Leserbriefe

Für und wider Tempolimit

Streit um Tempolimit-Kampagne; Titelseite 3. Februar

Es täte Not, eine Kampagne für ein Tempolimit zu starten! Dann sähe die bayerische Autolobby-Partei mit dem C vornedran ebenso wie damals beim Nichtraucher-Volksbegehren, wie die Mehrheit der Bürger wirklich denkt. Unsere Politiklobbyisten halten offenbar den Rest der Welt, in welchem mehrheitlich ein Autobahn-Tempolimit gilt, für total verblödet und rückständig. Sie können nicht begreifen, wie entspannend es in der Schweiz ist, Autobahn zu fahren, obwohl dort nur 120 gilt und außerdem keine Drängler oder Raser anzutreffen sind.

Klaus Engel

München

Verwundert reibt man sich die Augen und kommt ins Grübeln. Liegt es am Datum oder an der Jahreszeit? Dann kommt schlagartig die Erleuchtung: Wir stehen kurz vor einer Wahl und die bayerische CSU muss auf Biegen und Brechen einen drohenden Abwärtstrend stoppen. Die Lösung: Es wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben.

Diesmal ist es das Tempolimit. Die letzten beiden derartigen Aktionen waren die 10H(orst)-Regel und die Ausländermaut. Beide wirken bis heute nach. Der Ausbau der Windkraft in Bayern ist nahezu zum Erliegen gekommen und mit der gescheiterten Maut beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss.

Und jetzt wird trotz eindeutiger Faktenlage gegen ein Tempolimit polemisiert. Alle anderen europäischen Länder haben es längst in die Praxis umgesetzt, die Zahl der schweren Unfälle geht deutlich zurück und der Ausstoß an Treibhausgasen wird verringert. Nicht zuletzt bewirkt die geringere Geschwindigkeit weniger Reifenabrieb und eine Reduzierung der erforderlichen Bremsvorgänge. Beides führt zu einem geringeren Anfall an Feinstaub. Das äußerst Bedenkliche an diesen Aktionen ist das bewusste Schüren von gefährlichen Grundstimmungen in der Bevölkerung. Bei der Maut war es die Stimmungsmache gegen Ausländer. 10H und Tempolimit-Kampagne wenden sich gezielt gegen alle Maßnahmen zur Energiewende und Klimaschutz. Alle Lippenbekenntnisse von CSU-Politikern zu Klimaschutz und Energiewende sind absolut unglaubwürdig.

Ernst Deiringer 

Verein Energiewende, Seefeld




Es ist schon sehr bedenklich, wenn einer angeblich christlichen Partei die Freiheit, hier die Freiheit zu Rasen, das höchste Gut ist. Mit 250 über die Autobahn zu donnern, ist eine tolle Freiheit, die in Kauf nimmt, Unschuldige langsamere Verkehrsteilnehmer nicht nur massiv zu gefährden, sondern eigentlich ihren Tod in Betracht zieht. Ich bin öfters auf der A 8 zwischen Ulm und München unterwegs, wenn sie frei ist, wird gerast, rechts überholt, nicht geblinkt, Raser fahren in Schlangenlinien alle drei Spuren benutzend durch den langsameren Verkehr. Wenn man rechts mit 130 fährt wird man auf den anderen zwei Spuren von gleichauffahrenden Fahrzeugen, die sich ein Rennen mit 280 km/h liefern überholt. Da erschrickt man geradezu! Wir sind praktisch das einzige Land, in das Leute aus aller Welt reisen, um illegale Autorennen zu veranstalten. Dank unserer mehr als dummen Politik. Die CSU-Kampagne ist ein Kniefall vor der angebeteten Autoindustrie, und die Partei hat sich jeglicher christlicher Werte entledigt, falls diese jemals vorhanden waren, was ich bezweifle.

Peter Düthorn

Rottach-Egern

Es ist zu vermuten, dass die CSU schnellere Autos fährt und nur deshalb für ihre bescheuerte Aktion Unterstützer sucht. Befürworter für das Tempolimit bleiben außen vor. Schnellere Autos ersetzen eben nicht den Verstand.

Alois Heiß

Eichenau




Die Sonntagsfahrer, die nach der eindeutigen Abstimmung im Bundestag jetzt wieder penetrant und populistisch ein Tempolimit auf unseren Autobahnen fordern, sind offensichtlich dort selten unterwegs, auf jeden Fall schlecht informiert. Sonst wüssten sie, dass ein großer Teil unserer Autobahnen bereits tempolimitiert ist, in allen Varianten (60, 80, 100, 120, 130, bei Nacht, bei Nässe usw.), ganz abgesehen von den Baustellen (100, 80, 60) von denen es unglaublich viele gibt, die meist über unglaublich lange Zeit existieren. Unsere wunderbaren Autobahnen sind als Schnellstraßen angelegt und ausgebaut. Unsere Automobile sind weltweit gefragt, weil sie in Qualität, aktiver und passiver Sicherheit, eben auch für hohe und sehr hohe Geschwindigkeiten verlässlich konstruiert sind. Ein gutes Beschleunigungsvermögen dient auch der Sicherheit. Wenn man nicht nur gelegentlich beschaulich cruisen will, sondern viel beruflich unterwegs ist, weiß man, dass nicht nur in Ferienzeiten, Kolonnenverkehr, Stop- and-go, und Stau das Verkehrsgeschehen auf Autobahnen häufig dominieren. Da wäre man glücklich mit Tempo 100 vorwärtszukommen. Und wenn dann auf unseren vermehrt sechsspurigen Autobahnen wirklich mal freie Fahrt möglich ist, ist doch ein Tempo von 130 km/h heute wirklich nicht das Maß aller Dinge, sondern nur nervig, sogar gefährlich einschläfernd und zeitraubend. Dabei ist es durchaus nicht erwiesen, dass bei Tempo 130 die Unfallzahlen insgesamt signifikant sinken. Warum eigentlich stereotyp als Grenze immer diese völlig veraltete, willkürliche Marke 130 km/h und nicht wenigstens 160, 180 oder 200?

Schon Autos der 60er Jahre liefen meist viel schneller als Tempo 130 und man war froh darüber, das nutzen zu können. Wenn die allwissenden CO2-Gläubigen und grünen Verbotsspezialisten gegen die bisher, Gott sei Dank, noch ab und zu freie Fahrt, die Klima und Ressourcenkarte spielen, ist das geradezu lächerlich. Ein Mehr an Emissionen und Verbrauch entsteht auf Autobahnen fast nur durch Staus. Unsere Autobahnen sind mit Abstand die sichersten Straßen und die Unfälle, jeder einer zuviel, passieren hier durch Unaufmerksamkeiten und Fahrfehler, ganz überwiegend unter 130 km/h. Absoluter Schwerpunkt des Unfallgeschehens sind mit weitem Abstand die Landstraßen und Städte, und Ortschaften, wie die schlimmen Unfallberichte, gerade nach jedem Wochenende, im Münchner Merkur belegen. Also endlich: Schluss der Debatte über weitere unsinnige Tempolimits auf unseren Schnellstraßen = Autobahnen. Motivieren wir uns und andere immer wieder zu einem ausnahmslos rücksichtsvollen Verhalten im Straßenverkehr, wo und wie auch immer (§§ 1 der STVO), egal wie langsam oder schnell wir unterwegs sind! 80 km/h bei Nässe oder Nebel können verantwortungslos sein! Der Raser ist ein undefinierter, billiger Totschlagsbegriff, der nichts mit einem Tempo über 130 km/h zu tun hat, sondern beim Losfahren zutreffen kann. Und liebe, durchaus akzeptierte, Freunde des beschaulichen und langsamen Fahrens auf der rechten Spur, versuchen Sie, sich nicht zu ärgern, wenn Sie überholt werden. „Nosce te ipsum“ sagt der Lateiner, erkenne Dich selbst. Gehen Sie einmal in sich, und fragen Sie sich, ob nicht die eigene, persönliche Fahrunsicherheit, Fahrtauglichkeit bei höheren Geschwindigkeiten, und daraus resultierende Ängste und Reflexe die hauptsächliche Quelle sind, für Ihren Wunsch nach noch mehr Tempolimits auf unseren schönen, sicheren Autobahnen.

Uli Faßnacht

München

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