Danke, Helmut Kohl!

Trauer um Helmut Kohl; Titelseite, Georg Anastasiadis: Ein Patriot; Kommentar, Alexander Weber: Auf ewig der Kanzler der Einheit; Im Blickpunkt 17./18. Juni

Regierte mit Mass und Mitte sechzehn Jahre lang unsere Bundesrepublik und hinterlässt uns nicht nur in Europa, sondern weltweit ehrliche Freunde. Die deutsche Wiedervereinigung, die friedliche EU-Festigung nannte er mit berechtigtem Stolz als sein Vermächtnis. Konrad Adenauer verschaffte uns Wiederaufnahme in die Völkerfamilie, Helmut Kohl, der christlich-barocke Deutsche aus der Pfalz (unserer abhandengekommenen 8. bayrischen Provinz) hat die Bundesrepublik mit Augenmaß möbliert - man darf zurecht annehmen, dass er sein Platzerl im 7. Himmel einnehmen darf, denn er war ein christlicher Mann – augenzwinkernd hat er als praktizierender Christ gesagt: Die Predigt muss kurz und die Würst’ beim anschließenden Frühschoppen müssen lang sein! Ade! 

Hans Steidl Vaterstetten

Dem langjährigen Kanzler gebührt das unschätzbare Verdienst, die Anbahnung der deutschen Einheit navigationssicher, inmitten divergierender Interessen auf der Weltbühne, unbeirrbar auf den Weg gebracht zu haben. Das war der kurze Moment, ein historischer Wimpernschlag nur, als er die geknechteten Mitteldeutschen gegen alle Fährnisse auf die breite Lichtung der Freiheit führte. Danke, Helmut Kohl! Thomas Prohn Erding Politiker aus der ganzen Welt loben die weitsichtige Politik von Helmut Kohl und seine besonderen Verdienste bei der Wiedervereinigung. Nur die Grünen kritisieren den verstorbenen Altbundeskanzler für seine rückwärtsgewandte Politik. Offensichtlich leidet die Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt unter Realitätsverlust. Man hätte in NRW am Ende einen erfolgreichen Wahlkampf geführt. Tatsächlich ist Grün vom Wähler abgestraft worden. Sie sind mit Ach und Krach an der 5 % Hürde vorbei geschrammt. Da die Grünen im Herbst Regierungsverantwortung übernehmen wollen, befürchte ich Schlimmes, wenn solche Realitätsverweigerer die Geschicke unseres Landes bestimmen.

 Heinz Steinmann München

Kohl beging einen riesengroßen Fehler, als er die DDR übernahm. Er hätte die DDR als neuen selbstständigen Staat werden lassen müssen. Das hätte uns eine Riesensumme erspart und auch die Frau Merkel. 

Hermann Rollett Wackersberg

Chefredakteur Anastasiadis trifft den Nagel auf den Kopf: Angela Merkel wird sich an dem Staatsmann und Kanzler der Einheit dereinst in den Geschichtsbüchern messen lassen müssen. Dabei hat er sie früh als Ministerin, als Kohls Mädchen, hochgebracht. Und sie hat ihn als erste für parteischädlich erklärt, in einem Beitrag für die FAZ, weil er an einem Ehrenwort gegenüber dem Spender festhielt. Kohls langjähriger Beichtvater, der Prämonstratenser-Pater Basilius Streithofen, bestärkte ihn im Schweigen. Also hielt der letzte römisch-katholische Bundeskanzler sein gegebenes Wort und sammelte neues Geld, um die Strafgelder des Bundestags an die CDU auszugleichen. Ja, eine glückliche Zeit für deutsche Patrioten durch die nicht für möglich gehaltene Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit (Adenauer). „Wir sind das Volk“ wird international akzeptiert: Kohl verknüpft das Anwachsen Deutschlands mit der Stärkung der EU durch Einführung einer gemeinsamen Währung. Nur diesem Helmut Kohl vertrauten bei den 2+4-Gesprächen die vier hochrangigen alliierten Sieger des Zweiten Weltkriegs höchstpersönlich. François Mitterrand reichte ihm 1984 in Verdun die Hand, Michail Gorbatschow und Kohl wurden dokumentierte Freunde in Pullover und Strickjacke an deutschen und russischen Flüssen. Lady Margaret Thatcher sträubte sich am längsten und musste widerstrebend Pfälzer Saumagen verkosten. Dem englisch parlierenden Kanzler aus Hamburg und ehemaligem Wehrmachtsoffizier Helmut Schmidt hätte sie immer misstraut. Der Provinzler Kohl, heimatverbunden, mit Französisch als erster Fremdsprache, Anbindung an die französisch-elsässische Grenze - ein Glücksfall unserer Nachkriegsgeschichte. Den sensationellen Wahlsieg der Allianz für Deutschland im März 1990 konnten sich eingefleischte Sozialisten wie Lafontaine und Schily nur mit Bananen erklären, die sie am Abend nach der Stimmenauszählung hilflos in die Fernsehkameras hielten. Es war einfach schön. Demonstration der endgültigen Niederlage des Kommunismus im Geburtsland von Karl Marx. Dank dem naiven Titan aus Oggersheim. 

Fritz Werner Weilheim

Helmut Kohl war Realpolitiker, der bei all seinen Fehlern die Nähe zu den Menschen in Deutschland und Europa gehalten hat. Abgehobene Entscheidungen à la Merkel, seinem bis heute undurchsichtigen Mädchen, das dann durch ihre umstrittene Immigrationspolitik ganz Europa in Schwierigkeiten und die EU an den Rand des Zusammenbruchs manövriert hat, hätte es mit ihm nicht gegeben. 

Claus Reis Schwabach

Helmut Kohl ist tot. Das Verhältnis der Deutschen zu Helmut Kohl war lange ambivalent. Als „Kanzler der Einheit“ hatte er vieles richtig gemacht und die „Schmunzler“ und die Häme wurden weniger. Seine Bodenständigkeit, oft zu Unrecht als Provinzialität verspottet (70% der Deutschen leben in der sog. Provinz) und sein innerer Kompass machte ihn trotz, oder gerade deswegen, zu einem großen Europäer. Im Gegensatz zu einer Nachfolgerin verkörperte er die CDU, im wahrsten Sinne des Wortes. Einst trat ich wegen ihm in die CDU ein und wegen ihr trat ich wieder aus. Auch das ist bundesrepublikanische Befindlichkeit und das ist man heutzutage nicht allein. Politiker, wie Kohl fehlen schon lange. Gerade in Europa. Chris Dasch Saulgrub im Ammergebirge Wer in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni das Interview Dr. Kohls mit verfolgte, weiß erst, was Politik ist, wer sie macht und wie sie gemacht wird. Intrigen, nichts als Intrigen! Nun ein freudiges Er1ebnis. Nicht nur die am Tisch des Herrn gewesenen, die selbstverständlich so oder so Erlebnisse mit unserem Kanzler hatten, davon Bücher schreiben können oder konnten. So wie die Kleinen haben welche, nämlich: Dr. Kohl hatte das Verdienst, die sogenannte Ludwigshöhe bei Edenkoben an der Rheinstraße für die Pfalz vom WAF zu erwerben die über der südlichen Weinstraße Ludwig I. 1849/51 erbauen ließ die er abwechseln mit jener bei Aschaffenburg abwechselnd bewohnte. Da der aus Landshut gebürtige Max Slevogt in der Nähe sein Gehöft hatte, sorgte Dr. Kohl noch als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz dafür, dass eine Sammlung in die Ludwigshöhe kam – als Kanzler ließ er im Bonner Kanzleramt eine Slevogt-Ausstellung machen – um dessen Katalog ich ihn bat – der innerhalb acht Tagen kam, Wir geben in Oggersheim – das herz. Schloss gibt es nicht mehr in dem Kurfürst Carl-Theodor bewohnte, einen Ludwig I.-Kalender ab wofür er sich persönlich von Berlin bedankt. Ihn selbst und seiner Frau begegnete ich am Weltwirtschaftsgipfel in der Maximiliansstraße – ohne Schutz schüttelten sie den Passanten die Hände. Die Anti-Koh1wel1e verstand ich nie. Man wird wohl auch in München eine Straße benennen müssen! 

Hannes Heindl Freising

Im Nachhinein sieht die deutsche Wiedervereinigung wie ein naturgesetzlicher Vorgang aus. Aber es hätte ohne Kohl auch anders kommen können: Nehmen wir einmal an SPD-Kanzler Lafontaine hätte an seiner 2-Staatenlösung festgehalten, hätten wir heute zwei deutsche Staaten, die nebeneinander EU-Mitglied wären wahrscheinlich ohne Euro bestenfalls mit der Aussicht, dann in einer zweiten Stufe zusammenzuwachsen-vielleicht auch mittels einer Volksabstimmung und Neuverhandlung des Grundgesetzes. Fraglich, ob das besser gewesen wäre. Die Ökonomen sagen ja, da eine Ex-DDR-Wirtschaft ohne gleichen Umtauschkurs durch Abwertung die Möglichkeit gehabt hätte konkurrenzfähig zu werden, was andere wiederum bezweifeln, da der technologische Rückstand derart groß war (ein ähnliches Argument bemühen ja heute Ökonomen um Prof. Sinn gegenüber Griechenland und einem Grexit). Man sollte aber auch nicht vergessen, Gorbatschows und Jelzins Leistungen hoch zu schätzen, denn ohne deren Eingreifen hätte es wahrscheinlich eine chinesische Tiananmen-Lösung und das Gelingen des Putsches rückwärtsgewandter Kräfte gegeben- mit allen möglichen Rückwirkungen dann auf Deutschland und Europa. Gleichzeitig war der Euro aber der Preis der Vereinigung, vor allem auf Betreiben Frankreichs. Heute sehen ja viele den Euro als Ursache für die Europakrise und Finanzkrise, da er keinen optimalen Währungsraum, noch einen europäischen Zentralstaat hat und deswegen von etlichen Ökonomen als Fehlkonstruktion (nicht wegen des Nichteinhaltens der Maastrichtkriterien, sondern sui generis) gesehen wird. Es bleibt also zu fragen, ob es eine Dialektik der Wiedervereinigung und der europäischen Integration gab, in deren ersten Schritt Deutschland und Europa noch unter Kohl geeinigt wurde, um dabei aber durch Überexpansion und Überintegration wie auch des Fehlkonstrukt des Euros die dann kommende Europakrise hervorzubringen. 

Ralf Ostner Murnau

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