Mit weißblauem Herzblut

Dirk Walter: Professoren wollen Bairisch retten; Titelseite, Bedrohtes Bairisch; Kommentar 21. Februar

Geboren in Passau (Niederbayern) und seit Langem wohnhaft im nahen Umfeld von München kann ich mich also als reine Bayerin bezeichnen und beherrsche also unseren bayerischen Dialekt. Seit über 40 Jahren mit einem Schlesier verheiratet, der lange bei Hannover lebte und so spricht, bin ich also auch der deutschen Schriftsprache mächtig, auch lingual. Aber meinen bayerischen Tonfall beherrsche ich nach wie vor absolut und bin stolz darauf! Unser Sohn ist gebürtiger Münchner, unsere Tochter aus beruflichen Umzug nach Hessen dort geboren, aber dann hier nach erneutem Umzug aufgewachsen und zur Schule gegangen u. mit einem echten Münchner verheiratet, spricht also beides, im Grunde die ganze Familie. - Es ist sehr interessant, wie die verschiedenen Dialekte und Umgangssprachen zustandekommen; durch angeheiratete Familien-Mitglieder, durch berufliche Veränderungen und Schüleraustausch der Kinder und kulturelle Erlebnisse in anderen Gegenden Deutschlands. Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass man sich die Welt tolerant ansehen und anhören sollte, wobei man seinen Ursprung und die damit verbunden Eigenheiten bewahren sollte.- Was noch sehr interessant ist - durch meine Kindheit in Passau an der österr. Grenze ist mein Dialekt wohl noch etwas gefärbt davon und ich werde noch manches mal darauf angesprochen. Das Thema Dialekte ist also doch sehr vielfältig und interessant. 

Inge Schael Geretsried

Ein Kompliment dem „Merkur“, dass er dass Thema „Bairische Sprache“ so facettenreich und mit so viel weißblauem Herzblut behandelt hat! Danken möchte der Altbayer auch den 14 Professoren der TU München, die sich für unsere Sprache eingesetzt haben. Nachdem über Generationen hinweg die Schulen und Universitäten in unserem Land eher als Mundartvernichtungs-Agenturen gewirkt haben, ist das ein Lichtblick. Schade ist es nur, dass sich kein namhaftes Mitglied der Ludwig-Maximilians-Universität den Kollegen der TU angeschlossen hat. Sind sich Geisteswissenschaftler immer noch zu fein für den Dialekt? Freilich wäre unserer bedrohten Sprache noch mehr gedient, wenn sich die Professoren konkreter geäußert hätten, etwa mit der Forderung an den Heimatminister, die bayerischen Dialekte und Mundarten dezidiert unter den Schutz unserer Verfassung zu stellen. Bis dieses Verlangen - hoffentlich - Realität wird, ist jeder gefordert, dem die Zukunft unserer Sprache am Herzen liegt. Bairisch ist ja vor allem deshalb bedroht, weil sich allzu viele Dialektsprecher auch in Alltagssituationen in der Hochsprache ausdrücken. Da ist die Oma, die sich verzweifelt müht, nach der Schreibe zu reden, um dem Enkel die Welt zu erklären. Nur ja kein falsches Wort, damit die Eltern, die den Kleinen gleich aufs Gleis in Richtung Abitur setzen wollen, nichts auszusetzen haben! Da ist der Gemüsehändler, der sofort ins Hochdeutsche wechselt, sobald ein Nordlicht seinen Laden betritt. Nur ja keinen Kunden vergrätzen! Schon bein zweiten Nordlicht etikettiert er sein Sortiment um. Statt Blaukraut gibts dann nur noch Rotkohl. Da ist aber auch der Gastwirt, dessen Speisekarte eine Sprache spricht, die alles andere als bairisch ist. Zupft man ihn am Ärmel, dann heißt es: „Des miassen mir so macha wega de Preissn!“ Es ist manchmal zum Verzweifeln. Ausgerechnet der Bayer, dieser Kraftlackl unter den deutschen Stämmen, ist so ein Schisser, wenn es um seine wunderbare und überall beliebte Sprache geht! Nur wenn´s nix kost und wenn´s um nix geht, dann plärrt er lauthals: Mia san Mia. 

Dr. Franz Sonnenberger München

Was bitte ist daran verwerflich, wenn man von einem Schlossführer erwartet, dass er einen möglichst dialektfreien Ausdruck in deutscher Sprache mitbringt. Bisher war ich davon ausgegangen, dass Ausführungen eines Fremdenführers auch von der nicht-bayerischen Bevölkerung verstanden werden können. 

Manfred Aßmus Peißenberg 

Von Anderen lernen! Im Jahr 2002 feierte das Land Baden-Württemberg das 50-jährige Bestehen. Ein Motto lautete: „Wir können alles. Außer hochdeutsch.“ Gruß von einem Badener in München. Sie erkennen mich an meinem schönen kurpfälzischen Dialekt.

Armin Goldschmidt München

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