Geschenke auf Pump

Die Steuern sinken – ein bisschen; Titelseite 7. Oktober

Man spürt es wieder. Wahlen stehen an. Der mündige Bürger ist gefragt. Damit der „mündige Bürger“ sein Kreuzchen an die richtige Stelle setzt, wird er beschenkt. Steuernachlass ist das Zauberwort. Nur wovon?

Haben wir nicht zwei Billionen Euro Schulden und einen zusätzlichen Schattenhaushalt mit Schulden in unbekannter Höhe? Haben wir trotz enormer Steuereinnahmen kaum etwas getilgt? Wurden im ersten Halbjahr nicht wieder Schulden gemacht; schwarze Null ade? Aber es lässt sich leicht schenken, denn der Bürger muss irgendwann sowieso die Geschenke in irgendeiner Form zurückzahlen. Jetzt stehen nur die Zinsen dafür an – davon merkt er sowieso nichts. Bloß: Wo ist die Vorsorge für die Zukunft bei jetzt schon bekannten Verpflichtungen von vielen Billionen Euro?

Dass alles immer so weitergeht wie bisher, kann kein vernünftiger Mensch glauben. Und was dann? Rette sich, wer kann. Und wen trifft es dann am meisten? Diejenigen, die jetzt schon nichts haben. Und an denen gehen sowieso die Steuergeschenke vorbei – sie zahlen ja gar nichts. Deshalb gehen sie auch gar nicht wählen, oder sie wählen das falsche, denn das Ganze bringt ihnen nichts. Warum soll man auf sie Rücksicht nehmen, wenn sie keine Stimmen bringen? Und die Anhebung des Grundfreibetrags als Teil des Steuergeschenks? Das ist sowieso Pflicht und wird von den Gerichten verlangt. Und profitieren werden nur die Steuerzahler und vor allen Dingen die Vermögenden mit fast 50 Prozent. Aber die geringe Summe, die das ausmacht, geht bei denen sowieso unter.

Wäre es nicht fair und vor allen Dingen sozial, das Ganze einfach umzudrehen – von den Hochsteuerzahlern zu den nicht Begüterten? Das wäre ein Schritt zu einer Solidarität, auf die wir vielleicht alle einmal angewiesen sind. Aber ich glaube, das ganze hier Gesagte ist wieder einmal nur „in den Wind gesprochen“.

Wolfgang Jahr
Wolfratshausen

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