Faktenbasierte Entscheidungen treffen

Seehofer will Diesel stützen; Titelseite, Martin Prem: Placebo mit Nebenwirkung; Kommentar, Wie Stickoxide zum Sündenbock wurden; Im Blickpunkt 31. Juli

Vielen Dank für die klaren Worte zum Thema Schadstoffe aus Dieselmotoren. Es ist langsam unerträglich, auf welch unwissenschaftlichem Niveau politische und jetzt auch noch juristische Entscheidungen getroffen werden. Es ist gerade symptomatisch für nahezu die gesamte Umweltdiskussion, sich nur noch nach Stimmungen, ja sogar Ideologien aus zu richten. Es ist für einen wissenschaftsorientierten Menschen langsam nicht mehr aus zu halten, wie wissenschaftliche Fakten und Zusammenhänge ignoriert werden. Ich kann als Agrarwissenschaftler und langjähriges Mitglied im Bundestagsausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein Lied davon singen. Beispiel Nitrat, Rückstände in Lebensmittel, Glyphosat, Bioprodukte, Lebensmittelqualität und ,und ,und… Ich bitte Sie herzlich, mit allen Ihnen als Medienexperte zur Verfügung stehenden Möglichkeiten weiterhin in noch stärkerem Maße zu vielen populistischen Themen Daten, Fakten und wissenschaftlich fundierte Sachverhalte in die Öffentlichkeit zu bringen. 

Dr. Max Lehmer, Dipl.Ing.agr. , Landwirt, MdB a.D.

Nach Monaten erregter Diskussion auf höchster Ebene muss eine Tageszeitung zum Kern der Sache vorstoßen. Da kann einem angst und bange werden. Wenn die mit dem angeblichen Stickoxidproblem auf den Straßen befassten Politiker den Inhalt Ihres Artikels nicht gekannt haben, sind sie unqualifiziert. Die Fachleute, die Bescheid wussten, aber geschwiegen haben, mussten wohl wegen der Interessen ihrer Arbeitgeber stillhalten. Kommt die Drohung mit Fahrverboten der Autoindustrie nicht gelegen? Die vielen alten Dieselfahrzeuge, mit denen deren Halter wegen des niedrigen Kraftstoffverbrauchs (und damit niedrigen Kohlendioxidausstoßes) hochzufrieden sind, sollten ja längst durch neu produzierte und gekaufte Autos ersetzt werden; Verschwendung von Rohstoffen und Energie ist kein Thema. 

Dr. Paul Meyer Seehausen am Staffelsee

Herr Seehofer will Anreize zum Kauf eines Diesel Fahrzeuges schaffen. „Emissionsarm“ wohl gemerkt. Liest Herr Seehofer keine Zeitung, hört er kein Radio? Schaut er nicht in seinen Fernseher, oder war er auf den Malediven zum Tauchen? Wie sonst könnte es ihm entgangen sein, dass die Autobauer diese Emissionen nur mit Betrügereien auf den Markt bringen? Und weshalb muss für die Umrüstung der Autos, die an den Tricksereien leiden, der Staat einen Fond einrichten? Wenn jemand die Autobauer unterstützen und die Fehler ausbügeln muss, dann aber bitte die eigenen Herren der oberen Etage, die mit ihren mafiösen Strukturen unglaubliche Summen aus den Betrieben ziehen, die solche Tricksereien erst notwendig machen und nicht der Steuerzahler, der ja schon einmal um sein gutes Geld betrogen wurde, indem man ihm ein schlechtes Auto verkauft hat, denn die Anreize, die unser Landesvater schaffen will, kommen ja nicht aus seiner Privatschatulle. Ich gehöre noch der Generation an, die gelernt hat, die Suppe, die man sich eingebrockt hat, auch selbst auslöffeln zu müssen, denn wo bliebe sonst der Erziehungseffekt für eine Branche, die meint, sie könne sich alles erlauben. 

Inge Wax Langenbach

Endlich traut sich jemand, einen unaufgeregten und sachlich informativen Beitrag zur Dieselaffäre zu schreiben. Es ist wohltuend, so informiert zu werden. Schade ist, dass wohl aus wahlperspektivischen Gründen so hysterisch berichtet wird. Hoffentlich werden Ihre Beiträge auch in den Redakteursstuben des Bayerischen Rundfunks gelesen. 

Wolfgang Bouché Sauerlach- Altkirchen

Zur Bewertung der Luft in Räumen hat Max von Pettenkofer schon vor fast zwei Jahrhunderten eine geniale Mess- und Bewertungsmethode entwickelt, die heute noch gilt. Zur Beurteilung der Luftqualität in stark belegten Räumen hat er aufgrund umfangreicher Untersuchungen folgenden Vorschlag gemacht (Originaltexte): „Wir haben ein Recht, jede Luft in Räumen in Folge von Atmung und Ausdünstung der Menschen als schlecht und für einen beständigen Aufenthalt als untauglich zu erklären, die mehr als 1 Promille Kohlendioxid enthält.“ Dieser Wert gilt heute noch als Richtwert und wird als „Pettenkoferzahl“ bezeichnet. Pettenkofer erläutert weiter und das sollten sich die Fachleute für die Beurteilung von Stickoxiden zum Vorbild nehmen: „Der Kohlendioxidgehalt allein macht die Luftverderbnis nicht aus, wir benützen ihn bloß als Maßstab, wonach wir auch noch auf den größeren oder geringeren Gehalt an anderen Stoffen schließen, welche sich zur Menge des ausgeschiedenen Kohlendioxids proportional verhalten.“ 

Dr. Ing. Helmut Künzel Valley

Gehen sie doch einmal in eins der großen Einkaufszentren oder ganz Einkaufs-Shopping Zentren in München oder anderen Städten. Keiner hat sich meines Wissens bis jetzt darüber beschwert das in den geschlossenen Gebäuden die Ausdünstungen und Feinstaubbelastungen nach einem Mix von verschieden Kunststoffartikeln, Gummi, Lederwaren usw. in hohen Konzentrationen verströmt werden, und vom Menschen stark konzentriert eingeatmet werden. Gehen sie mal in ein Münchner Kaufhaus und sie werden feststellen, je höher sie mit der Rolltreppe die oberen Stockwerke erreichen, die Schadstoff-Konzentration zu nimmt und um ein vielfaches höher ist als in den Untergeschossen. Dies liegt am sogenannten Schloteffekt bez. Kaminsog. Mir tun die Mitarbeiter leid die dort den ganzen Tag diesen Gesundheitsschädlichen Belastungen ausgesetzt sind. 

Siegfried Schmidbauer Eichenau

Herzlichen Dank und ein großes Kompliment für Ihre beiden hervorragenden Artikel zum Thema Dieselfahrverbote bzw. Umweltbelastung. Ich selbst bin ja ein Benziner-Fahrer, aber ich hoffe, dass möglichst viele der wild aus dem Boden schießenden selbst ernannten Experten diese sorgfältig lesen werden. Mir stellt sich außerdem immer wieder die Frage, wie viel Prozent der angeblich Betrogenen tatsächlich nur aufgrund der Herstellerangaben zu Verbrauch und Umweltbelastung sich zum Kauf eines dieser Fahrzeuge verleiten ließen. Sollten da nicht eher Farbe, Ausstattung und Komfort etc. die wirklichen Entscheidungsmerkmale gewesen sein? Aber man kann ja versuchen, via Sammelklage noch ein paar Euro Sonderrabatt abzuschöpfen. 

Peter W. Schmitt Unterhaching

Unabhängig davon, dass unsere Automobilindustrie in schändlicher Weise agiert: Der Staat darf nicht kopflos und überstürzt handeln, sondern muss faktenbasierte Entscheidungen treffen. Allerdings muss man konstatieren, dass auch unsere zuständigen staatlichen Stellen bei der Festsetzung von Messmethoden zur Abgasmessung vollständig versagt haben und damit niemals Praxisbedingungen zugrunde legten. Wenn jetzt allerdings deutsche Technik-Professoren interviewt werden und entsprechende Erklärungen abgeben, dann stellt sich schon die Frage: Warum wird eine doch hoffentlich vorhandene und hoffentlich vom Staat bezahlte Kompetenz nicht dazu hergenommen, realistische Grenzwerte festzusetzen und auch entsprechende Kontrollmechanismen festzulegen? Und ich verspreche Ihnen: Wir werden ähnliche Erfahrungen in Sachen Energiewende machen. Nicht erreichbare Ziele setzen in Kombination mit falscher Einschätzung des technisch Machbaren (ideologisch und nicht durch Fachwissen getrieben) – so geht Politik heute! 

Volkmar Döring Unterwössen

Vielen Dank für den Kommentar von Martin Prem. Richtig erkannt, alle Krankheiten in den Großstädten werden nun auf den Diesel geschoben einfacher gehts halt nicht. Falsch Ernährung zu wenig Bewegung, Feinstaub durch Abrieb und ständiges Bremsen wegen falscher Ampelschaltung alles kein Problem man beißt sich halt am Diesel fest. Nun auch noch die Absprachen in der Automobilindustrie, eine Sauerei. Ich bin überrascht, wer alles bei den Gesprächen anwesend war, die Presse ,die Medien , die selbsternannten Experten alle waren mit am Tisch.  Man muss doch immer damit rechnen dass es eine undichte Stelle geben kann , also soviel Dummheit traue ich den Managern und Vorständen dann doch nicht zu. Manchmal kommt es mir vor als stelle sich ganz Deutschland im Kreis auf und jeder tritt jeden in den Hintern bis nur noch einer übrig bleibt. Und das ist mit Sicherheit der Hofreiter der sich aber leider beim Versuch sich selbst in den Hintern zu treten das Genick bricht, schade aber mit diesem letzten Akt hat sich Deutschland abgeschafft. 

Hans Winkler Schwaig

Irgendeiner muss schuld sein, das war schon immer so. Heute sind es die Stickoxide der Dieselautos, morgen die Abgase der Benziner, übermorgen sind es die Milliarden von Kühen, die bei jedem Schnauferer vorne Kohlenmonoxid und hinten den Klimakiller Methan ausstoßen. Nun, wenn die Ratten 2000 Mikrogramm Stickoxide pro Kubikmeter aushalten, dann sollen wir doch nicht so kleinlich sein und uns schon über 60 Mikrogramm aufregen. Wahllos greift der Politiker in die Trickkiste und offeriert uns den Täter. Diesmal aber hat er daneben gelangt. Leider traut sich keiner zu sagen: Wir sind zu viele Menschen mit zu vielen Autos. Und was ist mit den Flugzeugen, die toxische Stoffe über das ganze Land blasen? Ein Argument für die dritte Bahn, sagen sie. Auf drei Bahnen ist die Konzentration der Gifte nicht so hoch wie auf zweien. Politiker-Logik halt. Ob Diesel-, Benziner- oder Elektrosmog-Auto ist völlig egal. Dass wir vergiftet werden, ist völlig klar – nur nicht wie lange es dauert. 

Richard Birk Freising

In der aktuellen Diskussion um die immer schwerwiegenderen und Arbeitsplätze gefährdenden Skandale der Autoindustrie fällt mir das tiefe Schweigen der Gewerkschaften besonders auf. Von ihnen und insbesondere von ihren Spitzenvertretern ist so gut wie nichts zu hören oder zu lesen. Dabei sitzen sie mit ihren Betriebsräten an den Werkbänken und in den Büros ganz nahe am täglichen Geschehen in allen Abteilungen der Werke sowie mit ihren Aufsichtsräten in deren höchsten Entscheidungsgremien. Zu unterstellen, es habe hier keine Informationsflüsse gegeben, wäre doch mehr als realitätsfern. Alle haben hier gesündigt, alle tragen hier Mitverantwortung: Die Firmenleitungen, die Gewerkschaften mit ihren Betriebsräten und Aufsichtsräten sowie natürlich die Ministerpräsidenten der Autoländer Baden-Württemberg (Grün), Niedersachsen (SPD) und Bayern (CSU). Und sicher sind mitverantwortlich die zuständigen Minister der Bundesregierung, also die für Verkehr, für Wirtschaft und Umwelt sowie für Justiz, die erneut CSU und SPD angehören. Für die Arbeitgeber - wie die Arbeitnehmerseite wie natürlich auch für die Politiker aller Richtungen gilt also: mitgefangen – mitgehangen. 

Dr. Ludwig Kippes Puchheim

Beim Lesen dieses Artikels war ich dem Herzinfarkt nahe. Aber es waren Informationen, die Licht in das ganze Chaos brachten. Wenn ich mir anschaue, wer alles mit Halb- oder Mikrowissen umeinander redet, Dobrindt, Hendricks, Wissmann, Schulz, Seehofer und andere dann fällt mir nur Verzweiflung ein. Die Hersteller müssen ihrer verdammten Verantwortung gerecht werden. Was heißt das? Keiner weiß es genau aber gedroht wird schon mal. Die Bezeichnungen und Werte der verschiedenen Schadstoffe sind ein dermaßen großer Verhau in den niemand, aber auch niemand Klarsicht bringt. Nicht die Wissenschaftler, die es ja eigentlich wissen müssten, noch die Politiker, die erst einmal für klare Sicht sorgen müssten. Was soll dann der ungemütliche Dieselgipfel? Es ist, als würde man Dreijährige auffordern Ordnung in die überfüllte Spielzeugkiste zu bringen. Der absolute Gipfel aber ist ein Richter, der auch nur Mikrowissen mitbringt, aber mit seinem Richterspruch halb Deutschland enteignen will. Das Chaos wird nicht dadurch gelöst, dass man die Autoindustrie zwingt mit Milliarden technische Verbesserungen einzubringen, wenn niemand weiß welches die richtigen Ziele sind. Hirnlose Aktivitäten, erst mal losrennen, wohin weiß keiner genau. Deutschland wo sind deine klugen Köpfe? 

Ulrich Muzyk Zolling

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