Verantwortung für das Zugunglück

Nun soll also der Fahrdienstleiter alleine für das Unglück verantwortlich sein.

Wenn das Sicherheitssystem der Bahn es zulässt, dass eine Person in der Lage ist, sei es wie in diesem Fall durch einen Fehler oder, was ja dann auch möglich wäre, absichtlich, zwei Züge in voller Fahrt auf eingleisiger Strecke zusammenstoßen zu lassen, dann sind diese Verantwortlichen, die dieses System ausgeklügelt haben, auch mitschuldig und in die Haftung zu nehmen. Ich hoffe das daraus die richtigen Konsequenzen gezogen werden.

Herbert Steiner Geretsried

Leider ein sehr, sehr tragisches Zugunglück. Laut Presse ein tragischer Fehler eines Einzelnen. Wie tragisch für diesen Fahrdienstleiter, welcher der Verursacher von diesem verheerenden Zugunglück sein soll. Warum muss hier an so einer gefährlichen eingleisigen Strecke nur eine Person dafür verantwortlich sein, wenn es auch andere Möglichkeiten gibt, und eine zweite Person zur Gegenkontrolle mit einbezogen werden kann. Zum Beispiel: Die Oberlandbahn fährt die Strecke Schongau–Augsburg im 60 Minutentakt. Die Strecke ist größtenteils einspurig. Hier funktioniert dies immer fehlerfrei, denn wenn der Zug von Schongau–Augsburg fährt, muss dieser in Peißenberg warten, bis der Gegenzug von Augsburg eingefahren ist, erst dann kann der nach Augsburg fahrende abfahren. Der Zug, welcher von Augsburg nach Schongau fährt, muss in Dießen solange warten, bis der von Schongau im Bahnhof Dießen ankommt, dann kann der dort wartende von Augsburg kommend eingleisig erst weiter fahren. Wie mir bekannt ist, hat dann auch der Fahrdienstleiter sowie der Zugführer die Kontrolle, wann er abfahren darf. Auf dieser Strecke wird eingleisig ohne Probleme gefahren, und die Verantwortung lastet nicht nur auf einer Einzelperson.

Ludwig Wörmann Böbing

Für mich ist das eindeutig menschliches Versagen. Und zwar das der Ingenieure, die das Sicherheitskonzept erarbeitet haben. Wie kann man einen Fahrdienstleiter in die Lage versetzen, Gott zu spielen? Durch einfachen Knopfdruck die Sicherheitsverriegelung außer Kraft setzen zu können. Da wird von Nachrüsten mit GPS oder ähnliches gesprochen. Und das kann man dann auch mit Knopfdruck deaktivieren?

Rainer Fabian Geretsried

Ich möchte den Angehörigen der Toten und der Verletzten mein inniges Beileid aussprechen. Hoffen kann man nur, dass die Bahn ihr Versprechen wahr macht und den Hinterbliebenen finanziell unter die Arme greift. Es ist schlimm das jetzt ein Mensch gesucht wird dem die Schuld dieses großen Unfalles angeheftet werden soll. Der aus Bad Aibling ausfahrende Zug fuhr über einen Bodenkontakt der angeblich 14 Tage vor dem Unfall technisch überprüft worden sei (von diesem spricht keiner). Dieser Elektromagnet meldet an alle Signale an dieser Strecke, Gleis belegt, gesperrt von jeder Seite, erst wenn ein Zug die eingleisige Strecke verlässt, gibt ein an der Schiene montierter Bodenkontakt die Strecke wieder frei auch für ein Ersatzsignal. Wenn das nicht so geschaltet wäre, hätten diese Bodenkontakte an allen eingleisigen Strecken keinen Sinn. Wenn der Fahrdienstleiter das Zs1 geschaltet hätte wäre das zwar aufgezeichnet worden aber das Signal hätte nicht schalten dürfen. Das kann bei jeder Modelleisenbahn gesehen werden. Warum wird von diesen Bodenkontakten nichts gemeldet, ist es leichter einen Menschen für schuldig zu erklären?

Klaus Bröckermann Planegg

Nach der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Traunstein am 16. Februar 2016, 14 Uhr wurde festgestellt, dass ein technisches Versagen an dein Zugunglück, nicht gegeben ist. Somit war – wie schon kurz nach dem Vorfall vom 9. Februar 2016 angenommen – menschliches Fehlverhalten ursächlich. In einem solchen Fall ist in der Regel der Fahrdienstleiter als Erster für die Signalstellung in Haftung zu nehmen. So einfach macht es sich die Staatsanwaltschaft! Hier stellt sich jedoch schon die Frage: Ist er der Alleinschuldige? Als Autofahrer darf ich nach Streckenfreigabe durch die LZA bei Grün trotzdem nicht losfahren, wenn offensichtlich ist, dass die Fahrbahn nicht frei ist! Wieso hat der Lokführer des Zuges Kolbermoor–Bad Aibling nicht mitbekommen, dass der Zug aus Bad Aibling nicht in den Kolbermoor-Bahnhof einlief? Hat er gepennt und warum wurde diese Diskrepanz vom Lokführer (Kolbermoor) nicht beim Fahrdienstleiter moniert? In meinen Augen ist in erster Linie dieser Lokführer für das eingetretene Desaster hauptverantwortlich!

Kurt Gottschlich München

Ich finde es nicht in Ordnung, wenn eine einzelne Person ein Sicherheitssystem außer Funktion setzen kann. Anschließend aber kein geordnetes System besteht, eine Fehlentscheidung sofort rückgängig zu machen. Im Anlagen- und Maschinenbau muss gemäß MaschRL §202 jede Maschine an jeder Bedieneinheit eine Nothalt-Einrichtung haben. Bin mir sicher, dass es technisch möglich wäre, an der Leitstelle jedes Fahrdienstleiters für den verantwortlichen Streckenabschnitt diesen mit einer Nothalt-Einrichtung zu versehen. Und wenn zum Beispiel die Energieversorgung abgeschaltet wird. Im Anschluss wird mindestens einer der Züge per Funk an die nächste Ausweichmöglichkeit zurück beordert. Wir haben ein Eisenbahnbundesamt mit Spezialisten, und ich bin mir sicher, dass diese hier nicht untätig bleiben. Ich wünsche uns allen, dass hier eine Entscheidung getroffen wird, die solche oder ähnliche Ereignisse wie jetzt das Zugunglück in Bad Aibling oder vor 41 Jahren in Warngau unmöglich machen.

Anton Faltlhauser Bruckmühl

Dieses furchtbare und unvorstellbare Zugunglück war allein kein Einzelversagen! Es war vielmehr eine Folge von zahlreichen nicht akzeptablen Gegebenheiten. Tatsache ist, dass diese eingleisige Bahnstrecke regelmäßig gewaltig überlastet war und immer noch ist. Zugverspätungen sowohl in Richtung Rosenheim, als auch über Kreuzstraße, Holzkirchen in Richtung München sind sehr zahlreich und seit langem vor allem bei den täglichen Berufsreisenden mehr als bekannt. Aufgrund dieser Gegebenheiten ist es schon fast ein Wunder, dass nicht schon früher irgend ein anderes Unglück passiert ist. Die alleinige Verantwortung für den bisherigen Nichtausbau zu einer zweigleisigen Bahnstrecke tragen allein seit Jahren die bestens bekannten Politiker. Die verantwortlichen Namen sind bekannt. Diese geben lieber Milliarden von unseren Steuergeldern für sündteure Lobbyprojekte, wie zum Beispiel die umstrittene 3. Startbahn im Raum Erding oder den zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnel aus. Und solche milliardenschweren Fehlinvestitionen können leider noch weiter aufgeführt werden.

Helmut Gall München

„Zugunglück war Einzel- versagen“; Titelseite, Dirk Walter: „Der Faktor Mensch“; Kommentar, Marcus Mäckler: „Ermittlungen gegen Fahrdienstleiter“; Bayern 17. Februar 

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