der Bibel“? Möglicherweise ist dieser Anspruch nicht mehr zeitgemäß. Um wirklich „Überzeugungskraft“ wiederzugewinnen, müsste die Institution wahrscheinlich vorgehen wie der 12-jährige Jesus im Tempel und in ihren Reihen und Themen gründlich aufräumen. „Sich für die Schwachen einsetzen“ tut auch die Verbraucherzentrale! Oder aufrufen zur allgemeinen Dankbarkeit, wie Frau Breit-Kessler es tut, die sich ansonsten darauf freut, wenn sie mit ihrem Mann wieder (Luft verschmutzend) „durch die Welt reisen kann“ („Gerne auch mal nach Neuseeland“)? Worüber redet Frau Breit-Kessler eigentlich? Über die Schwachen, um die es in den „starken Inhalten der Bibel“ geht? Oder ist es eine Stärke der Institution Kirche, zu moralisieren? Manch einen würden die „starken Inhalte“ der Bibel bestimmt interessieren, wenn sie ohne Anspruch auf Deutungshoheit und redlich, historisch eingeordnet, aufbereitet und vermittelt würden.

Dr. Ruth Ganzert-Köhler

Peißenberg

Claudia Möllers: Kirche steht vor einer Zeitenwende; Bayern 14. Januar

Ohne näher auf den bemerkenswerten Inhalt des Artikels einzugehen, möchte ich nur die aussagekräftige Überschrift: „Kirche steht vor einer Zeitenwende“ kurz kommentieren. Tatsächlich deuten die Zeichen der Zeit darauf hin, dass die (katholische) Kirche jetzt in einer der bedeutendsten (Umbruchs-) Phasen ihrer Geschichte steht. Denn entweder vollzieht sie jetzt eine radikale Kehrtwendung in Lehre, Praxis und Struktur, und sie wird leben, oder sie wird zu einer bedeutungslos obsoleten Sekte degenerieren. Die Kirche hat jetzt die einmalige Chance in den Symptomen der Krise das Wehen des Heiligen Geistes zu vernehmen, dessen belebender „Wind“ ich vornehmlich dort erlebe, wo vom Evangelium Jesu begeisterte, mutige, kreative und tapfere Frauen gegen den männerbündischen, obsoleten Klerikalismus revoltieren, und sich im Namen Gottes für die Gleichheit und Geschwisterlichkeit aller Menschen mit ihren jeweiligen Charismen einsetzen. Ich erlebe den herzerfrischenden Aufbruch zu einer neuen echt katholischen (= allumfassenden ohne „römisch“) Kirche dort, wo anstelle des magischen Sakramentalismus eine befreiende Gemeinschaft gelebt wird, die sich dem Leben zugewandt, von den Gottesgaben Brot (Lebensmittel) und Wein (Freude) zu einem Leben in Freiheit und Verantwortung stärken und verwandeln lässt. Ich erlebe diese ansteckende Dynamik dort, wo kein abergläubischer Dogmatismus mehr die Richtlinien der Politik bestimmt, sondern ein Glaube, der in der Liebe wirksam wird!

Wesentliches wurde dazu bereits in dem gestrigen (heutigen) Leserbrief von Georg Paulus aus Holzkirchen gesagt: „Jesus Vorbild für die Liebe“.

Egon Weiß

Fraunberg

Der 20. Januar wird ein einschneidendes Datum werden in der katholischen Kirche. Es wird sich zeigen, wer was, wann gewusst hat über die Missbrauchsvorfälle, die nun teilweise veröffentlicht wurden. Die unglaublichen Vorfälle im Haus Maffei in Feldafing, die nun von zwei Betroffenen im Gespräch mit Bischof Bertram Meier dargelegt (ARD: „report München“ und Augsburger Allgemeine vom 11. Januar) wurden, lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Die Offenlegung dieser unmenschlichen, kindesverachtenden und kriminellen Machenschaften einiger kirchlicher Würdenträger ist längst fällig, vor allem aber der interne Umgang unserer katholischen Kirche bisher damit ist ein Skandal.

Aber ist es ganz neu? Die Geschichte lehrt uns, dass unsere katholische Kirche nicht immer so „heilig“ war und ist, wie wir im Glaubensbekenntnis immer und immer wieder herunterleiern. Die Vernichtung der Katharer, die Kreuzzüge, die „Heilige“ Inquisition mit den damit zusammenhängenden Folterungen und Erzwingung von Geständnissen, die Vorgänge im Zusammenhang mit dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges und der Bekämpfung der Protestanten, das Verhalten einiger Würdenträger im Dritten Reich usw., die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Ich meine, ein deutliches Signal gegenüber Andersdenkenden, Andersgläubigen, aber auch der ganzen Christenheit (auch der kritischen Katholiken!) wäre eine Abkehr vom Passus „ich glaube an die heilige katholische Kirche“ im Glaubensbekenntnis. Dies wäre eine konkrete Maßnahme, die ein Zeichen von Demut gegenüber den Opfern von fehlgeleiteten Kirchenvertretern sein könnte. Warum nicht ganz einfach: „Ich glaube an unsere christlichen Kirchen“?

Xaver Wörle

Steingaden

Papst fordert mehr Kinder; Leserforum 8./9. Januar

Ich habe jetzt schon mehrere Leserbriefe gelesen zu der Äußerung des Papstes über mangelnden Kinderwunsch und deren Ersatz durch Haustiere. Diese Leserbriefe argumentieren sehr einseitig (Überbevölkerung, Abschaffung von Zölibat, Kosten usw.) Sind Kinder nicht unsere Zukunft? Der Grundstein unserer Gesellschaft ist und bleibt die Familie. Unser ganzes Gefüge baut darauf auf. Mit immer weniger Kindern nimmt auch unser Wohlstand rapide ab – zum Beispiel durch Fachkräftemangel. Wollen wir unsere Kinderarmut durch Zuzug fremdländischer Kulturen ausgleichen? Wer versorgt unsere ältere, pflegebedürftige Generation? Wollen wir dies ausschließlich ausländischen Kräften überlassen, die sprach- und kulturfremd sind? Diese durchaus qualifizierten Arbeitskräfte fehlen dann in den Entsendungsländern. Letztlich schaffen wir uns damit immer größere Probleme. Wenn wir uns um Tiere kümmern, so ist das begrüßenswert, nie aber ein Ersatz für eigene Kinder. Kinder schenken Hoffnung, Freude und Zuversicht. Sie erneuern die Gesellschaft. Wir haben mehrere Kinder und sind dafür sehr dankbar. Die Aussage des Papstes erscheint mir daher nachhaltiger für Gesellschaft und Umwelt als der vorherrschende Zeitgeist.

Elisabeth Schilcher

Murnau

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