Risiko für deutsche Piloten

„Syrien-Einsatz offiziell gestartet“; Titelseite 7. Dezember

Monsieur Hollande schnalzt mit dem Finger und Madame Merkel schickt deutsche Tornados. Meine Kriegserinnerungen reichen bis in die ersten Mai-Tage 1945 zurück. Ich war Zeuge, wie junge gut genährte amerikanische GIs unseren abgekämpften Soldaten mit unbeschreiblicher Verachtung die letzten Waffen abnahmen. Damals habe ich geschworen, in Zukunft ausschließlich Jagdgewehre in die Hand zu nehmen. Unser Bundespräsident hat in den beiden letzten Jahren von Frankreich über Italien und Polen bis nach Griechenland im Büßergewand halb Europa bereist und keine Mühe gescheut, alle nur möglichen Untaten der deutschen Wehrmacht im zweiten Weltkrieg wach zu halten. Was nie zur Sprache kam, dass es sich dabei meist um Repressalien als Reaktion auf zuvor an unseren Soldaten begangenen Partisanenangriffe handelte. Jetzt sollen also trotzdem wieder deutsche Soldaten an die Front. Im Syrien kämpfen bekanntlich Truppen von Assad gegen Aufständische und diese wiederum gegen Assad und neuerdings auch gegen den IS. Irgendwie bekämpfen sich alle drei Parteien auch noch untereinander. In der vergangenen Woche hielt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Münchner Wirtschaftsgespräche“ ein hoher Offizier und langjähriger Berater von Frau Merkel einen Vortrag zum Thema „Deutschland und die internationale Sicherheitslage“. Ein Teilnehmer wollte, unter Hinweis auf das qualvolle Ende eines von dem IS abgeschossenen Piloten, von dem Referenten wissen. wie groß das Risiko für einen abgeschossenen deutschen Piloten sei? Der General wischte diesen Hinweis mit eine Handbewegung locker vom Tisch. Ein (deutscher) Kommandeur, der dann vielleicht einen abgeschossenen Tornado bombardieren lässt, sollte sich zuvor tunlichst an den grotesken Prozess erinnern, der dem deutschen Oberst Klein nach der von ihm angeordneten Bombardierung eines Tanklastzugs in Afghanistan gemacht wurde. Auf die völlig abwegige Situation, dass gleichzeitig hunderttausende junger wehrfähiger Syrer und Iraker nach Deutschland kommen, haben völlig zurecht verschiedene Leserbriefschreiber schon mehrfach hingewiesen. Nachdem der Einsatz deutscher Soldaten dort von vorneherein gegen Partisanen gerichtet ist, vermisse ich schmerzlich den mahnenden Zeigefinger unseres doch sonst sehr redefreudigen Bundespräsidenten.

Dr. Gotthard Schubert München

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