Schadenfreude gegen Leben und Gesundheit gehört bestraft

„Entsetzen über Gewalt gegen Flüchtlinge“; Titelseite 22. Februar

Ich gehöre noch zu der Generation, die von den Nazis um ihre Jugend betrogen worden ist. Das Triumphieren der Nazis, wenn sie eine Synagoge oder andere Kulturgüter zerstört hatten, ist mir heute noch im Ohr mitsamt der Marschmusik. Es lähmte unsere Familie geradezu. Ich bin Münchnerin und habe alle Luftangriffe auf die Stadt miterlebt. Als Kinder zitterten wir im Luftschutzkeller vor Todesangst, wenn die Bomben heulten und krachten. Als Jugendliche half ich des Öfteren in der Eimerkette, wenn es in der Nachbarschaft brannte. Von der Schule wurden wir in die Nachbarhäuser geschickt, um den Menschen nach Luftangriffen beim Schutträumen und Säubern ihrer Wohnungen zu helfen. Einmal sah ich von einer Wohnung aus, wie Leichenteile in Weidenkörben gesammelt und mit Lastwagen wegtransportiert wurden. Als 16-Jährige hatte ich am nächsten Tag meine ersten grauen Haare, so sehr war ich erschüttert und blieb dies lebenslang. Ich bin dankbar, relativ gut durch den Krieg gekommen zu sein, aber ich habe Menschen erlebt, die total ausgebombt wurden und nichts mehr besaßen. An all das erinnere ich mich, wenn ich die Flüchtlinge sehe, denen zum Teil auch kein Leid erspart blieb, die alles verloren, auch Kinder und Angehörige, und die nur in Sicherheit und Ruhe leben wollen. Allerdings müssten sich dann die orientalischen Machos unseren Gepflogenheiten anpassen oder zurückgehen. Die Menschen in Ostdeutschland hielt ich eigentlich für geheilt von der deutschen braunen Vergangenheit durch die Erlebnisse in der DDR; und zum aller größten Teil ist das so. Aber es gibt halt doch noch die gefühllosen Nazilanten, die nicht in unsere Gesellschaft passen. Eine Schadenfreude, die sich gegen Leben und Gesundheit von Menschen richtet, gehört bestraft. Es deprimiert mich, dass es Leute gibt, die in den 70 Jahren nach dem Krieg nichts von der Würde und dem Recht auf Leben aller Menschen gehört haben.

Man sollte diese Personen aber nicht zu Lasten des Steuerzahlers in Haftanstalten stecken, sondern in Flugzeugen nach Aleppo oder in ein anderes Kriegsgebiet bringen, wo sie dann in einem halbzerbombten oder -ausgebrannten Haus zwei- bis drei Monate weiter triumphieren dürfen. Mal sehen, wie ihnen das gefällt?

 Annemarie Zottmann Herrsching

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