Brachialer Eingriff

„Wirbel um neuen Flughafenplan“; Titelseite 22. Dezember

Also, das ganze ist schon schwer zu verstehen: Warum wird überhaupt in München über einen Flughafen abgestimmt, der mehr als 30 Kilometer entfernt ist? Nur weil die Stadt Gesellschafter ist? Da auch das Land beteiligt ist, müsste dann ja auch in ganz Bayern abgestimmt werden, oder - weil es ja ein überregionaler Flughafen ist- doch gleich in der ganzen Bundesrepublik? Da es ja eh’ nur um (mal wieder nur) um Politik geht, ist eine politische Lösung doch einfach: Die Stadt verkauft Ihre Anteile, die dritte Startbahn wird gebaut (ja, ja, Gesichtsverluste, und die vielen Nachteile…), vom Erlös kann die Stadt dann aber den Englische Garten untertunneln… Oder glaubt jemand, dass das sonst noch geschieht? Der Tunnel unter dem englischen Garten hat so viele positive Aspekte, da kann man doch wohl so eine dritte Startbahn ertragen, oder?

Michael Rahe Holzkirchen

Das Problem der FMG ist es gerade, dass die Verkehrszahlen den Bedarf einer 3. Bahn eben nicht belegen. Fliegen ist eines der klimaschädlichsten Fortbewegungsmittel und nur durch erhebliche steuerliche Subventionen künstlich attraktiv. Kondensstreifen bilden Zirruswolken, das fördert nicht den Tourismus, sondern den Treibhauseffekt und beeinträchtigt nebenbei Bayerns Photovoltaikanlagen. Luftverschmutzung und Lärm schaden der Volkswirtschaft durch enorme Krankheitskosten und verursachen großes persönliches Leid. Tausende Tonnen Schadstoffe verteilen sich über landwirtschaftliche Gebiete und gelangen in die Nahrungskette. Die geplante 3. Bahn liegt in nur 4 km Luftlinie zum Mariendom im Zentrum der 45000 Einwohnerstadt Freising, von wenigen Betroffenen kann also keine Rede sein. Die Bequemlichkeit von Reisenden, wirtschaftliche Gier und politisches Imponiergehabe rechtfertigen keinesfalls einen solch brachialen Eingriff in Heimat und Natur, schon gar nicht im christlichen Werten verbundenen Bayern.

Anne Werkmeister Freising

Die dort oben spielen mit uns doch nur „Fang a Mandl“, wenn es um die 3. Bahn geht. Am 29. Oktober schien die Hatz beendet zu sein, weil Horst Seehofer uns versprach, bis Weihnachten seine Entscheidung bekannt zu geben. Nun stürzen wir nach den heutigen Meldungen wieder aus unseren Behausungen heraus, weil wir spüren, dass die Jagd von neuem begonnen hat. „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“ „Niemand“, erklärt Horst Seehofer „denn die Sachlage ist für mich klar.“ Beruhigt hat das nur die Gutgläubigen, die es als eine Frage der Ehre ansahen, dass ein gegebenes Wort gilt. Und so laufen wir nun wieder, weil Erwin Huber schreit: „Wenn er aber kommt, der Schwarze Mann!?“ „Dann laufen wir davon!“, brüllen die Attachinger, Pullinger, Berglerner, Günzenhausener, Wartenberger, Freisinger. Eigentlich sind wir bis jetzt nur „davongelaufen“. Brav waren wir, brav haben wir demonstriert, brav haben wir an deren Worte geglaubt. Wahrlich ein Vergnügen für unsere Heimatvernichter. Aufgehört hat sich das „Fang a Mandl Spiel. Jetzt ist Konfrontation angesagt. Wer nicht hören will, dass zehntausende von Menschen durch ein paar CSU Wichtigtuer vernichtet werden sollen, muss fühlen. Fühlen bei den nächsten Wahlen wäre mir im Moment zu wenig. Ich würde vorschlagen, dass alle von der CSU getragenen Veranstaltungen gleichgültig von wem, wofür und wo, ab sofort boykottiert werden. Startbahngegner, gut getarnt irgendwo in der CSU, könnten dann ab sofort das von den Attachingern über der Tür des Wirtschaftsausschussvorsitzenden Erwin Huber aufgehängte Damoklesschwert, gegen verbindliche Zusagen desselben, wieder abhängen. Der soll spüren, dass es in Freising und Umgebung nicht nur brave und duldsame Demonstranten gibt, sondern, dass auch wir „Krieg“ machen können, wenn die Gegenseite nur provoziert. Die Behauptung der Münchner Bürgerentscheid wäre juristisch nicht mehr bindend, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Mich interessieren diese Spielchen nicht mehr, mich interessiert die menschliche Seite; und die sagt mir, die Zeit des Händeschüttelns und braven Abwartens ist vorbei. Isolieren wir die Täter, dann wird sich in der Frage der 3. Bahn die CSU Spreu vom Weizen trennen müssen. Mal schaun, wer da noch übrig bleibt.

Richard Birk Freising

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