Dreck zum Teil hausgemacht

Neue Software für Millionen Autos; Titelseite, Martin Prem: Keine Überraschung; Kommentar, Sauber recherchiert; Leserforum 3. August, Martin Prem: Die Luft an Deutschlands Straßen ist nach US-Maßstäben gesund; Wirtschaft 2. August, Placebo mit Nebenwirkung; Kommentar, Wie Stickoxide zum Sündenbock wurden; Im Blickpunkt 31. Juli

Stickstoff-Gefährdungsmärchen? Kommt da nicht etwas Verwirrung auf? Sollte die Automobil-Industrie denn damals sogar selbst darauf reingefallen sein? Als sie mit beträchtlichem Aufwand eine Manipulations-Software für die Messung der Abgaswerte entwickelte und einbaute? Das wäre dann ja nicht nur nicht notwendig gewesen, sondern auch noch nachteilig für die Gewinn- und Verlustrechnung. Wenn sogar Ratten erst bei einem 8000 er Gefährdungswert mit Reizungen reagieren. Bei dieser Betrachtungsweise wäre doch die angegebene Maximal-Belastung für Menschen von etwa 80 µg /NOx/m³ um gut das Hundertfache niedriger - oder halten Ratten vielleicht doch viel mehr aus als wir Menschen? Daran ändert sich auch nichts, wenn diese unsere Luft nach US-Maßstäben sogar „gesund“ ist. Es könnte dabei auch auf die Maßstäbe ankommen. Und dann: Sind das wirklich „populistische Kräfte“, wenn die zu einem Haltet-den-Dieb aufrufen und sich dann nachsagen lassen müssen, dass damit die Kräfte des eigentlichen Verursachers „geschwächt oder gar zerstört werden“ (Zitat)? Schön wäre es also, wenn wir nicht über die Zahl der Toten durch NO² debattieren, sondern gemeinsam zu Lösungen kommen, die überhaupt Tote vermeiden helfen - und weniger gesundheitlich Geschädigte. 

Hans Jürgen Menge Rottach-Egern

Meine Gratulation zu Ihren Beiträgen in der heutigen Ausgabe des Münchner Merkur! Meine Meinung: eine hervorragende Darstellung des Problems. Ich bin in den letzten Wochen auf die Richtlinie der EU 2017/164 für Arbeitsplatz-Richtgrenzwerte vom 31.1.2017 gestoßen und habe mich und andere Personen danach gefragt, warum die NOx-Grenzwerte auf der Straße nur weniger als 5% des Wertes betragen sollen, die an einem 8 - Stunden Arbeitsplatz gelten. Ich habe in vielen Autozeitungen und auch in Wochenmagazinen keine zufriedenstellende Erklärung gefunden. Wenn die Fakten in Ihrem Artikel stimmen - und daran habe ich keine Zweifel - dann haben die WHO, die betroffenen EU - Institutionen und ihre Politiker, die nationalen Politiker, die Stuttgarter Richter m. E. ein echtes analytisches Problem. Darüber hinaus verstehe ich auch die Autoindustrie nicht, dass sie es zulässt, dass die Dieseltechnologie mit einer aus heutiger Sicht m. E. unwissenschaftlichen Argumentation in Verruf gebracht wird, dass Millionen Autofahrer massiv geschädigt werden etc.. Erlauben Sie mir eine Anmerkung: Nach meinem Wissensstand erlauben die derzeit gültigen EU - 6 -Grenzwerte für Benzinfahrzeuge zwar einen 10-fach höheren Partikelzahlgrenzwert als bei Dieselfahrzeugen. In einem Straßentest von vergleichbaren Diesel- und Benzinfahrzeugen der Hersteller AUDI, BMW, Mazda, Renault und VW zeigte sich jedoch in der Praxis ein durchaus gemischtes Bild sowohl beim Partikelausstoß wie auch beim NOx, vgl. Auto Motor und Sport, Heft 15/2017 Seite 106. 

Dr. Manfred Ernst Vaterstetten

Ein sehr guter, endlich mal sachlicher Kommentar zum Thema. Aber warum gibt es nur einen „Nationalen Diesel Gipfel? In der „Stinker- Liste“ der Bild vom 2. August sind unter den 10 größten „Dreckschleudern“ nur jeweils ein Audi, Mercedes und VW dabei, von den anderen Herstellern redet aber scheinbar keiner. Was ist eigentlich mit den Emissionen von Transportern, LKW, Omnibussen und Bahnen; Schiffsverkehr gibt es ja in München – Gott sei Dank – nicht.. Ebenso sollte mal aufgezeigt werden, wie hoch der Emissionsanteil der Heizungsanlagen in Privathaushalten und vor allem in öffentlichen Gebäuden ist und vor allem, wie alt und modernisierungsbedürftig diese sind und was Städte, Gemeinden und der Bund hier für die Reinhaltung der Luft vorhaben und investieren werden. Können/sollten Heizanlagen, die älter als 15 Jahre sind- auch verboten werden, so wie das beim Automobil diskutiert wird? Dazu wäre es dann auch noch interessant zu wissen, wie denn unsere Verantwortlichen wohnen und ob die denn alle umweltfreundlich und energiesparend mit gutem Vorbild vorausgehen. 

Michael Rahe Holzkirchen

Zum Dieselgipfel fällt mir nur ein, dass man früher zu den Kindern sagte: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er dann die Wahrheit spricht. 

Josefine Huber Anzing

Obwohl sich die Autos in München in den letzten Jahrzehnten mehr als verdoppelt haben, ist in den letzten 30 Jahren keine neue leistungsfähige Straße gebaut worden. Im Gegenteil, es hat ein Rückbau und eine Aufpflasterung von Straßen stattgefunden. Vor vierzig Jahren hatten wir auf der Landsberger Straße von Pasing bis zur Friedenheimerbrücke Eine grüne Welle mit Anzeige bei welcher Geschwindigkeit diese funktioniert (schon lange abmontiert). Heute werden von der Stadt Kreuzungen gebaut, die so in keiner Planungsrichtlinie enthalten sind, für den Verkehrsteilnehmer fremd sind, und somit eine verminderte Leistungsfähigkeit haben. (Siehe Nordumgehung Pasing). Bei Freiham wurde die einst schnurgerade Bodenseestraße bis zur Unkenntlichkeit gekrümmt und verbogen. Warum werden überall um München herum und im benachbarten Ausland seit 15 Jahren Kreisverkehre gebaut, nur bei uns nicht (billig im Betrieb, keine schweren Unfälle)? Man könnte durch eine Vielzahl von kleinen Maßnahmen die Leistungsfähigkeit des vorhandenen Straßennetzes Steigern. Offensichtlich ist der Stau gewollt. Da braucht sich aber auch keiner über die schlechte Luft zu wundern. 

Franz Wimmer München

Es ist wieder die alte Leier vom „nicht zu schaffen“, die der Leserbriefschreiber, Herr Dr. Temper, tritt. Er verkennt dabei, dass es die deutsche Kfz-Branche und die Energieversorgungsunternehmen noch viel schneller schaffen werden müssen, wenn es ihnen nicht so ergehen soll, wie den Solarmodulherstellern. Mit Reden und dem Klammern an alten Zöpfen geht das sicher nicht und Deutschland wird dann eine weitere Spitzentechnologie verlieren! Also müssen zeitliche Vorgaben her. Natürlich ist es nicht die Dieseltechnologie alleine, sondern alle auf der Verbrennung basierenden Energieerzeugungs- und umwandlungsarten - sofern das nicht auf regenerativer Art geschieht. Und dabei gibt es schon sehr viele Möglichkeiten. Aber auch bei einer Umstellung wird es weltweit notgedrungen noch lange Verbrennungsmotoren geben. Außerdem muss der Transport von Menschen und Gütern auf der Schienen massiv vorangetrieben und bei der Planung von Wohnungen, Versorgungseinrichtungen und Arbeitsplätzen für kürzere Wege gesorgt werden. Für eine gute Stadtplanung gibt es gute Beispiele in Holland und Dänemark. 

Ingrid Novosad Planegg

Kein Gesetz ist auf Dauer unabänderlich. Es bleibt zu hoffen, dass nationale Gerichte und/oder europäische Gerichte in letzter Instanz bei Klagen gegen Fahrverbote sich damit befassen müssen, ob die geltenden Grenzwerte für Stickoxide wissenschaftlich belegbar sind, um darauf Eingriffe in die Grundrechte des Einzelnen begründen zu können. Die bestens recherchierten und in ihrer Begründungskette schlüssigen Fakten und Argumente von Martin Prem sollten für die an der Rechtsfindung Beteiligten Pflichtlektüre sein. Nichts gegen Verbote gesundheitsschädlicher Stoffe. Rechtlich fragwürdig werden aber Verbote, wenn sie nur dazu dienen, massiven Druck auf den Einzelnen aufzubauen, um eine politisch oder ideologisch gewollte Verhaltensweise zu erzwingen. In jeder Hinsicht dienlicher wäre es im Fall der Automobilindustrie, echte Alternativen mit staatlichen Mitteln zu fördern und voranzutreiben wie die Produktion von Kraftfahrzeugen, welche mit von Sonne und Wind erzeugten Wasserstoff angetrieben werden: Abgase würden wegfallen, technisch aufwendige Batterien und Stromtrassen wären überflüssig. 

Jakob Geltinger München

E-Autos sind in der Nutzung CO2-frei. Das wird von allen Parteien begrüßt und man will diese Technologie intensiv fördern und strebt in den nächsten Jahren bis zu 1 Million E-Mobile in Deutschland an. Was für ein fataler Irrweg! Dass vor allem „Die Grünen“ diese Entwicklung sogar in ihrem Wahlprogramm fordern, zeigt, wie wenig „nachhaltig“ gedacht wird. Das Motto lautet: Was geht uns die ungeheure Umweltvernichtung in den Förderländern der Rohstoffe für die Batterien der E-Autos an, wichtig ist, dass unser Umweltgewissen bei uns rein bleibt. Jedermann sollte doch wissen, dass diese Rohstoffe, wie seltene Erden und seltene Metalle, bereits für Milliarden Mobiltelefone, PCs, Tabletts und unzählige andere elektronische Geräte benötigt werden. Hat jemand gründlich die Gesamtkosten für die hunderte mal größeren Auto-Batterien recherchiert, inklusive Energieverbrauch bei Erschließung, Förderung, Verarbeitung, Transport und Entsorgung? Hat sich jemand Gedanken darüber gemacht, was mit den hinterlassenen „Mondlandschaften“ geschieht? Werden diese jemals renaturiert? Wer soll das bezahlen? Werden für unseren Profit dort die Menschen ausgebeutet? (Wie bisher schon für andere endliche Ressourcen). Für einige Bereiche könnte mittelfristig E-Mobilität richtig sein: Brief- und Paketzustellung, Sozialdienste mit kurzen häufigen Strecken, zur Alten- und Krankenbetreuung. Aber nicht als Zweit- oder Drittauto fürs Einkaufen und für Stadtfahrten von Frau und Tochter, weil es gar so schick ist. Die Zukunft gehört der Wasserstofftechnologie: Flüssigwasserstoff, Brennstoffzellen, Power-to-Gas usw. Der Aufbau einer europaweiten Logistik für die Stromtankstellen ist meiner Meinung nach völlig unrealistisch. Welcher Strommix wird dort getankt? Was geschieht mit den Millionen von Laternenparkern? Fragen über Fragen und als Antwort nur ideologisches Gestammel!

 Karl Schlicht Anzing

Das Ergebnis des Dieselgipfels ist nichts anderes als das Resultat unserer jahrelangen Lobbyisten Politik. Dankbar muss sie annehmen, was ihnen die Autoindustrie großzügigerweise anbietet. Artig belobigen Dobrindt & Co. den gefundenen Kompromiss, da man sonst Gefahr läuft, dass Parteispenden deutlich geringer ausfallen und mit dem Verlust von tausenden Arbeitsplätzen gedroht wird. Dann hat man seitens der Autohersteller sogar noch die Bodenlosigkeit, jegliche Hardware Nachrüstung auf ihre Kosten auszuschließen und Besitzern von älteren Dieselfahrzeugen Kaufprämien anzubieten. Wie perfide. Nötigt man dadurch doch Dieselbesitzer, sich ein neues Auto zu kaufen, um eventuellen Fahrverboten zu entgehen. Und die Konzerne schlagen ganz nebenbei noch Kapital aus ihrem Betrug. Den Gipfel der Arroganz erreicht Hr. Müller, der sich hinstellt und jegliches Konzernversagen von sich weist. Auch wenn es Müllers Vorgänger waren, so ist das was, was die deutsche Autoindustrie, und allen voran VW, jahrelang praktiziert hat, nichts Anderes als Betrug. Und Betrüger müssen in einem Rechtsstaat bestraft werden. Doch davon sind wir weit entfernt. Arme deutsche Politik.

 Bernhard Fritz Lauterbach

Der Diesel-Gipfel, ausschließlich mit Ministerien und Autoherstellern bestückt, war eher ein Gipfel der Irreführung. Beweis: Gruppen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH; bahnbrechendes Urteil in Düsseldorf mit Diesel Fahrverbot) wurden gar nicht erst eingeladen. Man suchte also nicht die beste Lösung für die Innenstädte, sondern für die Industrie und Politik. SPD und vor allem CDU/CSU (Dobrindt) wollen nur halbwegs heil über die Wahl im Herbst kommen und Fahrverbote vermeiden, denn dies würde massiv Wählerstimmen kosten. Die Kanzlerin hielt sich aus der Schusslinie heraus, indem sie gar nicht aufkreuzte. Führung, wann wäre sie nötiger als jetzt, sieht anders aus. Es wurde nicht mal ein Kompromiss erzielt, da sich die Industrie mithilfe ihrer Lobbyisten auf der ganzen Linie durchgesetzt hat. Überspitzt könnte man sagen, dass die Industrie regiert und die Berliner Regierung eine Art von abhängiger Verwaltung darstellt. Die Aufspielung der neuen Software hätte man schon vor einem Jahr durchführen können. Damals faselte man nebulös von „Motorschutz“ der jetzt wohl nicht mehr wichtig ist. Die Software ist die mit Abstand billigste und uneffektivste Lösung. Inzwischen gibt es schon Meldungen von umprogrammierten Autos, dass der Kraftstoffverbrauch um einen Liter höher liegt und dass etliche Motoren bereits Schaden nahmen. Das Risiko liegt aber voll beim Halter! Eine tatsächliche NOx Reduktion geht nur über die permanente Zudosierung von Harnstoff, siehe bei Lkws. Die Botschaft für den Bürger ist, wie schon bei der Flüchtlingspolitik, verheerend: Recht und Gesetz sind hauptsächlich von ihm einzuhalten. Da wird streng darauf geachtet. Für mächtige Kartelle oder Regierungen scheinen andere Gesetze zu gelten („Vorsprung durch Betrug“). Der Bürger ist bei der Wahl im Herbst aufgefordert sein Kreuzchen gut zu bedenken.

Dr. Günter Urban Wilzhofen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lobbyisten haben zu viel Einfluss auf Politik
Autolobby spendeteMillionen an Parteien;Titelseite 14. September
Lobbyisten haben zu viel Einfluss auf Politik

Kommentare