Fast paranoide Bindung an die AfD

Seehofer: Merkel-Debatte muss enden; Titelseite 21. Februar

„Abgeordnete müssen nach vorne schauen und die Mutmacher sein“, mit diesen fast prophetischen Worten an die Abgeordneten und Mitglieder seiner Partei könnte die CSU, geführt von ihrem Vorsitzenden, beginnen, anscheinend (oder scheinbar?), sich von einer fast paranoiden Bindung an die AfD zu lösen und aus einer erstarrten staatsanhaltenden wieder zu einer dynamischen, staatstragenden Partei zu verändern. Es geht nicht nur um die Unterstützung für die Bundeskanzlerin. „Laptop und Lederhose“ war einmal ein Symbol für die Absicht einer sich wirtschaftlich, geistig und sozial öffnenden Gesellschaft, die ihre Kraft aus der Überzeugung ableitete, wir schaffen das, wie und weil wir schon vieles geschafft haben, weil wir neue Techniken, neues Wissen, neue Menschen bei uns aufnehmen konnten und uns damit, auch kulturell, weiterentwickelt haben. Durch die abwehrende, zu sehr sicherheits- und kostenbetonte Rhetorik besonders im Zusammenhang mit der Zuwanderung von Menschen aus Lebensbedrohung, aus wirtschaftlicher Not, aus Hoffnungslosigkeit in ihrem Heimatland und das entsprechende administrative Verhalten ist der Geist, der hinter „Laptop“ stand, zurückgedrängt und die „Lederhose“ aufgeblasen worden. (Und dabei legen einzelne „Schmiedl“ Anweisungen von oben oft noch engherziger aus als der „Schmied“, das Innenministerium.) Willkürliche Verlegungen von Flüchtlingen heraus aus der vertraut gewordenen Umgebung, die Beschränkung der Möglichkeit für Flüchtlinge und Asylbewerber, sich eine Beschäftigung, vielleicht sogar einen Ausbildungsplatz zu suchen, die Drohung der Abschiebung für nicht anerkannte Asylbewerber (die doch aus der Not kamen) und für deren Sicherheit in ihrem Heimatland kein Innenminister eine Garantie übernehmen würde sind Ergebnisse einer legalistischen, rechthaberischen und inhumanen Einstellung, die nach rückwärts schaut und, auf der Metaebene, die Botschaft verbreitet, wir in Bayern seien gar nicht fähig zu einer Öffnung und Weiterentwicklung. Die Bundesländer, die Angesichts der Unsicherheiten in den Herkunftsländern und bei der Kette von Unschärfen im Rahmen der Aufnahmeverfahren z. B. durch Fehlen der Fingerscanner, durch Mitarbeiter des Bamfs und anderer Stellen die Abschiebungen aussetzen, sind zu beglückwünschen. Letztlich geht es doch um Mitmenschlichkeit. Und es wäre auch für Bayern kein Gesichtsverlust, würde es umschwenken. „Nach vorne schauen und die Mutmacher sein“ - Ich wünsche Herrn Ministerpräsident Seehofer viel Kraft und potente Mitstreiter bei der Aufgabe, die CSU wieder zukunftsfähig zu machen, die Bevölkerung dabei mitzunehmen und sich so aus ihrer ängstlichen geistigen Abhängigkeit von der AfD zu lösen. Leben und leben lassen, d. h. mitkommen lassen, sei wieder die Grundfolie in Bayern. 

Hans Michael Miller Freising

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