Die ganze Welt lacht über uns

 „Über uns lacht die ganze Welt“ war neulich in einem Artikel über das Katastrophenprojekt Flughafen Berlin-Schönefeld zu lesen. Das ist leider wahr.

Es liegen auf der Welt genügend Erfahrungen mit Flughafenprojekten vor. Die Ausrede, dass das Vorhaben eben einen sehr hohen Neuheitsgrad hatte und deshalb Kosten und Termine kaum zuverlässig geschätzt werden können, zieht also nicht. Eine Hauptursache für die Blamage hat mein Kollege Prof. Rothengatter, ein herausragender Experte für Investitionen im Verkehrssektor, genannt: „Es fehlt eine klare und konstruktive Rollenverteilung zwischen öffentlichem und privatem Bereich. Der öffentliche Bereich hat versucht, Funktionen zu übernehmen, die normalerweise dem privaten Management zukommen. Außerdem setzt sich der Aufsichtsrat dieses Projekts nahezu gänzlich aus Vertretern der Politik zusammen. Er soll die Kontrolle des Managements vornehmen. Mit dieser Rolle aber ist er so, wie er personell besetzt ist, völlig überfordert.“ Das heißt, etwas weniger höflich formuliert: Die zuständigen Politiker haben kläglich versagt. Angesichts dieser Diagnose ist es nur schwer verständlich, wenn Minister Ramsauer, der ja durch seinen Staatssekretär im Aufsichtsrat vertreten war, jetzt eine Überprüfung des Projekts gefordert hat. Das Angebot von Bürgermeister Wowereit zurückzutreten, sollte man dankbaren Herzens annehmen. The party is over.

Univ.-Prof. Dr. Heinz Schelle Oberau

Was soll der mündige Bürger von einem Regierenden Hauptstadt-Bürgermeister Woworeit (SPD ) halten, der es als Flughafen-Aufsichtsratschef inzwischen mehrmals versäumt hat, den beteiligten Baufirmen gehörig auf die Finger zu schauen und zu klopfen, nachdem jetzt der Eröffnungstermin für Berlin-Schönefeld wiederholt verschoben wurde? Nach dem ursprünglichen Termin im Jahre 2011 ist jetzt irgendwann im Jahre 2014 im Gespräch. Es handelt sich ja nur um unseren als Aushängeschild gedachten Hauptstadt-Airport. Auch die geschätzten, gewaltigen Kosten von mehreren Milliarden Euro wurden inzwischen erheblicher als zunächst geplant überschritten. Dies ist der Bürger hierzulande leider schon bei öffentlichen Großprojekten seit Jahren gewohnt. Mit Recht fordern jetzt die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus mit einem geplanten Misstrauensvotums den Rücktritt des längst nicht mehr tragbaren politischen Hauptstadt-Oberhaupts. Und das ist gut so! Schadenersatzforderungen der beteiligten Großfirmen, insbesondere im Bereich Brandschutz, sollten die Verantwortlichen einfordern. Es ist nämlich nicht einsehbar, dass bei diesem wichtigen Kapitel derart nachlässig gearbeitet wurde.

 Günther Ehrhardt Miesbach

Eröffnung erneut verschoben“; Titelseite 7. Januar

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