Elektroantrieb für Kurzstrecken

Ab 2040 nur noch Elektroautos? Titelseite, Martin Prem: Gebot statt Angebot; Kommentar 27. Juli

Ihren Kommentar mit der Überschrift „Gebot statt Angebot“ kann ich nur voll unterstützen. Leider gehen die von Ihnen richtig dargestellten Tatsachen bei der Euphorie über das Wunschdenken im Rahmen des Umweltschutzes unter. 

Reiner Maus München

Die Vorstellung, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor von unseren Straßen verschwinden könnten, hat etwas ungemein Bestechendes. Lärm, Gestank, Feinstaub, Gift wäre aus unserer unmittelbaren Umgebung verbannt und die Lebensqualität der meisten Bürger würde sich damit ungemein verbessern. An der Machbarkeit mit Elektromotoren hege ich jedoch die allergrößten Zweifel. Abgesehen von den Problemen der nötigen Infrastruktur sind – wie schon der Kommentator, Herr Prem – schreibt, die Batterien ein Riesenproblem. Hierzu eigene Erfahrungen: Seit eineinhalb Jahren besitze ich ein Pedelec Dreirad. Dreirad wegen krankheitsbedingter Gleichgewichtsstörungen, Pedelec deshalb, weil ein Dreirad ohne Motorunterstützung eine sehr mühsame Angelegenheit ist. Die Reichweite des Akkus beträgt - entgegen der vom Händler vollmundig versprochenen ca. 80 Kilometer nur circa 15 bis 18 Kilometer. Das heißt, selbst ins nahe gelegene Weilheim kann ich nicht fahren, ohne nachzuladen – was dankenswerterweise neuerdings möglich ist – oder auf dem Heimweg fleißig strampeln und schlimmstenfalls schieben. Wiederum mit Dreirad sehr schwierig, da man praktisch nebenher laufen muss, sonst bekommt man ein Hinterrad ins Knie. Bergauf macht der Akku fast gar nichts mit. Ein weiteres Problem ist die Ladezeit: Nach circa 5 Kilometer Fahrt 2 Stunden nachladen! Selbst wenn entsprechende Autobatterien um einiges besser wären – die Probleme wären prinzipiell dieselben. Und ein Elektroauto mit leerem Akku kann man nicht gut schieben. Die Politik sollte daher gleichzeitig technische Entwicklung in jeder Richtung fördern, und sofort umsetzen, was schon längst machbar wäre: Verlegung des Güterverkehrs so weit als möglich auf die Schiene, Flugverkehr eher eindämmen als fördern - Flugbenzin besteuern!, aufjaulende Motoren bei Motorrädern verbieten und einiges mehr. Bin auf die weitere Entwicklung ja sehr gespannt! 

Natalie Johnson Maxlried

Über diesen Kommentar habe ich mich besonders gefreut. Endlich mal jemand, der die Situation realistisch sieht. Da wird es etliche Leute geben, die sie auslachen. Natürlich kann man auf Kurzstrecke elektrisch fahren, aber was ist auch mit Lastwagen, Lokomotiven, Schiffen; ganz zu schweigen vom Luftverkehr? In meiner Jugend wollte man Flugzeuge mit einem Kernreaktor antreiben. Ein Riesenproblem beim Strom wird das Tanken bleiben. Schnell mal in Holzkirchen nachladen auf dem Weg von Hamburg an die Adria wird nicht gehen. Durch einen heutigen Tankschlauch gehen mehrere Megawatt. Dazu braucht die Bahn 15 Kilovolt. Wasserstoff wäre interessant, aber der Wasserstoff-BMW ist längst verschwunden. In Kanada wollte man 1993 den Bahnbetrieb auf Wasserstoff umstellen. Dafür gibt es heute ein paar Rangierlokomotiven. 

Karlheinz Winter Vaterstetten

Den Deutschen kann man vieles aufschwatzen, sie glauben es, hat schon Napoleon Bonaparte vor rund 200 Jahren sinngemäß gesagt. Es wundert mich, dass auch unsere Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merket Physikerin, nicht verstehen will, dass ohne ausreichend preiswerten elektrischen Strom weder Wasserstoff- noch E-Autos großtechnisch möglich sind. Wasserstoff wird mit elektrischer Energie hergestellt. Dabei wird aus 1,0 kWh ca. 0,5 kWh Wasserstoffenergie. Der Energieverbrauch erfolgt durch Wasseraufbereitung, Additive, Wasserhydrolyse, Verdichtung bzw. Verflüssigung und Transport zur Tankstelle. Können wir uns diese Verluste leisten? Wasserstoff hat einen niedrigen volumetrischen Energieinhalt, nur ein Drittel von Erdgas. Bei hohen Drücken versprödet unlegierter Stahl. Wasserstoff ist vor allem wegen des hohen Herstellungsenergieverbrauchs als Ersatz für KW-Brennstoffe nicht geeignet. E-Motoren haben einen günstigeren Wirkungsgrad als Verbrennungsmotoren und werden sicherlich nach Ende von Erdöl und Erdgas als Ersatz eingesetzt. Ob jedoch bereits 2040 ist mehr als zweifelhaft. Wir nehmen unsere Atom-, Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke vom Netz und haben hierfür außer ein wenig generative Energie keinen Ersatz, anders als andere Länder, die ihre Atomkraftwerke weiter betreiben. Wer glaubt, die regenerativen Energien Wind, Sonne und Biomasse (Mais) genügend weiter ausbauen zu können, der weiß nicht bzw. vergisst, dass die elektrische Energie nur ca. 16 Prozent der Primärenergie (Atom, Kohle, Erdöl, Erdgas, regenerative Energien) ausmacht, und elektrischer Strom großtechnisch nicht speicherbar ist. Mit den nur sporadisch anfallenden Energien aus Sonne und Wind können wir unseren Energiebedarf - bezogen auf die Primärenergie - nicht annähernd decken. Auch Strom aus Biomasse (Mais) ist nicht weiter ausbaubar, wollen wir unsere Lebensmittel- und Futtermittelproduktion nicht noch weiter ins Ausland, in Schwellen- und Entwicklungsländer, verlegen. Der Traum vom E-Auto kann großtechnisch nur umgesetzt werden, wenn genügend Strom verfügbar ist, Ersatzstrom für die vom Netz gehenden Atom-, Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke und dann erst der Strom für die E-Autos. Und was machen wir? Ich vergleiche unsere jetzige Situation und Strategie mit einem Autoliebhaber, der sein Traumauto im Detail designt und bestellt, aber vor lauter Eifer die Räder vergisst. 

Kurt Kugler Markt Inderdorf

Frau Aigner meint also, Elektromobilität sei nur sinnvoll, wenn auch der Strom aus erneuerbaren Energien komme und deshalb wolle sie erst mal die Verbrennungsmotoren weiterentwickeln. Und sie sagt auch: „Wer den Wandel im Energie- und Verkehrssektor gleichzeitig regeln wolle, überhebe sich.“ Da kann ich nur sagen: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Und wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, geht unter. Das gilt nicht nur für Minister - die sind leicht ersetzbar. Das gilt vor allem für Industriezweige wie unsere Automobilindustrie. Wenn die nicht langsam in die Puschen kommt, hat sie keinen Markt mehr in den sie ihre mit Verbrennungsmotoren getriebenen Autos verkaufen kann. Und selbst deutsche Verbraucher werden mehr und mehr auf ausländische Fahrzeuge ausweichen, wenn die deutsche Industrie nicht langsam aufwacht. Das Aus des Exportschlagers Auto wird der gesamten deutschen Wirtschaft und somit uns allen schaden. Politik und Wirtschaft gemeinsam müssen die Verkehrswende in Angriff nehmen. Dazu braucht es mutige Politiker und mutige Wirtschaftsführer. 

Dr. Gabriela Seitz-Hoffmann Bündnis 90/Die Grünen Sprecherin Kreisverband Weilheim-Schongau

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