Vor der eigenen Türe kehren

Armin Gibis: Der maßlose Wüterich; Kommentar Sport 6. Dezember

Hassan Ismaik hat vollkommen Recht, wenn er sich nun gegen die Anfeindungen der Herren Hoeneß und Rummenigge wehrt. Man kann ihm und den Verantwortlichen des TSV 1860 München zurecht vieles vorwerfen, und auch die derzeitige Posse wird wohl in die unrühmliche Geschichte der Löwen eingehen. Wenn man aber mal betrachtet, welche Leute beim FCB das Sagen bzw. Ämter innehaben, wer diesen Verein repräsentiert und zu wem die FC Bayern München AG Geschäftsbeziehungen pflegt, dann sollten Hoeneß und Rummenigge erst mal vor der eigenen Tür kehren, bevor sie sich über ihren Nachbarverein äußern. Dazu eine kleine Auflistung: Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, Steuerflüchtling im Rahmen von Steuernachzahlungen und derzeit unter Korruptionsverdacht wegen der WM 2006 in Deutschland. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, wegen Steuerhinterziehung vorbestraft. Der neu gewählte Präsident und demnächst wieder Aufsichtsratsvorsitzende Uli Hoeneß, vor Kurzem noch Gefängnisinsasse wegen der wohl größten Steuerhinterziehung in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Aufsichtsratsmitglied Martin Winterkorn, zur Zeit des Abgasskandals Vorstandsvorsitzender bei VW, und damit mitverantwortlich dafür, dass tausende von Zeitarbeitern (was auch nicht ganz ohne Kritik ist) den Job verlieren werden und das Image der deutschen Automobilindustrie nachhaltig beschädigt wurde. Der stellv. Aufsichtsratsvorsitzende Rupert Stadler, gegen ihn wurde kürzlich erst noch zu seiner Aussage ermittelt, er hätte vom Dieselskandal bei Audi nichts gewusst, was mittlerweile stark bezweifelt wird. Der Mitgesellschafter Adidas kündigt seine finanzielle Unterstützung bei der Deutschen Anti-Doping-Agentur NADA, unterstützt aber weiterhin die skandalträchtige FIFA. Trainingslager in Katar und Kooperationsvertrag mit dem Flughafen Doha, also in und mit einem Land, das Menschenrechte aufs Massivste missachtet und im Verdacht steht, terroristische Vereinigungen wie den IS finanziell zu unterstützen. 

Bernhard Fritz Lauterbach

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