TSV 1860

Einmal Löwe, immer Löwe

Armin Gibis: Die Löwen-Krise: Historischer Tiefpunkt; Kommentar, Uli Kellner: Ismaik stößt 1860 ins Amateurlager; Sport 3./4./5. Juni

Die Entscheidung ist gefallen. Die Tradition wird zum Opfer von Misswirtschaft, Eitelkeiten und Inkompetenz – und dabei zerstört Geld einen ganzen Verein.

Spätestens seit der Mitgründung der Allianz-Arena und der autokratischen Großmannssucht von Wildmoser sen. und jr., selbstsüchtigen Aufsichtsräten und Eifersüchteleien auf dem Löwenrücken, ist der gerade Weg in den Untergang eingeleitet worden. Das Ganze gipfelte in einem scheinbaren Messias mit viel Geld sowie erpresserischen Methoden und Präsidenten mit noch weniger Feingefühl und Sachverstand. Dazu kamen immer mehr Ausländer im Spieler- wie im Managerbereich, die von Münchner Kultur keine Ahnung hatten und darüber auch nichts wissen wollten, die aus einem Löwen, sichtbar für jeden, eine kleine Ratte machten. Dem Verein wurde das Herz entrissen – die, die es machten, machen sich ohne persönliche und finanzielle Konsequenzen vom Acker. Schande und einfach nur traurig.

Stefan Bruckner
Unterhaching

Dank des Einsatzes von Roman Beer, Markus Drees und weiteren e.V.-Funktionären hat der TSV 1860 München endlich die Chance auf einen eigenbestimmten Neuanfang. Die vergangene Woche hat gezeigt, dass eine Zusammenarbeit mit Herrn Ismaik unmöglich ist. Die Hetzkampagnen von Hasan Ismaik und Oliver Griss (dieblaue24) sollten auch dem letzten Fan die Augen öffnen, mit wem man es zu tun hat. Sicherlich nicht mit einem großen Löwenfan, sondern mit einem gnadenlosen Spekulanten, der sich endgültig verzockt hat. Durch die Abgrenzung von Herrn Ismaik bin ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder stolz, ein Löwe zu sein. Hoffentlich lassen sich die Vereinsfunktionäre nicht von Ismaiks Propagandamaschine von ihrem Weg abbringen.

Valentin Bauer
Pähl

Liebe Löwenfamilie, gerade jetzt müssen wir zusammenhalten, auch wenn es noch so bitter ist, wieder im Amateurbereich zu spielen. Mit den richtigen Verantwortlichen und dem großen treuen Anhang werden wir es wieder schaffen, aufzustehen und hochzukommen. Lieber ein Schrecken mit Ende als ein Ende mit einem Geldgeber, der von deutschem Fußball keine Ahnung hat. Ich habe bereits ein Neumitglied gewonnen. Somit gehen wir in kleinen Schritten dem großen Erfolg entgegen. Step by Step. Einmal Löwe, immer Löwe!

Martin Haindl
Martinsried

Der größtmögliche Sportliga-Abstieg ist nun bei den Fußballern von 1860 München eingetreten: „Freiwilliger“ Abstieg in die Amateurklasse! Das einzig Positive ist, dass nun ein wirklicher Neuanfang stattfinden muss und junge Talente, die sicher im Löwen-Nachwuchsbereich vorhanden sind, eine echte Chance bekommen. Die vergangenen Jahre in der 2. Liga waren für viele Sechziger-Fans aufregende „Zitter-Jahre“ gegen den Abstieg.

Es konnte nicht gut gehen mit dieser „international“ besetzten Mannschaft aus vielen Ländern, von Brasilien bis Portugal. Noch dazu ein englisch/portugiesisch sprechender Trainer und englischer Geschäftsführer, der nur diese Sprache bei den Sechzigern im Umfeld gelten ließ. Hoffentlich wird hier bald wieder Deutsch und Bairisch geredet, wie es sich für diesen Traditionsverein gehört. Ich bin gespannt, wie es mit dem reichen jordanischen Investor Ismaik weitergeht, der nicht nach dem Motto „Geld regiert den Verein“ handeln sollte.

Günther Ehrhardt
Miesbach

Schade für den Fußball, eine Schande für München. Die Verweigerung weiterer elf Millionen Euro durch den Scheich aus Jordanien war das Beste, was den Löwen passieren konnte! Was wollen die Jungs den in der dritten Liga? Spiele gegen Osnabrück, Lotte, Halle, Magdeburg, die kein Mensch in der AA sehen will? Dafür hat man jetzt die große Chance auf richtig tolle Spiele gegen Bayern 2, Augsburg 2, Ingolstadt 2, Memmingen, Rosenheim, Nürnberg 2! Das ist, was der Fan sehen will. Da brennt die Bude in der Regionalliga an der Grünwalder Straße! Ich bin kein Blauer, aber ich freu mich drauf. (Ich bin aber auch kein Roter) Ich bin nur Fan des ehrlichen Fußballs.

Abgesehen von der Vorfreude auf richtig guten Fußball der 2. Mannschaft, die in der abgelaufenen Saison in der Regionalliga zweiter mit 63 Punkten wurde, ist es für mich auch eine Schande für München. Die große Stadt bringt es nicht fertig, einem Traditionsverein wie 1860 aus der Patsche zu helfen? Wie traurig. Alles und jeder wird subventioniert, Banken werden milliardenschwer unterstützt. Aber elf Millionen Euro für die dritte Liga hat man nicht übrig? Siemens, BMW, Linde, MAN, MTU, FMG, Münchner Rück, Allianz, Banken, Versicherungen... Wo seid ihr?

Helmut Mayer
Althegnenberg

Nach dem Vor-Ort-Genuss der beiden Relegationsspiele und des Volkstheaters am Freitagnachmittag an der Geschäftsstelle des TSV 1860 fasse ich zusammen: 1. Einige der angeblich „besten Fans der Welt“ haben es durch Zerstörungswut und blinden Fanatismus vermocht, den unterirdischen Vortrag der Profis noch zu unterbieten. Sie haben sich selbst und ihrem geliebten Klub die einmalige Chance genommen, mit einer drittligareifen Mannschaft aber erstklassigen Fans erhobenen Hauptes den bitteren Gang nach unten anzutreten. Zudem haben sie sich unentgeltlich als Hilfsarbeiter des ihnen verhassten Stadionvermieters betätigt. Dieser wird ziemlich wahrscheinlich das graue Gestühl durch rotes Mobiliar ersetzen.

2. Das Verhalten des Investors kann ich nicht nachvollziehen. In der 3. Liga hätte er doch eher eine Chance gehabt, sein Geld wenigstens teilweise wiederzusehen. Die unendliche Geschichte aus 1860 und einer Nacht nimmt also die nächste Runde. Abstieg mit Investor. Nach ihrem bisherigen Verlauf wünscht Fan sich sarkastisch eine 60+1-Regel. Wir sehen die Abgründe einseitiger Abhängigkeit.

Nach 40 Jahren mit diesem einzigartigen Klub bleibt mir die erlösende Erkenntnis: Wir haben wichtigere Dinge in unserem beschränkten Menschenleben und müssen uns nicht zu sehr von den aufgeblasenen großen Illusionen des Fußballs in den Bann ziehen lassen. 1860 kann durchaus weiter mit meiner Unterstützung rechnen. Aber das entscheide ich selber. Denn ich bin Löwe auf meine Weise und muss deshalb niemanden beleidigen oder Sitze rausreißen.

Danke, Fußball. Danke, 1860.

Rainer Schmid
Schongau

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