Versöhnung dem Tempelberg

Tempelberg-Auftritt nicht gut vorbereitet; Titelseite 13. Dezember

Wer beim Kontakt mit anderen Religionen das Kreuz ablegt, um – wie Kardinal Marx sagt – nicht zu provozieren, verkennt die Symbolik des Kreuzes als Wesenselement unseres christlichen Glaubens. Das Kreuz kann man nicht beliebig an- oder ablegen wie eine Krawatte oder einen Faschingsorden. Leider zeigten sich die Amtskirchen schon immer sehr flexibel, wenn es darum gegangen wäre, den christlichen Glauben standhaft zu vertreten. Erinnern möchte ich hier nur an das beschämende Einknicken vieler Kirchenoberer vor den Nationalsozialisten in der Zeit des 3. Reiches. Während aufrechte Geistliche für ihren Glauben Verfolgung und Tod in den Konzentrationslagern auf sich nahmen, arrangierte sich die Amtskirche mit dem NS-Regime. Wer das Kreuz als Zeichen der Nachfolge Christi ablegt, fördert nicht die Gemeinschaft zwischen den Religionen, sondern wird von diesen höchstens belächelt und als nicht standhaft im Glauben eingestuft. 

Kurt R. Hiller München

Für mich sagen die Reaktionen zum Tempelberg-Auftritt der Deutschen Bischöfe, welch armseliges Christentum wir teilweise immer noch sind. Als gäbe es in der Welt und im Christentum keine wirklichen Themen die angegangen werden müssen. Die Angriffe auf die Bischöfe und das ganze Aufbauschen empfinde ich als erbärmliches Verhalten. Ich freue mich als 19maliger Jerusalempilger im Herzen über den friedvollen und versöhnenden Auftritt auf dem Tempelberg. Die Spuren des unverschämten Verhaltens der Kreuzzügler mit Kreuz im heiligen Land sind dort immer noch gegenwärtig. Dann und grundsätzlich lieber mit einem friedlichen Herzen, als mit einem Kreuz auftreten. Danke, dass einem solchen engstirnigen Teil des Christentums immer mehr selbst denkende Leute den Rücken kehren. Liebe Bischöfe, schade dass Ihr Euch mit solchen Problemen befassen müsst. 

Hans Graßer St. Wolfgang

Man spricht, manchmal leichtfertig von einem sogenannten Kardinalfehler und weiß sogar nicht recht, was einer in Wirklichkeit ist. Nun was wir jüngstens erlebten, dass beide Kirchenoberen beider Konfessionen im Eifer des Ökonomiegedussel glaubten, dass dasselbe zu tun richtig sei – in dem sie ihre Attribute, das Kreuz, wohl gemerkt das Brustkreuz ablegten. Die Erklärung unseres Erzbischofs ist Klage, ja kläglich hierzu. Von seinem Amtsbruder, dem evangelischen Bischof erwarte ich ohnehin keine Erklärung, weil er mich nichts angeht. Dass Kardinal Marx nicht im Purpur nach Jerusalem geht, ist selbstverständlich.

 Hannes Heindl Freising

Allmählich drängt sich bei Herrn Kardinal Marx der Eindruck auf, dass er sich um Kopf und Kragen redet. Er wird wohl lernen zu akzeptieren, dass ein nicht kleiner Teil der Christen es nicht richtig findet, dass die beiden hochrangigsten Bischöfe Deutschlands in ökumenischer Gemeinschaft für den Besuch des Tempelbergs in Jerusalem die goldenen Bischofskreuze ablegten. Ich bin der Meinung, sie sollten die goldenen Kreuze sowieso für immer ablegen und zu einem alltäglichen Material greifen: Eisen, Holz, Stein usw. Jesus Christus schleppte ein Holzkreuz, er wurde grausam daran genagelt, da war nix von Pracht und Edelmetall zu spüren. Was sollen Insignien des Bischofsamts aus Gold wie Brustkreuz, Ring oder Bischofsstab. Es wäre endlich an der Zeit, zu Jesus umzukehren und seinen Stil zu pflegen, aber offensichtlich ist kein Bewusstsein dafür vorhanden… Wer war denn nun verantwortlich für die schlechte Vorbereitung, Herr Kardinal? Einer der Referenten oder Sekretäre vielleicht. Wenn ich auf den Tross der Presse und meine Entourage (= „Gefolge“) verzichte, dann provoziere ich meiner Meinung nach als Beter niemanden, wenn ich aber glaube, dass ich den Tempelberg-Auftritt vor den Augen der ganzen Welt brauche und habe es nicht im Kreuz, das durchzustehen, besteht die Gefahr der Blamage. Papst Benedikt war in der Hagia Sophia und trug sein Brustkreuz und niemand fühlte sich provoziert. Das Ärgernis liegt doch in der Art des des Auftretens, der ganz ganz großen Bühne, welche die Bischöfe brauchen. Gleich nach dem Jerusalem Besuch las sich dies in der dieser Zeitung übrigens ganz anders, da war nie und nimmer von schlechter Vorbereitung die Rede, da konnte man sich gar nicht genug des vollen Erfolgs rühmen. Seltsam, beim Gespräch mit dem israelischen Staatspräsidenten Reuben Rivlin tragen beide Bischöfe ihre Kreuze, ist ja Zeichen ihres hohen Amts. Na ja, den Präsidenten und Israelis konnten sie ja nicht provozieren. 

Valentin Niedermeier Wörth

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