Hochpolitischer Akt

Lange Debatten um Kohl-Staatsakt; Titelseite 22. Juni

Was Alt-Kanzler Helmut Kohl für seine Beerdigung festgelegt hat, ist nicht allgemein bekannt. Wenn aber nun hierfür ein EU-Staatsakt in Straßburg, dem Sitz des EU Parlaments, vorgesehen ist, wird die Trauerfeier ein hochpolitischer Akt. Über seine Durchführung wird die EU Präsidentschaft in enger Absprache mit der Bundesregierung entscheiden. Sicherlich ist es richtig, dass Bundeskanzlerin Merkel die Trauerrede halten wird. Schließlich galt Kohl viele Jahre als ihr politischer Ziehvater. Die Reden des französischen Präsidenten Macron und des früheren US-Präsidenten Bill Clinton betonen das enge Verhältnis zu Frankreich und den USA, das unter der langen Regierungszeit des Alt-Kanzlers ausgebaut und verstärkt wurde. Weder die deutsche Wiedervereinigung noch die Europäische Union wären ohne ein solches politisches Grundverständnis möglich gewesen. Nicht verständlich ist allerdings, warum Bundespräsident Steinmeier nicht willkommen ist. Die Anwesenheit des höchsten Vertreters des deutschen Staates sollte doch selbstverständlich sein. Persönliche Differenzen zwischen ihm und dem Alt-Kanzler dürfen hierbei keine Rolle spielen. Kohls Witwe muss entscheiden, in welchem privaten Rahmen sie die eigentliche Beisetzung ihres Mannes auf einem Friedhof in Speyer durchführen will. Mit dem EU-Staatsakt hat sie organisatorisch nicht zu tun. 

Peter Hütz Krailling

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