Auch geübten Autofahrern ist ein Fahrsicherheitstraining zu empfehlen

Alle müssten langsamer fahren; Leserbriefe 2. Dezember

Da haben wir es ja wieder: Der böse Baum war also schuld und im Weg, als ein unerfahrener Fahranfänger mit viel zu hoher Geschwindigkeit von der Fahrbahn abkam! Dieses Auto hätte sich ohne Baum dann eben mehrere Male im Feld überschlagen – niemand weiß, wie viele Tote es dann gegeben hätte. Langsamer bzw. angepasster fahren wäre mit Sicherheit besser. Noch besser wäre ein Stufenführerschein, wie es bei den Motorradfahrern seit vielen Jahren praktiziert wird. Mit einer Staffelung nach Kilogramm Fahrzeuggewicht pro PS, etwa zum Beginn nicht weniger als 15 kg/PS. Unsere Politiker sind doch sonst so einfallsreich, wenn es um Vorschriften geht. Oder will die Automobilindustrie keine solchen Produkte verkaufen? 

Georg Berwanger Großpienzenau

Das ist nicht zu toppen: Jetzt sollen auch noch Bäume als mögliche Unfallquellen für Raser gefällt werden! Warum eigentlich nicht – besonders für bestimmte Fahrzeugtypen – ganze Rennpisten ausweisen, rechts und links davon alles niederwalzen, was sich einem vielleicht mal in den Weg stellen könnte bei einer der vielen Wahnsinnstouren? Nebenbei: Ich selber als Defensivfahrerin reagiere auf Drängeln, Schimpfen, Hupen und Lichthupen mit weiterer Verlangsamung. Der Straßenverkehr nimmt sehr traurige Züge an. 

Dr. Aglaia Gietl Karlsfeld

Nach den schweren Unfällen der letzten Zeit mit Toten und Verletzten, verursacht von jungen Fahranfängern ,wird wieder viel darüber diskutiert um die Ursachen und wie man das vermeiden könnte. Warum ist es eigentlich nicht schon längst Pflicht, dass Fahranfänger ein Fahrsicherheitstraining absolvieren müssen? Die Automobilindustrie wirbt mit den scheinbar immer sicher werdenden Autos. Der beste im Crashtest, ABS, ESP, ASR, Notbremsassistent und so weiter. Das sind alles sehr nützliche und gute Features, aber es erzeugt auch ein trügerisches Gefühl der Sicherheit, es wird dabei oft vergessen, egal welche und wie viele elektronischen Fahrhilfen sie im Auto haben, eines können die nicht – nämlich die Grenzen der Physik außer Kraft setzen. Jeder muss einmal erleben, wie es ist, diese Grenzen zu überschreiten, denn nur dann wird einem bewusst, welche Kräfte da freiwerden. Bei Fahrsicherheitstrainings wird auf sicherem abgesperrtem Gelände aufgezeigt, was passiert und wie schnell es gehen kann, dass ein Fahrzeug eine nicht mehr kontrollierbare Dynamik entwickelt. Auch für einen Fahrer, der das schon x-mal geübt hat, ist es sehr schwer, ein Fahrzeug wieder unter Kontrolle zu bringen. Ein ungeübter Fahranfänger – null Chance! Bei solchen Fahrsicherheitstrainings habe ich Menschen kennengelernt, die von sich behaupteten, gute Autofahrer zu sein, und dann ganz kleinlaut wurden, nachdem einige Fahrübungen auf rutschigem Untergrund absolviert waren. Kommentare: Das habe ich mir so nicht vorstellen können, wie schnell das geht, was da passiert und wie schwer es ist, das zu kontrollieren. Fazit: In den Fahrschulen wird mehr oder weniger das Fahren beigebracht, aber nicht das Erkennen und Erleben von Grenzsituationen. Auch vielen geübten Autofahrern würde das mal nicht schaden. Fahrsicherheitstrainings kosten so zwischen 100 und 150 Euro und dies ist im Verhältnis zu den Führerscheinkosten ein kleiner Beitrag zu viel mehr Sicherheit. 

Hans Altenberger Kochel am See

Leider haben sich in den letzten Tagen zwei schwerwiegende Verkehrsunfälle ereignet, bei denen junge Menschen zu Tode kamen. In beiden Fällen waren zu hohe Geschwindigkeiten und Unachtsamkeit der Fahrer ursächlich für diese Unfalltragödien. Leider werden keine entsprechende Maßnahmen zur Unfallverhütung unternommen. Leser Walter Lukas fordert, dass einzelne Bäume entfernt werden sollten. Ich sage nein, die Bäume müssen stehen bleiben und sogar aufgeforstet werden. Die Bäume können nichts dafür, wenn sich Autofahrer im Straßenverkehr nicht richtig verhalten. Wenn, wie bei einem Unfall, ein Auto mit circa 150 km/h von der Straße abkommt und kein Baum am Straßenrand steht, überschlägt es sich mehrmals und bleibt vielleicht im Straßengraben liegen. Auch hier werden wahrscheinlich Menschen getötet, zumindest jedoch schwerst verletzt. Für die teilweise fast schon zu Rennstrecken ausgebauten Bundesstraßen müsste ein Tempolimit eingeführt und auch überwacht werden. Zudem sollten endlich mal vernünftige Leitplanken aufgestellt werden, die ihre Bezeichnung auch verdienen. Weiter wäre auch mal die Autoindustrie gefordert, ihre Werbung entsprechend zu ändern. Wird ein neues Modell vorgestellt, wird mit den viel zu niedrig angegebenen Verbrauchswerten geworben, welche Höchstgeschwindigkeit erzielt wird, wie stark der Motor ist und wie lange das Fahrzeug von 0 auf 100 sprintet. In unserem dichten Straßenverkehr sind solche Werte nicht mehr gefragt. Die größte Fehlerquelle ist leider der Mensch selbst, viele von den Autofahrern kennen den Sinn des Wortes „Eigenverantwortung“ nicht. Dies zeigt sich an den unzähligen unsinnigen Überholmanövern, die außer der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer nichts bringt. Rücksichtslosigkeit und Egoismus herrscht auf unseren Straßen. Ein anderer Leserbriefschreiber fordert sogar, dass Tests für ältere Autofahrer eingeführt werden sollten. Andere fordern sogar eine Drosselung der Fahrzeuge älterer Verkehrsteilnehmer. Wenn Eignungstests, dann für alle. Das Alter des Verkehrsteilnehmers lässt nicht automatisch auf dessen Fahrkönnen schließen. Wann fängt unsere Autoindustrie und die Politik damit an, endlich vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, um solche verheerenden Unfälle zu verhindern, oder zumindest deren Folgen. 

Werner Schilcher Peißenberg

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