TSV 1860: Die Nacht der Schande

Armin Gibis: Der blaue Albtraum; Kommentar Sport, Uli Kellner: Begräbnis vor 62 200 Besuchern; Sport 31. Mai

„Und so liegt in der Niederlage die Möglichkeit der Klarheit und Reinigung. Nutzt die Freiheit, denn nun wird aus Asche der Phönix ersteigen. Ich kann seine Farben durch meine Tränen schon sehen“, schrieb vor Jahrtausenden der Grieche Homer. Gestern wurde allen Fans des ehrwürdigen TSV 1860 von München klar gemacht, dass die Mannschaft für die zweite Liga sportlich einfach zu limitiert ist. Dass der Verein den drittgrößten Etat der Liga hatte, muss jeder Fan als purer Hohn betrachten. Ein überheblicher Präsident, der meint, dass der Verein für den Abstieg viel zu gut sei, kommt hinzu. Der Investor ist mit der Gesamtsituation in jeder Hinsicht überfordert. Der sportpolitische Dilettantismus gehört zu 1860 seit Jahrzehnten leider dazu. Das Verhalten der Fans in der Kurve war eine einzige Schande, ich habe mich für den Verein geschämt. Der Schiedsrichter hätte das Spiel wegen der Randalierer abbrechen müssen. Wie immer, wenn der Verein total am Boden liegt, benötigt er die Hilfe der treuen Fans, ich werde heute noch meine Dauerkarte für die nächste Saison bestellen. 

Walter Rädler Baldham

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Die Marionette Cassalette hätte jetzt als 1860-Präsident Stärke zeigen können. Aber er ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie Kapitän Schettino von der Costa Concordia. Wahre Liebe kennt keine Liga! 

Werner Schmidhuber Habach

Was ist mit dem großartigen Verständnis zwischen ihm und Hasan, das Cassalette so oft beschworen hat? Wenn gekaufte, also angestellte Entscheidungsträger des Vereins (Geschäftsführer, Trainer etc.) Konsequenzen ziehen bzw. „gegangen“ werden, ist das eine Sache. Aber einem gewählten Präsident stünde es jetzt gut zu Gesicht, an Lösungen heraus aus der Misere mitzuarbeiten. Stattdessen tritt eine Marionette des Investors, die die Hosen voll hat, zurück. Vielleicht besser so?

 Helga Friedl Starnberg

Die Ausschreitungen sind so nicht tolerierbar. Ich war im Stadion und kann die Wut der Zuschauer auf diese Anti-Fußballer verstehen. Diese Mannschaft ist schon die ganze Saison über 2.-Liga-untauglich. Es gab genug Gelegenheit, sich auf einen sicheren Tabellenplatz zu spielen. Aber kaum war mal eines der wenigen Spiele gewonnen, brach bei den Verantwortlichen der Größenwahn durch. Toleriert von einem Investor, der keine Ahnung vom Fußball hat, durften selbst ernannte Experten viel Geld verbrennen. Dazu ein Trainer, der sich zu Höherem berufen fühlt, und von der 2. Liga, geschweige denn Abstiegskampf, keine Ahnung hatte. Woche für Woche, von Niederlage zu Niederlage wurde immer wieder betont: Wir sind auf einem guten Weg, bald greifen unsere Maßnahmen. Der Weg ist zu Ende, außer Ba und Neuhaus können all gehen. Baut um einige wirkliche Fußballer mit unseren willigen U 23-Spielern eine vernünftige Mannschaft auf! Alles andere hat keine Zukunft. Und die DFL/DFB sollte nach der Randale in Braunschweig und München mal darüber nachdenken, ob Relegation wirklich sinnvoll ist. Jede Mannschaft hat 34 Spiele Zeit, ihre Zugehörigkeit zu der jeweiligen Liga zu beweisen. Wer das nicht schafft, der hat dort auch nichts verloren, siehe Sechzig! 

Ernst Steinhilber Landsham

Eine Schande für den TSV 1860 München. Es gibt nicht viel zu schreiben. Keine anständige Fußballmannschaft, keine anständigen Fans. Das ist traurig. Wie viele Eltern waren mit ihren Kindern im Stadion und mußten diese Volldeppen von Fans zuschauen. Wie erklärst du so etwas, traurig, traurig, traurig. Alleine schon die Gesichter unserer Löwenspieler, außer Sascha Mölders hat keiner geheult. Das zeigt schon die Einstellung. Die Nordkurve sollte jetzt für die nächste 3.- Liga-Saison komplett gesperrt werden. 

Franz Mayr Ebersberg

Dieser Traditionsverein ist nun am Ende und ein Stück Vielfalt ist wieder verloren. Der Sport, bald nur noch der Profifußball, dient dem Gewinnstreben einzelner Gruppen. Macht weiter so, dann werden wir die Spiele bald nur noch aus der Konserve sehen und Torhüter und Trainer könnten Roboter sein! 

Klaus Hanke Oberschleißheim

Ich habe Mitleid mit allen, die an diesem Abend Sport betreiben mussten. Ein Spiel, das einen verdienten Sieger hat. Mit 1860, einen Verein, dem die Lizenz entzogen gehört. Nicht wegen Geldmangel, schlechten Funktionären, Trainern oder Spielern. Nein, wegen Fans, die keine sind, die seit Jahrzehnten jede motivierende Stimmung im Keim ersticken und Fortschritt verhindern. Ihr seid keine Löwen sondern Hyänen. Versoffene Dumpfbacken, die mit den Rücken zur Mannschaft die eigenen Spieler fertigmachen, das Stadion demontieren und mit Stadionteilen massenhaft Mordanschläge verüben. Ihr Fans seid eine Schande für 1860, München, Bayern und den deutschen Fußball. Ich hoffe, das Hr. Ismaik kein Geld mehr locker macht und der DFB hier klar Stellung bezieht. 1860 München war ein Traditionsverein. 60er-Fans sind nur noch bemitleidenswerte Totengräber des Fußballs. 

Werner Grünberger Starnberg

Mein Verein für alle Zeit? Ist es noch 1860, wie man es kannte? Über Jahre wurde leichtfertig demontiert, Geld verbrannt und das Ansehen geschändet. Ein bayerischer Traditionsverein, wo englisch Pflichtsprache ist. Ja geht’s no? Eine Jugendarbeit, die über die Grenzen hinaus einen super Ruf hatte, geht den Bach runter. Fünf Mannschaften müssen absteigen – der angerichtete Schaden ist den Leuten sicher noch gar nicht bewusst. Bitte den Löwen aus der Fahne und ein Kamel rein, jetzt hat (hoffentlich) jeder begriffen, warum. Ein radikaler Neuanfang ist dringend notwendig. 

Bernhard Splistisser Iffeldorf

Die Berichterstattung und Kommentierung in Ihrer Zeitung zu diesem Relegationsspektakel erschöpft sich leider nahezu ausschließlich in der Wiedergabe der trostlosen Situation dieses Löwen-Vereins. Wer das Spiel, insbesondere die letzten 15 Minuten gesehen hat, der kann über die verharmlosende Umschreibung des Geschehens aus der Zuschauer-Tribüne mit „hässlichen Bildern“, „Schande für den Zweitligisten“ und „Höchstmaß an Peinlichkeiten“ nur verärgert den Kopf schütteln. Ein Großteil des Anhangs des TSV 1860 verhält sich bei Spielen zuhause wie auswärts regelmäßig kriminell (Landfriedensbruch, Raub, Körperverletzung), wie ich seit Anfang der 1980er Jahre aus eigener Beobachtung und nachträglicher Bearbeitung weiß. Ausschreitungen in Bayern wurden und werden allerdings inzwischen weitgehend durch ausreichende Polizeipräsenz und umsichtige Einsatzplanung verhindert oder kontrolliert. Was da gestern in den Minuten bis zur Spielunterbrechung ablief, ist mehr als nur peinlich oder hässlich. Das war höchst kriminell. Wer die vom Regensburger Torwart in einer Torecke angehäuften Sitzschalen und die zahlreichen Richtung Torwart geworfenen Metallstangen gesehen hat, musste entsetzt sein über die Tatsache, dass es zu keinem Spielabbruch kam! Hierzu gibt der 60. Lehrbrief des DFB (Regel 5) dem Schiedsrichter zwar grundsätzlich einen Ermessensspielraum auch bei Störungen durch die Zuschauer, macht aber zur Voraussetzung, dass vor einem Abbruch „alle zumutbaren Mittel, das Spiel fortzusetzen, erschöpft sind“. Hierzu gehört nach dieser Regel insbesondere auch ein Einschreiten des Ordnungsdienstes. Sowohl letzterer als auch die aufgezogenen Polizeikräfte haben aber offensichtlich nichts anderes getan als eine Art Sperrgürtel zum Spielfeld zu bilden, im übrigen aber den kriminellen Werfern nur zuzusehen bei deren Treiben. Kein Eingreifen, keine Festnahme. Es war nur glücklicher Zufall, dass der Regensburger Torwart nicht getroffen wurde, der sich klugerweise einige Meter vor seinem Gehäuse positionierte. Und wenn es stimmt, was die Zeitung über angebliche Worte des Schiedsrichters Siebert zu Torwart Pentke berichtet („Solange ich nicht getroffen werde, soll ich dafür sorgen, dass das Ganze wieder vom Platz wegkommt“), dann ist das der traurige Höhepunkt eines globalen Versagens aller Beteiligten: wann denn, als bei unmittelbarer und andauernder Gesundheitsgefährdung eines Spielers/Torwarts durch Angriffe aus den Zuschauern ist ein Spiel abzubrechen? Das durch Regelwerk eingeräumte Ermessen des Schiedsrichters reduziert sich in diesem Fall auf Null! Oder hatte Siebert Angst, sich später vor Funktionären für einen Spielabbruch rechtfertigen zu müssen? 

Wolfgang Wahl München

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