Böhmermanns markige Wortwahl

Böhmermanns Satire hätte wohl ohne die markige Wortwahl nicht funktioniert.

Böhmermann hat damit ja nur die Bühne bereitet, auf der jetzt alle spielen. Ihm ist damit ein genialer Schachzug gelungen, bei dem alle über das Stöckchen gesprungen sind, dass er hingehalten hat. Die überzogen derbe Wortwahl war wohl ein Muss, um die gewollten Reaktionen zu erzeugen, damit die Geschichte den Lauf nimmt, den sie jetzt hat. Für mich eine geniale Idee und ein Meisterwerk, das gerade erst begonnen hat und uns in den nächsten Wochen bestimmt noch einige spannende Eindrücke in die Politik liefert. Es ist nicht einem der von Ihnen genannten „exzellenten“ Kabarettisten gelungen, in nur annähernder Weise auf die aktuellen Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei hinzuweisen und gleichzeitig Regierungen der Lächerlichkeit preiszugeben. Warten wir ab, ob die Bundesregierung dem Strafantrag gegen Böhmermann einleitet. Ich freue mich auf die weitere Entwicklung. Danke Herr Böhmermann, das ist schützenswerte Kunst!

Marcus Kreinz Garmisch-Partenkirchen

So nun streitet eine ganze Nation (Denker und Dichter!) darüber: Was ist eine Beleidigung und was ist Satire. Ich war mein ganzes Leben lang stolz und bin es auch noch nach 87 Jahren, einfach ziemlich normal geblieben zu sein und Ihr könnt mir glauben, in dieser verrückten Welt ist dies gar nicht so leicht. Eine Aneinanderreihung von Schimpfwörtern à la Böhmermann ist weder Satire noch Kunst, noch bedarf es des Schutzes im Rahmen der Pressefreiheit, die verdient Besseres! Wenn der tapfere Herr Biedermann sich so stark für Pressefreiheit einsetzen will, dann sollte er schleunigst nach Istanbul fliegen und vor dem Amtssitz des Präsidenten Erdogan lauthals demonstrieren und gemeinsam mit den Trittbrettfahrern Didi und Welke ihre kunstvollen satirischen Ergüsse vortragen. Dort werden diese sicherlich die gewünschte Wirkung erzielen. Da ich auch ein Satiriker bin, sag ich im Rahmen unserer so geliebten Pressefreiheit mit allem Respekt : Herr Böhmermann, Ihre sogenannten Fans – einfach geistige Proleten. Unsere arme Angela hat nun die Qual der Wahl zwischen Pest und Cholera. Pressefreiheit oder eventuell wieder eine Million Flüchtlinge mit Hunderten Toten bei der Überfahrt nach Griechenland, ein zerstrittenes Deutschland und und? Besser Sie gehen einfach, dem Gesetz entsprechend freiwillig drei Monate in den Knast und werden danach (unverdienterweise) als Held oder gar Märtyrer gefeiert!

 Frank Steinhofer Pähl


Man darf Erdogan keine Plattform geben, dass er von seinem widerlichen und gemeinen Vorgehen gegen Christen in seinem Land ablenken kann. Man darf vor ihm aber auch nicht in die Knie gehen, nur weil man von ihm in der Flüchtlingsangelegenheit abhängig ist. So viel Nationalstolz muss sein.

Sebastian Springer Schalldorf

Was erlaubt sich Herr Erdogan, klar gibt es im Strafrecht nach § 103 a den Tatbestand der Beleidigung ausländischer Politiker, aber nur wenn er anwesend ist. War hier nicht der Fall. Die Zustimmung von Frau Merkel ist leider nichts anderes, als vor diesem Despoten zu kuschen. Eine Einmischung in unsere Pressefreiheit aus dem Ausland darf nicht sein. Zustände wie in der Türkei in Bezug auf die Freiheit von Presse wie unter Erdogan darf in Deutschland nicht stattfinden.

Peter W. Hoyer Haar

Was darf Satire? Wo sind die Grenzen zwischen Satire und Schmähkritik? Diese Fragen werden zur Zeit wieder einmal heftig diskutiert. Nach Kurt Tucholsky darf Satire bekanntlich alles, nach den Vorstellungen so mancher Potentaten und Autokraten so gut wie nichts, zumindest dann, wenn es um sie selbst geht. Im Zusammenhang mit der angesprochenen öffentlichen Debatte möchte ich an ein kleines Büchlein von Stefan Heym erinnern: „Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe“. Eine besonders vergnügliche und aufschlussreiche Lektüre gerade im Hinblick auf die derzeit so aufgeregt geführte öffentliche Auseinandersetzung! Überhaupt: Stefan Heym - für mich einer der ganz Großen der deutschsprachigen Literatur - findet leider viel zu wenig Beachtung. Ich denke da zum Beispiel an das Buch „Der König David Bericht“, das, ebenfalls hochaktuell, den Konflikt zwischen objektiver Geschichtsschreibung und Hofberichterstattung so trefflich thematisiert.

Hans Schütz Peiting

Und ihr wollt in die EU? Dass Recep Tayyip Erdogan und sein Gefolge in einer unerträglichen Weise gegen regimekritische Journalisten im eigenen Land vorgehen, ist schon schlimm genug. Dass er sich aber jetzt noch in die Meinungsfreiheit in einem anderen Land einschaltet, ist ein absolutes No-Go für den doch so sehnsüchtig geforderten Beitritt in die Europäische Union. So schlimm verhält sich ja nicht einmal der nordkoreanische Autokrat Kim Jong-un, der Regimekritiker nur im eigenen Land – wenn auch meist recht drastisch – ausschaltet.

Jürgen Tross Freising

Herr Erdogan nimmt mit Humor jeden Beitrag der bevor, zwischen ihm und dem Journalist, er veröffentlicht wird, abgesprochen ist. Sorry Frau Merkel, aber das geht sie nichts an, wenn hier bei uns Herr Böhmermann nicht der gleichen Meinung ist wie sie, das nennt man nämlich Demokratie. Natürlich kann der Erdogan zivilrechtlich klagen gegen Böhmermann. Denn die Beleidigung war ja persönlich und dafür gibt es eine Geldstrafe gewöhnlich. Im Kindergarten würden die Kleinen über so viel Dummheit weinen. Also Schluss mit diesem Mist, weil Meinungsfreiheit unantastbar ist.

Helmut Weicker München

Allein schon der Umstand, dass „Merkels fürchterlicher Freund“ (O-Ton Spiegel) in seiner Verbalnote die Bundesregierung auffordert, gegen den deutschen Satiriker Böhmermann Strafanzeige zu stellen, spricht Bände und zeigt, wessen Geistes Kind der türkische Freund ist, der partout nicht kapieren will, dass wir in Deutschland und nicht in der Türkei sind. Reichen ihm die abgepressten sechs Milliarden Euro für seinen schäbigen Menschenhandel nicht aus? Selbst wenn Böhmermanns Schmähgedicht nicht gerade gentleman like ist, so sollte die Bundeskanzlerin im vorliegendem Falle das tun, was sie am besten kann, nämlich die Sache aussitzen und keinesfalls den Kotau vor dem selbst ernannten Sultan in Erwägung ziehen.

Jürgen Engelhardt Stephanskirchen

Nur eine bescheidene Frage: Mit welchen rigiden Maßnahmen haben Sie sich, verehrte Frau Bundeskanzlerin, damals gegen die vielfache Nazi-Satire in griechischen Zeitungen gewehrt? Sie wurden schließlich als Hitler mit deutlichem Hakenkreuz verunglimpft – eine größere Schande könnte doch Ihnen und uns als Ihr Volk nicht widerfahren, oder?

Marlis Thumm München

Erdogan-Satire: Berlin prüft Klage; Titelseite, Rudolf Ogiermann: Ein Witz; Kommentar, Kristina Dunz: Kunstfreiheit und Politik, Tatjana Kerschbaumer: Krawallkomiker und Spießbürger; Medien 12. April

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