Nur zur Heimatverteidigung

„Leyen: 130 Milliarden für die Truppe“; Titelseite 27. Januar

Die Truppe kaputt gespart. Die viertgrößte Industrienation der Erde, einer der größten Waffen-Exporteure weltweit leistet sich selbst ein Militär, das den eigentlichen Auftrag, das Land zu verteidigen, nicht einmal ansatzweise leisten könnte. Nicht an den Soldatinnen und Soldaten liegt die Schuld, sondern die Bundeswehr ist in den letzten Jahren von unfähigen Politikern geführt und dann noch kaputt gespart worden. Dazu kommen die internen Umorganisationen mit Auflösungen von Einheiten usw. Die Verteidigungsminister und dazu die zuständigen Beamten werden nach Parteizugehörigkeiten ausgesucht, hier kann man annehmen, dass Qualifikationen dazu sicherlich nicht immer berücksichtigt werden. Minister, meist ohne eigenen Wehrdienst geleistet zu haben, geben dann die Richtung an. Was dann dabei rauskommt, das Ergebnis ist bekannt: weiter noch zu einer Spararmee heruntergewirtschaftet. Zuletzt dann noch die Dame, die kam, sie versucht zwar ihr bestes, aber das erste war ein Besuch in einem Bundeswehr-Kindergarten zum Ringelreihen und Sackhüpfen, das sagt viel über die Prioritäten aus. Jetzt sind unsere Soldaten an 17 verschiedenen Orten auf der Welt zu Friedensmaßnahmen, wie es heißt, dies alles zum Teil mit fraglichem Material. Außerdem sollten wir uns sowieso aus Kriegen raushalten, die von der USA angezettelt wurden. Die Bundeswehr ist zur Heimatverteidigung da.

Manfred Rieger Maisach

Mit Entsetzen lese und höre ich, was unsere Möchtegern Kriegs-Ministerin an neuen Ideen aus ihrer Kiste zaubert. Gestern ließ sie verlauten, dass sie zukünftig weniger als bisher den Interessen der Rüstungslobbys dienen wolle, sondern auch vermehrt Rücksicht auf die Interessen der Bundeswehr nehmen möchte. Ein guter Vorsatz! Er kommt, wie so vieles, bestimmt aus der PR-Abteilung ihres Ministeriums. Und der IP-Stab ist vermutlich genauso wie weitere Referate, die ihr unmittelbar zuarbeiten, auch mit externen Beratern besetzt, mit denen sich Frau von der Leyen ja bevorzugt umgibt. Inzwischen wurde, wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, sogar der Schutz der Daten und des Wissens der Bundeswehr weitgehend von einer US - dominierten Unternehmensberatung übernommen. Mit Wehmut denke ich an meine fast 19-jährige Dienstzeit in einer Bundeswehr von 1974 bis 1993 zurück. In der 1. Gebirgsdivision – ich war dort 1988 Leiter der Generalstabsabteilung 2 – hatten wir wesentlich mehr Panzer, als die Bundeswehr heute nutzt. Unsere Panzer waren fast alle ständig einsatzbereit, und ich kann mich sehr gut daran erinnern, als der Divisionskommandeur den Leopard II bei einer dynamischen Waffenschau in Landshut einer Abordnung des US-Kongresses präsentierte. Die „US Staff Aids“, also die jungen Berater des Kongresses und der Politik, und der US-Botschafter erkannten sofort: Die Bundeswehr ist eine voll einsatzbereite und motivierte Truppe mit hochwertiger Ausrüstung – militärisch und technologisch den US-Streitkräften mehr als ebenbürtig! Aber wo steht die Bundeswehr heute im Vergleich mit den Streitkräften anderer Nationen? 1992/93 war ich als Leiter der Generalstabsabteilung 3 mit meinem Stab verantwortlich für die Auflösung der Panzergrenadierbrigade 22 Oberland in Murnau. Wir „haben es geschafft“ mit dem verbliebenen Personal und knappem Budget nahezu alle Panzer, Schützenpanzer, Geschütze und, Radfahrzeuge in einsatzbereitem Zustand zu übergeben. Aber wie sieht die Einsatzbereitschaft des Großgeräts der Bundeswehr heute aus? Nach Erfüllung meines Konversions-Auftrags in Murnau schied ich auf eigenen Wunsch aus dem aktiven Dienst aus und übernahm als Reservist sofort das Kommando über das Heimatschutzbataillon „Schwaben“ in Donauwörth. Anfangs durften wir noch mit Volltruppe üben. Als die Budgets immer knapper wurden und kaum mehr für Indianerspiele mit dem Kaderpersonal ausreichten, gab ich das Kommando zurück. Jeder Reservist, der in einer zivilen Leitungsposition oder als Selbständiger sein Geld verdient, weiß, dass eine Wehrübung immer auch Geld aus der Privatschatulle kostet. Das leisten sich auch die Motiviertesten nur so lange, wie sie davon überzeugt sind, dass Reservisten ernst genommen werden und eine wichtige nationale Aufgabe zu erfüllen haben. Wenige Jahre später wurde das Heimatschutzbataillon aufgelöst – politisch als überflüssig abgestempelt. Heute wären wir vermutlich froh, wenn wir noch eine ausreichende Anzahl gut ausgebildeter Reservisten hätten, und der Schutz der Heimat würde jetzt durchaus Sinn machen, Frau von der Leyen! Sie aber sorgen lieber in Syrien und weiteren Ländern im Verbund mit anderen Willigen dafür, dass noch mehr Flüchtlinge zu uns kommen werden. Genauso wie Frau von der Leyen, bin ich allerdings überzeugt, dass sich in der Bundeswehr sehr viel ändern muss! Zuerst sollte man allerdings den Kopf austauschen und den immer noch sehr gut ausgebildeten Führungsgehilfen – Generalen und Offizieren im Generalstabsdienst – wieder verstärkt Gehör schenken. Duldet die Ministerin nur noch Abnicker, Kuscher und Jawoll-Sager in ihrem Dunstkreis? Um solche zu erziehen, sind zwei Jahre Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr sicher zu teuer. Vielleicht greift UvdL deshalb bevorzugt auf in Elite-Universitäten sozialisierte Consultants zurück, die für spätere Management-Positionen in der Rüstungsindustrie vorbereitet werden? Auf eine Antwort – selbst verfasst von Frau von der Leyen – würde ich mich sehr freuen.

Wolfgang Haas Gaißach

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