Diskussion um Zölibat für katholische Priester hält an

Claudia Möllers: „Zölibatsdebatte wird schärfer“; Titelseite 24. Januar

„Zum wieder aufgetauchten Thema Zölibat in der römisch-katholischen Kirche muss diese Frage gestellt werden: Wird der Gründer der Christlichen Lehre Jesus Christus vergessen? Der war nicht verheiratet. Das müssen zumindest alle katholischen Geistlichen wissen, egal welches Amt sie innehaben!“

Wolfgang Hülmeyer Greiling


„Wer für die Zwangsehelosigkeit der Priester ist, sollte die Bibel in die Hand nehmen. Unser Herr Jesus hat nicht ein Zwangszölibat von Gemeindevorsehern verlangt. Er hat es uns freigestellt, ihm mit oder ohne Ehepartner zu dienen (Matthäus 19.12). Ein Abt namens Hildebrand hat es als Papst Gregor VII. im 11. Jahrhundert erlassen.“

Maria Diel München



„Dazu das Zitat eines Freundes, der ein höherer Geistlicher ist: ,Herr Gott ich danke Dir. Wie komme ich Unwürdiger zu der unverdienten Gnade des Zölibats?‘ Das sagte er im Vergleich mit den Aufgaben und Sorgen eines normalen Familienvaters.“

 Helga Christ Gauting



„Die Deutsche Bischofskonferenz lässt also verlauten, es gelte das Thema Zölibat ,neu zu entdecken‘. Pardon, aber dieser Diplomatensprech ist schwer erträglich, weil das Thema bereits seit über 40 Jahren aufgedeckt daliegt. Das Zölibatsproblem ist seither theologisch (biblisch, dogmatisch, moraltheologisch) ausdiskutiert, mit dem eindeutigen Ergebnis: Der Pflichtzölibat (Betonung auf ,Pflicht‘) folgt nicht zwingend aus dem Schriftwort von den Ehelosen um des Himmelreiches willen. Die Priesterfrage war auch erstes Hauptthema der Generalsynode der Bischöfe, die Papst Paul VI. 1971 in Rom einberufen hatte. Dabei ging es auch um die ,viri probati‘, die Frage also, ob in bestimmten Fällen und unter bestimmten Voraussetzungen nicht auch verheiratete erprobte Männer zur Priesterweihe zugelassen werden könnten. In der Beantwortung dieser Frage gibt es bis heute nicht nur keine Fortschritte, sondern, wenn man sich die Entwicklung des Diakonats anschaut, nur Rückschritte. Aber wie sagte doch Altabt Odilo im Interview: Man kann dem Wirken des Heiligen Geistes nie Grenzen setzen. Recht hat er. Nur befürchte ich, dass die Taube des Heiligen Geistes noch länger in der Luft schweben muss, ehe sie mit den probaten Männern im Gepäck landen kann. Wie wär’s, wenn wir schon mal einen Platz dafür herrichteten? Und wenn der Geist Gottes dann genau dort nicht ,landet‘? Beton auf Landeplätzen ist mir aber allemal lieber als Beton in Köpfen.“

Hans-Joachim Bertram Weilheim


 „In seinem Buch ,Bruder Jesus‘ gibt der jüdische Religionswissenschaftler Schalom Ben Chorin zu bedenken, dass es in keiner der Schriften, die im Judentum zur Zeit Jesu heilig gehalten wurden, ein Ideal der Ehelosigkeit gibt. Jesus, so Ben Chorin, sei als Rabbi aufgetreten und von seinen Jüngern (und Jüngerinnen) auch so angeredet worden. Ein unverheirateter Rabbi sei aber im damaligen Judentum fast undenkbar gewesen. Mit scharfen, harten Worten verurteile der Talmud die Ehelosigkeit: ,Wer keine Frau hat, ist ohne Freude, ohne Segen, ohne Glück, ohne Thora (Gesetz), ohne Halt, ohne Frieden; ein Mann ohne Frau ist kein Mensch.‘ Zugegeben, starker Tobak, der hier in einem der wesentlichen Bücher des Judentums geraucht wird. Ben Chorin bringt nach weiteren Erläuterungen zum Thema Rabbinertum und Ehe die Sache auf den Punkt, indem er schreibt: ,Ich bin also der Ansicht, dass Jesus von Nazareth, wie jeder Rabbi in Israel, verheiratet war. Seine Jünger und seine Gegner hätten ihn gefragt, wenn er von diesem allgemeinen Brauche abgewichen wäre.‘ Der Verfasser dieser Zeilen glaubt aber in der Tat, dass der Rabbi Jesus von diesem Brauch abgewichen ist, dass also Christus auf Ehe und Familie verzichtete, auch auf die Gefahr hin, von seinen Jüngern peinlich befragt und von seinen Gegnern noch heftiger angefeindet zu werden. Schließlich lief seine Mission, das war ihm wohl schon sehr früh klar, im wahrsten Sinne des Wortes auf ein Himmelfahrtskommando, auf eine blutige Katastrophe hinaus, in welche seine Familie unweigerlich involviert worden wäre. Sippenhaftung, also die Haftbarmachung der Angehörigen einer Person für Delikte, welche dieser zu Last gelegt werden, ist ja keine Erfindung der Bolschewiken oder der Nationalsozialisten, sondern ebenso widerwärtige wie alltägliche Praxis aller Unrechtsstaaten aller Zeiten.“

Hans Peter Hötzendorfer Erding

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