Die Wut bei den Ärzten steigt

„Als eben pensionierter ,Insider‘ habe ich keine Repressalien mehr zu befürchten, wenn ich zu den Fakten Stellung nehme: Die ,ungeheure Summe‘ bedeutet eine monatliche Gehaltserhöhung für den niedergelassenen Arzt um circa zehn Prozent.

Das sind etwa 500 Euro monatlich. Ein Hausarzt bekommt für einen Patienten im Quartal 30 Euro, ein Facharzt 24 Euro. Dabei ist es unerheblich, wie oft ein Patient Hilfe im Quartal beansprucht. Die Fürsorge, Hingabe und Professionalität wird aber vorausgesetzt. Daraus errechnet sich das monatliche Salär von circa 5000 Euro bei etwa 500 Patienten im Quartal – plus die jetzige Gehaltserhöhung, also maximal 70 000 Euro im Jahr. Das entspricht dem Jahresgehalt eines Ministerialrats, Oberstleutnants, Oberstudiendirektors usw. (ohne Investitionen in seinen Arbeitsplatz) mit Pensionsberechtigung und mit Beihilfe im Krankheitsfall, alles aus Steuermitteln. Gehälter, Miete, Altersvorsorge und Krankenversicherung sind vom Arzt dagegen selbst zu bezahlen! Warum erhalten Ärzte so wenig für ihre qualifizierte Ausbildung zur qualifizierten Fürsorge für die Kassenpatienten? Außerdem ist der Wasserkopf in der Verwaltung der gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Verteilerstellen unglaublich hoch, ohne dass ein überprüfbarer, beitragsmindernder Arbeitsausfluss spürbar wird. Die Wut unter den Ärzten steigt, viele wandern aus (circa 10 000 im Jahr 2009). Das immer wieder apostrophierte Privat-Honorar beim Regelsatz liegt bei einigen Positionen unter dem AOK-Satz. Und keiner von uns bevorzugt deswegen Privatpatienten, wiewohl dies immer wieder in politischen Kreisen unterstellt wird. Nun vertröstet man die Ärzte mit sozialistischen Paradesprüchen seitens der Kassenfunktionäre, mit einem lächerlichen Zubrot, ohne öffentlich die Zielsetzung zu verraten: Hungert sie aus, wir können sie bald nicht mehr bezahlen, wir führen die Privatisierung der gesetzlichen Krankenversicherung mithilfe der Medizinischen Versorgungszentren in der Hand von ,Investoren‘ ein – und die stellen billige, manipulierbare Ärzte ein. Ganz historisch (63 vor Christus) und ärztlich gefragt: ,Quo usque tandem abutere, Catilina, patientia nostra?‘ Oder im ekelhaften Neudeutsch: ,Wie lange wollt ihr da oben uns Ärzte und uns Patienten noch verarschen?‘ Wir alle begreifen diese Vorgänge als eine Verschwörung gegen unsere jahrelange Kassen-Mitgliedschaft! Macht reinen Tisch und reduziert die überteuren Verwaltungs-Wasserköpfe. Honoriert wieder gerecht unseren selbst gewählten Heilungsauftrag: Wir können und wollen heilen – ihr da oben offensichtlich nicht!“
Dr. med. dent. Horst Neunhoeffer
Bad Tölz

 

„Eine Milliarde mehr für die Ärzte“; Titelseite, „Was niedergelassene Ärzte verdienen“; Politik 6. Oktober

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