Falsche Entscheidung

Andreas Werner: Der Mann für die Basis; Kommentar 9. August

Asche über mein Haupt. Ich spüre förmlich die wütenden Proteste der vielen Hoeneßfans ob dieses Leserbriefes. Nichtsdestotrotz halte ich die Entscheidung, wieder für das Amt als Präsident und wie zu vermuten ist als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern zu kandidieren, für falsch und sebstgefällig arrogant. Dass er gewählt wird, daran habe ich keinen Zweifel. Für falsch, weil Uli Hoeneß die viel zitierte zweite Chance bereits vielfach erhalten hat. Ich denke da an seine Tätigkeit als Freigänger in der Jugendabteilung des FC Bayern. Resozialisiert muss Hoeneß – wie Herr Stoiber meint – auch nicht werden. Er hat während seiner Haft und seines Freigangs nie wie andere Häftlinge außerhalb der Gesellschaft gestanden. Ich erinnere an die fast wöchentlichen Besuche hochrangiger Prominenz mit tränenreichen Statements, zum Beispiel von Günter Netzer: „Uli trägt sein Schicksal tapfer und ungebrochen.“ Ja, so was! Für selbstgefällig arrogant, weil Uli Hoeneß doch tatsächlich meint, ohne ihn geht es nicht. Er macht es nun also wahr: Das war’s noch nicht. Der Lückenbüßer Hopfner muss wieder ins zweite Glied. Ich verkenne nicht Hoeneß’ sportliche, wirtschaftliche und organisatorische Leistungen für den FC Bayern, insbesondere auch nicht sein soziales Engagement. Reue und Demut habe ich allerdings nie erkennen können. Es reicht nicht, zu sagen „Ich habe einen großen Fehler gemacht“ und Strafe sowie Steuerschulden zurückzuzahlen. Das war letztlich seine Pflicht und er konnte es sich leisten. Nein, er hätte daraus die ultimative Konsequenz ziehen müssen. Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit nennt man so etwas, die man von einem Menschen in so herausgehobener öffentlicher Wahrnehmung und mit seiner Intelligenz und so vielen ratgebenden Freunden hätte erwarten müssen. Mehr als verwundert bin ich auch über die Dax-Konzerne Adidas, Allianz und Audi/VW , dass sie diesem Personaldeal wohl zustimmen werden. Herr Haider (Adidas) hat sich ja schon entsprechend geäußert. 

Klaus Tappe Mittenwald

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