Pflichtbewusst

Ältere verzichten aus Scham; Titelseite 23. November

Zum Thema Altersarmut wird immer wieder in Ihren Artikeln hauptsächlich zuerst die Tatsache selbst ausführlich beschrieben und dann folgen Ratschläge, was die heutigen Arbeitnehmer dagegen tun könnten und sollten. Als Rentnerin vermisse ich aber die Begründung, warum immer mehr Rentner schuldlos in würdelose Altersarmut geraten sind und sich die Situation noch weiter verschlimmern wird. Die Arbeitnehmer meines Jahrgangs 1941 haben jeden Monat von ihrem Gehalt brav ihre Rentenbeiträge einbezahlt im guten Glauben und der Zusicherung der Politiker, dass damit ein sorgenfreies Rentnerdasein abgesichert wird. Wenn man es sich darüber hinaus von seinem Einkommen leisten konnte, legte man monatlich zusätzlich 50 oder 100 DM auf sein Sparbuch, um damit ein Polster für Unvorhergesehenes im Rentenalter zu schaffen. Heute – durchschnittlich 35 Jahre später – bedeuten diese angesparten DM-Beträge nach Steuer nur noch die Hälfte an Kaufkraft. Damit konnte man damals nicht rechnen. Die Ersparnisse reichen heute nicht mehr für ein Leben außerhalb der Altersarmut. Wir können die Zeit nicht mehr zurückdrehen und müssen unverschuldet Altersarmut erleben, obwohl wir doch in gutem Glauben pflichtbewusst vorgesorgt hatten. 

Gudrun Moll Gräfelfing

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