Nur zweite Wahl

„Unternehmen fehlen Naturwissenschaftler“; Titelseite 29. Oktober

Durch einen Kollegen wurde ich auf diese Meldung aufmerksam. Ich gehöre zu den 700 Experten, die seit 18 Monaten in der NSN- Transfergesellschaft einen Job suchen. Die Meldung über angeblichen Fachkräftemangel, bei dem sogar auf ältere Arbeitnehmer (die demnach also nicht erwünscht sind) zurückgegriffen werden muss, ist ja wohl der pure Zynismus. Wie definiert Ihre Zeitung denn Fachkräfte? Und welche Einstellung gegenüber älteren Arbeitnehmer steht dahinter? Dies ist diskriminierend und menschenverachtend!

Nagalingam Rajanayagam München

In der, nach dem rigiden Personalabbau vom April 2012, gebildeten Transfergesellschaft von Nokia Siemens Networks finden rund 700 Experten überwiegend mit Studienabschluss in den MINT-Disziplinen (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) und langjähriger einschlägiger Berufserfahrung trotz intensivster Bewerbungsbemühungen seit über 18 Monaten keinen Job. Wie kann dies sein, angesichts des beklagten Mangels von 120 000 MINT-Experten allein in diesem Jahr? Der Artikel bietet eine mögliche Erklärung: Ein Teil der Nachfrage konnte nur durch ältere Arbeitnehmer gedeckt werden. An dieser Formulierung sieht man deutlich, dass ältere Arbeitskräfte als zweite Wahl betrachtet und nur ungern eingestellt werden. Und die meisten der Arbeitssuchenden in der Nokia Siemens Transfergesellschaft sind 50 plus.

Günther Graf München

Im April 2012 wurden 1600 Arbeitsplätze von Nokia Siemens Networks in München abgebaut und 1400 Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft mit einer zwei jährigen Laufzeit aufgefangen. Seit 18 Monaten Recherche sind noch über 700 Experten (überwiegend mit langjähriger und einschlägiger Berufserfahrung in dem MINT- Bereich) ohne neuen Job, trotz intensivster Bewerbungsaktivitäten. Von dem beklagten Mangel über 121 000 MINT- Experten, sind 700 potentiellen MINTs (0,6 %) eigentlich nur einen Tropfen auf dem heißen Stein. Was also läuft hier schief? Nun viele MINTs in der Nokia Siemens Transfergesellschaft sind über 50 Jahre alt. Handelt es sich hier wieder um eine Dissonanz zwischen Angebot und Nachfrage? Ja, denn es werden primär junge MINTs nachgefragt. Viele 50+ MINTs werden bis 2020 hinaus noch arbeiten, da die Rente regulär mit 67 beginnen wird. 1,4 Millionen MINT- Arbeitsplätze fehlen dann. Sollten bis dahin von den oben genannten 700 MINTs (0,05 %) noch welche ohne Job sein, dann dürften sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zunehmend und drastisch erhöhen. Aber sind sie dann nicht ein zweites Mal zu alt?

Paul Kowalec München

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